Der Schweizer Beat Feuz gewinnt das Präludium auf der Saslong, den Super-G, in dem der Kärntner Max Franz mit Platz fünf überrascht. Am Samstag wird die klassische Abfahrt gegeben
Naturgemäß wechselten die Bedingungen auf der Saslong. Bisweilen schneite es mehr, dann wieder weniger, auch das Wolkenbild änderte sich, und doch hatten die Tüchtigen den Durchblick. Der Tüchtigste, der Schweizer Beat Feuz, kam auf der etwas verkürzten Strecke mit der Nummer 26 ins Ziel, der Zweittüchtigste, Bode Miller aus den USA, trug die Acht, der Dritttüchtigste, Kjetil Jansrud aus Norwegen, die Fünf. Und mit der Nummer 54 brauste Max Franz herab, der 22-jährige Kärntner aus Weißbriach, Cousin des als Rennläufer pensionierten Werner Franz, und frohlockte über Platz fünf, das mit Abstand beste Ergebnis seiner jungen Karriere, der er auch schon einen Oberschenkelbruch und einen Kreuzbandriss verdankt. "Ein gewaltiger Lauf", sagte Franz.
Verletzungsmäßig hatte es der 24-jährige Beat Feuz noch viel, viel eiliger. Bereits als Achtjähriger warf er sich nach einem Kinderrennen dermaßen wild über eine Schanze, dass er sich beide Fersen brach und drei Monate im Rollstuhl verbringen musste. Bänderrisse und Meniskusverletzungen kamen erst später dazu.
Abgesehen davon gilt Feuz, Bauernsohn aus Schangnau im Emmental, als ganz besonderer Schlampertatsch, der immer wieder den Helm oder die Startnummer zu vergessen pflegte, auf dass sie ein Trainer gerade noch vor dem Start nachbrachte. Und wenn ihn etwas nicht interessiert, dann verschwendet er auch nicht viele Gedanken daran. Als dem dreifachen Juniorenweltmeister, der 2006 im Weltcup debütierte, sein Sponsor einmal einen Englischkurs in Kanada spendierte, ließ er sich davon überhaupt nicht beeinflussen und beeindruckte bei der Heimkehr die Neugierigen insofern, als er sich nach wie vor beharrlich weigerte, Englisch zu sprechen. Das zog er auch bei der internationalen Pressekonferenz in Gröden durch.
Und statt wie viele seiner Kollegen eine höhere Schule mit Skischwerpunkt zu besuchen, zog er es vor, eine Maurerlehre zu absolvieren. Und dass ihn seine Freunde Kugelblitz nennen, rührt daher, dass er mitunter mit überdurchschnittlichem Appetit gesegnet und also nicht unbedingt gertenschlank ist. Eine andere Leidenschaft des Herrn Feuz ist das Pokerspiel. Vor kurzem gewann er ein Turnier in Bern. "Ich musste mich drei Stunden konzentrieren. Das hilft mir im Sport. Aber beim Pokern riskiere ich nicht so viel wie auf der Skispiste", merkt er an. "Wir haben schon früher mit ihm gerechnet", merkt ein Schweizer Kollege an, "aber es hat ihn immer wieder zerlegt."
Am Freitag hatte er ein gutes Blatt. Feuz, der im März dieses Jahres in Kvitfjell seine Siegpremiere in der Abfahrt gegeben hatte, wurde zuletzt in Beaver Creek Abfahrtszweiter hinter Bode Miller. "Ich bin schon sehr stolz jetzt. Bode war immer mein Vorbild. Ich war ja schon stolz, als ich hinter ihm Zweiter wurde", sagte er nach seinem zweiten Weltcupsieg.
Am Samstag wird auf der Saslong die klassische Abfahrt gegeben, und Österreichs Arrivierte trachten nach Revanche. Auch Max Franz ist einiges zuzutrauen. Cousin Werner schaffte hier anno 1993 als Zweiter seinen ersten Podestplatz. Bestzeiten in beiden Trainings gelangen dem Schweden Hans Olsson.
Am Sonntag steht der Riesenslalom in Alta Badia an. Die Gran Risa war in jüngerer Zeit kein idealer Platz für die österreichische Skifahrt. Den bisher letzten Riesenslalomsieg brachte 1997 Christian Mayer heim. Am Montag folgt ein Slalom. (DER STANDARD - Printausgabe, 17.12. 2011)