Sollte die ukrainische Hürde gemeistert werden, muss sich Red Bull mit Rubin Kasan oder Olympiakos Piräus beschäftigen
Nyon - Es ist fast schon wieder lustig oder zumindest eine Laune des Fußballs, dass von jenen 16 Mannschaften, die als Gegner infrage kamen, ausgerechnet Metalist Charkiw zugeteilt wurde. Genau dieses Team wollte Red Bull Salzburg nämlich nicht haben, aber das tangierte die Auslosung am Freitag in Nyon nicht. Die Wiener Austria könnte über die Stärke der Ukrainer ein Lied oder eine komplette Oper singen, in der Gruppenphase der Europa League setzte es ein 1:2 und ein 1:4. Mit beiden Ergebnissen war man noch gut bedient.
Im Gegensatz zu Manchester United, Manchester City oder Schalke ist Charkiw nicht an den Fan zu bringen, die Bullen-Arena wird am 16. Februar eher leer bleiben. Genau eine Woche später steigt in Charkiw das Rückspiel, da kann es, Glück vorausgesetzt, minus 20 Grad haben. Zusammengefasst ist das also sportlich, wirtschaftlich und klimatisch gesehen eine horrible Aufgabe. Trainer Ricardo Moniz blieb trotzdem höchst professionell. "Es hätte schlimmer kommen können, die Chancen stehen 50:50. Jedes Detail wird ausschlaggebend sein." Verteidiger Franz Schiemer widersprach seinem Chef, ohne disziplinäre Folgen befürchten zu müssen. "Ein Traumlos schaut sicher ganz anders aus. Sie haben hervorragende Spiele abgeliefert, aber wir müssen uns auch nicht verstecken."
Sollten die Salzburger die Hürde nehmen, was natürlich angestrebt wird, wäre im Achtelfinale der Spaß ebenfalls begrenzt. Rubin Kasan und Olympiakos Piräus sind die Kandidaten, die Russen wären sportlich, wirtschaftlich und klimatisch ein Jammer, bei den Griechen würde wenigstens das Wetter passen.
"50:50" sagt Moniz
Trainer Moniz setzt vor allem Hoffnungen in die lange verletzt gewesenen
Douglas und Mendes da Silva, die im Gegensatz zur Gruppenphase in der K.o.-Phase
einsatzberechtigt sind. "Unser Vorteil ist, dass Douglas und Mendes wieder dabei
sind", betonte der Niederländer. Gegenüber der Gruppenphase können drei Spieler
des Kaders verändert werden.
Informationen werden die Salzburger aus Wien
einholen. "Die werden sicher kooperativ sein", sagte Moniz, der zudem einen
guten Freund kontaktieren wird, der bei Schachtjar Donezk arbeitet. "Wir haben
genug Zeit, um uns hundertprozentig vorzubereiten. Gegen diesen Gegner wird
jedes Detail ausschlaggebend sein. Wir werden bereit sein", meinte der
47-jährige Salzburg-Coach.
Unerfreuliche Bilanz
Schiemer hat er doch die Partien
seines Ex-Clubs Austria gegen Charkiw im Fernsehen verfolgt, er weiß, was auf Red Bull zukommt: "Da waren sie
ziemlich chancenlos in beiden Spielen." Aber: "Wir werden
schauen, dass wir die Austria rächen." Schließlich habe man gezeigt, dass man in einer Weltklassegruppe
bestehen könne.
Das vom Bauunternehmer und Banker Alexander Jaroslawski aufgepäppelte Charkiw verfügt unter anderem
über drei Brasilianer und sechs Argentinier und damit viel spielerische Klasse.
In der nationalen Meisterschaft ist man wie auch am Ende der vergangenen
Saison nach 20 Runden Tabellendritter. In der Gruppenphase der Europa League blieb die Mannschaft in sechs Partien
ungeschlagen und musste in der Gruppe G nur gegen Alkmaar (zweimal 1:1)
Punkteverluste hinnehmen.
Es ist für Charkiw schon das dritte direkte Duell mit einem österreichischen Verein
innerhalb kürzester Zeit. In der Europa-League-Saison 2009/10 hatte Sturm Graz
dank eines 1:1 (in Graz) und 1:0 (in der Ukraine) gegen Metalist im Playoff den
überraschenden Aufstieg in die Gruppenphase fixiert. Insgesamt nimmt sich die Europacup-Bilanz gegen ukrainische Gegner allerdings nicht sonderlich erfreulich aus. In 29 Spielen gab es 8 Siege, 5 Remis und 16 Niederlagen (Torverhältnis 37:49). In fünf von acht K.o.-Duellen zog der österreichische Vertreter den Kürzeren.
(hac/APA/red)
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