Personalberater hört auf

Scharfe Worte zum Branchenabschied

16. Dezember 2011, 17:17
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    foto: standard/r. newald

    Peter Eblinger: 20 Jahre Pharma-Manager, ebenso lang Unternehmer in der Personalberatung.

Ein Doyen der Personalberatung in Österreich hört auf - Peter Eblinger geht in Pension und schaut zurück

Er würde alles wieder genauso machen. Das sagt Peter Eblinger (66) auf dem Weg in den sogenannten Ruhestand - ein Großer der heimischen Personalberatung, der vor 21 Jahren, in der Frühzeit der Branche in Österreich Eblinger & Partner aufgebaut hat - eine Beratung mit mittlerweile 25 Mitarbeitern und 150 Such- und Personalentwicklungsaufträgen im Jahr. Die Firma ist an seine Kinder Charlotte und Florens übergeben. Jetzt werden seine Möbel aus dem Büro in der Wiener City "nach Hause" gebracht. Nach 40 Jahren beginne man doch, Schönes außerhalb der Arbeit zu sehen, und "halbe Sachen" lagen ja nie in seinem Naturell, also: Jetzt geht er ganz aus dem Unternehmen. Wenn man die Kinder zur Selbstständigkeit erzogen habe, dann seien sie eben auch selbstständig, lächelt er: "Kinder als solche weiter zu beschützen - auch das hört sich auf, weil sie es nicht zulassen."

"Stolz" ist nicht sein Wort ("Klingt wie Pfau", sagt Eblinger), aber "Freude" schon: Die habe er auch in den nunmehr zwei Jahren des Loslassens gehabt, weil er gesehen habe, es geht auch ohne ihn. Wobei er, gern mit Beiworten wie "Doyen der Branche" und "Gentleman" bedacht, sehr zufrieden zurückschauen kann: Senkrechtstart als Nischenplayer im Bereich Life-Sciences, binnen kurzem unter den Top Ten der Zunft in Österreich, mit dem Attest einer sehr guten Visitenkarte vonseiten der Branchenkollegen - aus seiner "Schule" kamen eine Menge "junger, exzellenter" (Eblinger) Berater in den Markt. Als seinen persönlich größten Erfolg nennt er, "dass die Arbeit mit Menschen für mich immer erfüllend war, mir immer Spaß gemacht hat, dass ich so viele tolle Persönlichkeiten auf Mitarbeiter-, Kunden- und Kandidatenseite kennengelernt habe."

Stark verändert hat sich - abgesehen vom Einfluss der neuen Medien - die Branche selbst. Nicht nur, dass sie sich auf wohl deutlich über 200 Anbieter verfünffacht hat. Mittlerweile hat die Branche auch ein Imageproblem. Da findet Eblinger, der sich 20 Jahre für einen gemeinsamen transparenten Ethikstandard seiner Branche erfolglos eingesetzt hat, jetzt sehr klare, harte Worte:

Selbstdarsteller, Kulissen

Das liege am "Heer von Mitläufern, das Lebensläufe herumschickt oder einfach ausgeschriebene Positionen auf die eigene Website stellt", sagt Eblinger - er sagt es nun mehr enttäuscht als empört. In der Masse sei die Personalberatung heute "dominiert von Selbstdarstellern mit großer Kulisse und wenig Hintergrund".

"Der Markt ist noch intransparenter geworden, Kunden und Kandidaten haben ein Vertrauensproblem." Auf der anderen Seite der Unternehmen bedauert er "eine noch immer wachsende Begehrlichkeit nach Wunderwuzzis" - da habe seine Branche in der Kundenberatung Versäumnisse angehäuft. Ebenso hätten die professionell und qualitativ hochwertig Arbeitenden zu wenig kommuniziert, was Qualität bedeute und bedinge. Kunden seien so verführbar durch Preisdumping und Marktschreierei geworden. Schnelllebigkeit und der Druck, billige Angebote anzunehmen, täten das Ihrige. Gerade wenn es um das Zueinanderpassen von Menschen im Arbeitsleben gehe, sei das schnelle Geschäft "schädlich". Personalberater seien oft lediglich der verlängerte Arm der Firmenleitung, und dort würden oft bequeme Mitarbeiter gesucht, die nicht stören, die Ja sagen.

Eblinger: "Es ist das, was uns im ganzen Wirtschaftsleben abgeht: Moral und Ethik - sie sind so oft nur mehr ökonomisiert, geopfert." Mitarbeiter seien nicht ein "Werkzeug zum Erfolg" - wer nicht fair, nicht transparent agiere, wer nicht spürbar und zugewandt führe, werde nie "die Besten" gewinnen und halten können. Gewisse Entzauberungen scheinen also auf dem Weg zu liegen? Ja, sagt er, aber es habe ihn schon immer ein "fast übertriebener Gerechtigkeitssinn" getrieben. Und: "Es mangelt mir nicht an Selbstbewusstsein." Dazu gesellt sich Geduld, die er in seinen 20 Jahren in der Pharmaindustrie (vom Außendienst bis zur Geschäftsführung) lernen musste. Als Basis für das Gelungene sieht er aber, dass er im Elternhaus in einem "liebevollen, problemfreien Umfeld" aufgewachsen sei. Eblinger: "Das bringt das Glück auf die Seite." (Karin Bauer, DER STANDARD, Printausgabe, 17./18.12.2011)

Kommentar posten
25 Postings
thomas perlich
00
23.4.2012, 18:57
Gut, dass er EBLINGER geht.

Der hat ja auch KEINE Bewerber über 45 zugelassen

Benno Berghammer2
01
Eblinger - der Pharmamann...

Wenn man sich die Stellenanzeigen von Eblinger und Partner anschaut, dann ist der vor allem auf die Gesundheitssparte fokussiert (mehr als 2/3 seiner Jobangebote betreffend Unternehmen der Pharma-, der Medizintechnik sowie damit verwandte Branchen).

Wenn man den Markt in Österreich kennt, kennt man die Player der jeweiligen Branche sowieso. Warum dann noch Schwachoniconsulants zu bezahlen. Ganz einfach, weil in den Personalabteilungen noch viel weniger fähige Führungskräfte sitzen. Die delegieren bequem die Verantwortung nach außen (Outsourcing) und könnten mit ihrem Branchenwissen selber die richtigen Leute finden. Wahrscheinlich der nächste Berater, der nach Neumann pleite geht. 150 Aufträge für gerade 25 Mitarbeiter ist verdammt wenig.

stubenpepe
00
19.12.2011, 17:28
War against talents

Bemerkenswert finde ich die "visionären" PR-Statements von div. Personal-Verantwortlichen und -beratern, wenn sie feststellen, dass bei den Mitarbeitern der Zukunft neue Denk- und Verhaltensmuster gefragt sind und Menschen gefragt sind, die sich auch außerhalb des Tellerrandes zurechtfinden... und in der Praxis dann aber offene Positionen mit Leuten besetzt werden, die am besten schon immer denselben Job gemacht haben...So lässt sich wohl kein "war for talents" gewinnen...

Warpsignatur
00
19.12.2011, 02:40

auf wiederschaun...

Der sich den Wolf tanzt
00
18.12.2011, 20:16
psychopatenbörse ... fällt mir dazu ein.

topsy_kretts
00
18.12.2011, 20:15
der chef von powerserv ist tot....

...von dienstag auf mittwoch geschehen...interessiert aber scheinbar niemanden....

zigan
00
17.12.2011, 19:10
deutsch oder nicht

ich würde selbständig nicht so --> "selbststaändig" schreiben
besonders als medium, das vorbildfunktion hat
von einem mitbewerbern hätte ich das eher erwartet ^^

Hubert Ungeist
 
01
18.12.2011, 11:25
Selbststaändig

würd ich auch nicht schreiben, doch eher selbstständig

Nathaniel Winerib
11
17.12.2011, 20:21

nach der neuen rechtschreibung ist beides möglich

her mit den Strichen!
14
17.12.2011, 13:12
2 Gedanken zum Interview...

1.) 6 Aufträge pro Mitarbeiter im Jahr... das scheint mir recht wenig zu sein. Reicht ja kaum zum überleben.

2.) Je mehr einer von Moral und Ethik spricht, umso skeptischer werde ich... auch ja, der kommt ja aus der Pharmabranche... das ist die, wo im Empfangsbereich öfter ein Monitor mit den aktuellen Aktienkursen hängt ;-)

max notax
00
18.12.2011, 21:02

da 2-3 Monatsgehälter pro Vermittlung gezahlt werden, schafft ein Vermittler somit einen Umsatz von 12-18 Monatsgehältern seiner vermittelten Klienten. Damit sollte man schon durchkommen. Außerdem ist ein Auftrag nicht immer nur für einen MA.

Post(er)
40
17.12.2011, 01:06

Warum Personalvermittlung bzw. -beratung nicht seit jeher schon per Gesetz verboten wurde (Sklavenhandel), muss auch mal wer erklären.

I pocks net
 
00
17.12.2011, 15:30

Verwechseln Sie hier nicht Personalberater mit Personalleasingfirmen. gegen Headhunter ist ja an und für sich nichts einzuwenden.

Post(er)
00
18.12.2011, 16:49

"gegen Headhunter ist ja an und für sich nichts einzuwenden."

also ich finde die "Berufsbezeichnung" schon etwas destruktiv ... Kopfjäger

Einfach irre.

super web checker
09
17.12.2011, 00:43
Eblinger vermisst Ethik????

Eblinger war ein Vorreiter der Branche und hat maßgeblich dazu beigetragen, dass heute gekeilt und verkauft wird was das Zeug hält. Die "Berater" sind weder in der Lage den Unternehmen klar zu machen, was sie von Bewerbern erwarten können (und was nicht) noch bieten sie für die Bewerber irgendeinenen Mehrwert (zB Bewerbungstips).
Eblinger hat selbst großartig verdient, indem er jahrelang Versprechen verkauft hat und selbst dann nur Lebensläufe verschickt hat.

weis waswill
00
16.12.2011, 23:58
uups

Grantscherben
17
16.12.2011, 23:38

Weg mit den lästigen Zwischenhändlern, weg mit den Bremsern. Diese Kröpfe werden immer mehr statt weniger ... so gehaßt wie die Makler der Immo-Branche.

weis waswill
11
16.12.2011, 23:22
darf man hier u.U. nicht posten?

da bereits drei meiner Postings nicht veröffentlicht wurden, frage ich mich warum.
Ist Herr Eblinger ein persönlicher Bekanneter der Redaktion oder so ähnlich????

weis waswill
01
16.12.2011, 22:43
Headhunter

Warum gibt's einen Extra Artikel für einen durchschnittlichen Headhunder, der nunmehr seinen wohlverdienten Ruhestand antritt??

erwin meier
00
18.12.2011, 18:09

weil sie ihn lesen.

weis waswill
010
16.12.2011, 21:25
"Headhunter"

Bis auf ganz wenige echte Profi's, kann man den Großteil vergessen!
Die meisten schmücken sich gerne mit jungen "Psyschotussies" oder "Soziologiesofties", welche kaum einen Ahnung von der rauen Industrie- und Wirtschaftsweld haben.
Diese "Personalprofi's" rekrutieren dann neue Mitarbeiter und auch Manager für Unternehemen der verschiedensten Branchen.
Dass man dann sehr oft Schrott reinkriegt, aber / auch der Bewerber hochgradig frustriert ist, schert die Headhunter dann einen Teufel (Hauptsache das Honorar passt).
Kenne beide Seiten (Bewerber und Jobanbieter) sehr gut, und kann nur zur Vorsicht raten!
Lassen Sie zuerst den Personalberater einen Assessment Test machen....Bin mir sicher, dass die Ergebnisse meist nicht gerade umwerfend sind

Neuer Nick neues Glück
01
18.12.2011, 11:16

Deppenapostroph, Deppen Leer Zeichen...

pick up artist - experte für genderfragen
03
17.12.2011, 13:34
im endeffekt

nichts anderes als ein kreditvermittler oder immobilienmakler.

weis waswill
01
16.12.2011, 21:09
... ein Großer...?

anton-aus-tyrol
 
06
16.12.2011, 20:17
Personalberater

Der Kropf jedes Bewerbers! Unhöfliche Leute, die für alle Branchen wissen sollen, was für Typen notwendig sind. Ich bin nirgendwo so unhöflich, wie von diesen Firmen abgelehnt worden...

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