Sieben Millionen Euro

Uni Wien fordert Ersatz für entfallene Studiengebühren

16. Dezember 2011, 12:06
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    foto: apa/jäger

    "Wenn sich die Rahmenbedingungen gravierend verändert haben, muss nachverhandelt werden."

Rektor Engl will Nachverhandlung der Leistungsvereinbarung - Ohne Einigung soll Schlichtungsstelle entscheiden

Wien - Die Universität Wien verlangt vom Wissenschaftsministerium eine Nachverhandlung der Leistungsvereinbarungen. "2012 fehlen uns durch die vom Verfassungsgerichtshof aufgehobene Regelung für die Studienbeiträge sieben Millionen Euro", begründete Rektor Heinz Engl am Freitag seinen Wunsch. Wegen dieser "gravierenden Änderung der Rahmenbedingungen" soll der Bund die fehlenden Mittel ersetzen. Sollten die Verhandlungen darüber nicht zu einem raschen Ergebnis führen, will die Uni Wien den Rechtsweg über die Schlichtungskommission beschreiten - so wie das kürzlich die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien aus einem anderen Grund getan und schließlich sechs Millionen Euro zugesprochen bekommen hat.

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat Ende Juni die Studiengebühren-Regelung wegen zu unpräziser Bestimmungen aufgehoben und der Bundesregierung für die Reparatur eine Frist bis Ende Februar eingeräumt. Bisher zeichnet sich aber keine Einigung zwischen den Regierungsparteien ab. Die Unis haben wiederholt auf die aus ihrer Sicht gravierenden Folgen des Entfalls der restlichen Studienbeiträge für Langzeitstudierende und Nicht-EU-Bürger aufmerksam gemacht.

200 Jahres-Doktorandenstellen

Der für die Uni Wien entfallende Betrag entspreche etwa 200 Jahres-Doktorandenstellen und "ist nicht nur finanziell ein Desaster für die Universität, für ihre Studierenden und Lehrenden, sondern auch klar eine Änderung der Rahmenbedingungen" der Leistungsvereinbarung 2009-2012, heißt es in einer Aussendung der Uni. "Wenn sich die Rahmenbedingungen gravierend verändert haben, muss nachverhandelt werden", sagte Engl. Sollte vor dem Auslaufen der Studienbeitragsregelung Ende Februar kein Konsens mit dem Ministerium erreicht werden, will der Rektor den Rechtsweg über die für solche Fälle eingerichtete Schlichtungskommission beschreiten.

Die Ankündigung von Bundeskanzler Werner Faymann (SPÖ), dass die Hochschulmilliarde komme, begrüßt Engl, es sei ein wichtiger Schritt, die Universitäten vom strikten Sparkurs auszunehmen. Eine solche Maßnahme löse aber nicht das bereits 2012 vorhandene Budgetproblem durch den Entfall der Studienbeiträge.

Aufnahmestopp in einzelnen Studienrichtungen

Käme die Hochschulmilliarde für 2013 bis 2015 nicht, entstünde an der Uni Wien ab 2013 jährlich eine Lücke von 40 Millionen Euro. Ein massives Sparprogramm wäre die Folge, warnte Engl und überlegt für diesen Fall Maßnahmen wie einen Einstellungs- und Investitionsstopp bzw. die Schließung von oder einem temporären Aufnahmestopp in einzelnen Studienrichtungen.

Die WU hatte heuer auf dem Rechtsweg mehr Geld gefordert, nachdem die in der Leistungsvereinbarung fixierte Platzbeschränkung nach dem sogenannten Notfallparagraf im Universitätsgesetz für die von deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlingen überlaufenen Massenstudien am Widerstand der SPÖ gescheitert war. Die Schlichtungskommission gab ihr "wegen gravierender Veränderung der zugrundeliegenden Rahmenbedingungen" recht und sprach der Wirtschaftsuni sechs Millionen zu. Gleichzeitig wurde angefügt, dass der WU ein wesentlich höherer Betrag zustünde, das Wissenschaftsministerium dafür aber keine Mittel zur Verfügung habe. 

Rektoren haben Verständnis

Rektorenkollegen begrüßen den Schritt von Engl, der vom Wissenschaftsministerium eine Nachverhandlung der Leistungsvereinbarung verlangt und mit dem Rechtsweg droht. Heinrich Schmidinger, Uni-Salzburg-Rektor und Präsident der Universitätenkonferenz (uniko), kann sich "gut vorstellen, dass mehrere Universitäten Wege wie diesen bestreiten werden". Auch die Technische Universität (TU) Graz und die Uni Innsbruck schließen den Rechtsweg nicht aus.

Faktum sei, "dass wir auf dieses Geld unter keinen Umständen verzichten können", betonte Schmidinger gegenüber der APA. Er habe "großes Verständnis" für den Schritt der Uni Wien. "Wenn es hart auf hart geht, kann ich mir das für die Uni Salzburg auch vorstellen." Dieser fehle durch den Wegfall der Studiengebühren von Nicht-EU-Studenten sowie nicht erwerbstätigen Langzeitstudierenden 1,5 Mio. Euro für 2012. "Meine Strategie war es bis jetzt, mit dem Bundesminister (Karlheinz Töchterle, Anm.) und dem Generalsekretär (Friedrich Faulhammer, Anm.) Gespräche zu führen und sie davon zu überzeugen, dass die Bundesregierung diese Mittel den Unis zur Verfügung stellen muss", so der Rektor. Wenn sich hier nichts tue, müssten sich die Unis etwas anderes überlegen.

Uni Innsbruck für Studiengebühren im Sommersemester

Drei Varianten für den Ernstfall hat sich etwa Tilmann Märk, bisheriger Vizerektor und baldiger Rektor der Universität Innsbruck, überlegt. Die erste - eine Kompensation des Ausfalls aus der Reserve des Wissenschaftsministeriums - sei von Töchterle bereits wegen mangelnden Budgets abgelehnt worden. "Also müssen wir entweder den Weg gehen, den die Uni Wien geht", so Märk zur APA, "oder wir heben die bisher bereits eingehobenen Studiengebühren wieder ein". Für das Wintersemester 2012/13 haben die Rektoren bereits angekündigt, autonom wieder Beiträge zu verlangen - Märk wünscht sich das auch für das kommende Sommersemester. "Die Frage ist, ob wir das noch technisch realisieren können." Für die Uni Innsbruck gehe es um 2,5 Mio. Euro im Jahr - eine Summe, "die schon längst im Budget eingeplant und für die Lehre bestimmt war", so März. "Ein Ausfall würde unser Dreijahresbudget ins Minus bringen."

"Naheliegender" Weg

Der Technischen Universität (TU) Graz gingen bei einem Entfall der knapp über 2 Millionen Euro im kommenden Jahr etwa 45 Wissenschafter-Stellen abhanden, warnte Rektor Harald Kainz. "Das sind Stellen, die wir nicht nachbesetzen könnten, wodurch wir auch die Leistungen in der jetzigen Form nicht mehr durchführen könnten." Er hofft noch auf die Reparatur der Studienbeitragsregelung bis März. "Auf dem ordentlichen Weg geht sich das bis Weihnachten nicht mehr aus, es gäbe aber die Option eines Dringlichkeitsantrags im Nationalrat", mahnte Kainz die Politik. Erfolge dieser Fall nicht, "müssen wir ab Jänner reagieren". "Ich sehe den Weg von Rektor Engl als naheliegend an", so Kainz. Er kann sich gut vorstellen, "dass alle Universitäten gemeinsam den Gang zur Schlichtungskommission prüfen".

Eher zurückhaltend reagierte jene Uni, die sich über den Rechtsweg aus einem anderen Grund bereits zusätzliches Geld vom Wissenschaftsministerium erstritten hat: die Wirtschaftsuniversität (WU) Wien. Rektor Christoph Badelt "begrüßt das Vorgehen der Uni Wien" zwar und bezeichnet es in einer Stellungnahme gegenüber der APA als "wichtige Entscheidung". Die WU, der mit dem Entfall der Studiengebühren 2,2 Mio. Euro 2012 fehlen würden, habe aber im Moment "andere Punkte mit dem Ministerium" zu klären. (APA)

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pall_mall
11
18.12.2011, 12:10
statt über studiengebühren nachzudenken...

... sollten die herren rektoren die regierung dazu bringen, die unis finanziell besser auszustatten. für abfangjäger war ja auch geld da.

Munis
12
17.12.2011, 18:41
Widerliche ÖVP Bagasche!!!

Zuerst das Gefälligkeitsgutachten von Mayer, dann das "erfolgreiche" Rausverhandeln von Geld von WU-Rektor Badelt. Der ÖVP sind alle Mittel Recht um das Studieren wieder zu einer elitären Sache werden zu lassen. Alles ein abgekartetes Spiel und die SPÖ Deppen fallen darauf rein (auch einige GRÜNE Deppen wie der kluge VdB...) Ob die SPÖ auch sop hartnäckig beim Durchsetzen der Vermögenssteuer sein wird????

itschy
00
17.12.2011, 17:44

ich bin gegen die klassischen studiengebühren (jedes semester zahlen), aber ich hätte grundsätzlich nichts gegen studiengebühren, die man erst mit jobantritt abbezahlt (das müsste man aber gesetzlich gerecht regeln, weil es unterschiedliche probleme geben wird)

Kondratjew -Zyklus
 
40
17.12.2011, 04:30
A so a Schas ! Im Leistungsvertrag wird festgeschrieben, was die Universität für ihre ZU ERBRINGENDE LEISTUNG bezahlt bekommt.

Und aus !

Chemist88
01
18.12.2011, 03:49
eben nicht

in den Leistunsgvereinbarungen ist eben die Studentenzahl nicht drinnen

Kondratjew -Zyklus
 
00
18.12.2011, 03:58
Pro-Studierenden-Leistung = Vereinbarte Gesamtleistung "dividiert" durch Studierendenanzahl.

Wobei "dividiert" eine etwas kompliziertere Rechenoperation ist als die mathematische.

Nathaniel Winerib
50
16.12.2011, 21:50

das problem ist, dass die unis in wien, graz, klagenfurt, salzburg und innsbruck zu viele studienrichtungen parallel laufen lassen. alle wollen universaluniversitaeten sein, keine hat ein eigenstaendiges profil. wuerde man die fachbereiche an je 2 unis buendeln, gaebe es ein konzentrierteres know how bei weiterhin vorhandener wahlmoeglichkeit. und man koennte vor allem guenstiger wirtschaften. mein vorschlag waere:

*naturwissenschaften, rechts- und wirtschaftswissenschaften in wien und linz.

*kultur- und geisteswissenschaften in graz und klagenfurt.

*sozialwissenschaften und theologie in salzburg und innsbruck.

wem das unklar erscheint, moege mal nach uk sehen: gewi top in oxford, nawi top in cambridge, wiwi top in london.

Josef Handt
01
18.12.2011, 23:11

das waere so absurd wie zu fordern die naturwissenschaft in oxford abzuschaffen.

Haben Sie schon mal was von den innsbrucker physikern gehoert? Die sollte man ihrer meinung nach alle nach linz verpflanzen? (warum gerade linz??)

ninette
00
18.12.2011, 20:32

Das wäre ein Problem für diejenigen Studenten, die gern ein Doppelstudium betreiben würden (z.B. eine Geisteswissenschaft und eine Sozialwissenschaft). Auch Lehramtsstudenten kombinieren öfters Fächer aus unterschiedlichen Fachgruppen. Würde Ihr Vorschlag so implementiert werden, wären Parallelstudien kaum mehr möglich, was überaus schade wäre.

Zudem wird interdisziplinäre Forschung bzw. Zusammenarbeit immer wichtiger (z.B. zwischen Natur- und Geisteswissenschaften), was viel leichter möglich ist, wenn am selben Standort möglichst viele verschiedene Disziplinen angeboten werden.

Der Steiner
00
18.12.2011, 17:44

Und dann fragen wieder ein paar Gescheite, warum die Studenten nicht Zuhause wohnen, wenn sie mit dem Geld nicht auskommen.
Das haben wir jetzt zwar auch schon, aber wenn dein Vorschlag umgesetzt wird, dann können diese Koffer das noch öfter fragen.

byron sully
03
17.12.2011, 15:31

das ist in etwa so, wie wenn sie verlangen würden, der billa soll nur noch fleisch verkaufen und der spar nur noch gemüse...
auf so kleinem raum wie in wien gehört's natürlich gebündelt, aber in ganz österreich studienrichtungen nur ein mal anzubieten, halte ich für unsinn.

alla riscossa
00
17.12.2011, 14:31
da vergleichst du aber äpfel mit birnen!

Der Chronist
11
16.12.2011, 20:25
Es läuft nach Plan, ein abgekartetes Spiel

Engl fordert jetzt das Geld nach, und bald wird kommen, was schon längst angedacht war: Höhere Studiengebühren als bisher angedacht, der Ausfall liefert das Alibi für den Anschein von Rechtmäßigkeit.

2013 wird Strache aufräumen.

Abodroc
10
16.12.2011, 19:04
wie vorhergesehen:

die universitäten betteln um studiengebühren weil sie alle so kaputtgespart wurden das sie selbst schon nach peanuts greifen wie ein verhungernder.

es geht nur um die ideologische durchsetzung, auch wenn der preis das ausbluten des bildungssystems ist.

die konsequenzen werden sich erst in jahrzehnten zeigen, aber sie kommen.

jede ungerechtigkeit von heute ist der klassenkampf von morgen.

Iggy71
00
16.12.2011, 16:09
Tipp!

Fragen Sie mal z.B. beim Finanzministerium nach. Die reden zwar immer von ausgabenseitig sparen (dann auch immer gerne bei Sozialleistungen usw.), haben aber immer ein paar Millionen für Werbezwecke parat (damit wir ja wissen wie toll sie arbeiten). Vielleicht haben sie ja was abzugeben?

sociovation
00
16.12.2011, 16:02
45 Wissenschaftler für 2 Millionen?

Dafür bekommst in der Bundesliga nicht einmal ein Mittelfeld...

kleiner Schelm
00
16.12.2011, 17:33

In der Forschung bekommt man dafür nicht mal MittelMASS.

optischDick
00
16.12.2011, 23:11
aber geh...

in österreich ist mittelMASS eh schon weltspitze.....

fizcaraldo
00
16.12.2011, 16:39

Kärnten hat den FC Kärnten doch mal mit 600.000 Euro aus dem so genannten Zukunftsfond gefördert. Scheinbar ist ein Mittelfeld doch wichtiger für die Zukunft des Landes als ein paar Wissenschaftler.

chg4711
00
16.12.2011, 17:55
Mit Fußball kann man auch mehr Geld verdienen

als mit einer Universität, die nur Geld kostet. Fußballer haben auch ein besseres Image als Professoren.

Der Steiner
00
18.12.2011, 00:02

Viel Geld habens mit dem Verein aber nicht verdient.

Reich sein muss sich lohnen!
22
16.12.2011, 15:58
Die Armutsgefährdungsschwelle liegt laut EU-SILC 2010 bei 1.031 Euro im Monat

http://derstandard.at/132391659... echststand

Mein Einkommen als Student liegt etwa 400€ unter dieser Armutsschwelle.
Und die ÖVP findet es sei notwendig und zumutbar, mir hier nochmals 1.000€ pro Jahr zusätzlich abzunehmen?

(Und wer meint, dass ich ja von den Studiengebühren befreit würde, der soll sich mal Gedanken darüber machen, wie viele Studenten es gibt, die über 1.000€ p.M. verdienen...)

qwertztt
00
17.12.2011, 01:20

(Und es gibt Studiengebühren...nur es gibt halt Ausnahmen zur Befreiung)

Fritz Meyer
22
16.12.2011, 15:33
Ihr habt's wohl auch mit Geld gerechnet...

das euch nicht zustand?

Pech!

RegR Borromäus Maschitz
31
16.12.2011, 15:28
bitte lasst endlich jeder uni die einhebung von den gerechten studienbeiträgen frei!

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