Winterdepression

Zu wenig Licht kann krank machen

16. Dezember 2011 13:48
  • Artikelbild
    Foto: apa/carsten rehder

    Verminderte Lichteinstrahlung in den finsteren Wintermonaten kann psychische und physische Veränderungen auslösen.

Lichtmangel, Depressionen und Angsstörungen schränken die Bindungsfähigkeit des Serotonin-1A-Rezeptors ein

Wien - Ein Forscherteam der MedUni Wien hat nachgewiesen, dass die verminderte Lichteinstrahlung in den finsteren Wintermonaten tatsächlich psychische und physische Veränderungen auslösen kann: Bei reduziertem Licht funktioniert der Serotonin 1A-Rezeptor, der als Andockstelle an die Nervenzelle dient, wesentlich schlechter - ähnlich wie bei Depressionen oder Angststörungen. Damit wurde ein weiterer biologischer Faktor für die sogenannte Winterdepression entschlüsselt und untermauert.

Viele Menschen in gemäßigten oder polaren Klimazonen durchleben in den Wintermonaten, insbesondere bei verminderter Sonneneinstrahlung, psychische und physische Veränderungen. Sie machen sich etwa als Müdigkeit, Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit oder Heißhunger auf Kohlenhydrate und Gewichtszunahme bemerkbar. "In ihrer stärksten Ausprägung werden diese Veränderungen als Winter-Depression bezeichnet", so Siegfried Kasper, Leiter der Universitätsklinik für Psychiatrie und Psychotherapie an der MedUni Wien.

Veränderungen am postsynaptischen Neuron

Eine entscheidende Rolle für diese Verstimmungen kommt dem Botenstoff Serotonin zu. Bisher konnte gezeigt werden, dass jahreszeitliche Serotonin-Schwankungen durch saisonale Veränderungen des Seorotonin-Transporters entstehen. Dieser Transporter ist für die Wiederaufnahme des Botenstoffs aus dem synaptischen Spalt, der zwei Nervenzellen miteinander verbindet, in die präsynaptische Nervenzelle verantwortlich. Saisonale Veränderungen am postsynaptischen Neuron, der eigentlichen Zielzelle der Serotonin-Übertragung, konnten bisher nicht nachgewiesen werden. Das ist jetzt in der im Magazin "World Journal of Biological Psychiatry" veröffentlichten Studie geglückt.

Der in dieser Studie untersuchte Serotonin 1A-Rezeptor fungiert als Andockstelle am postsynaptischen Neuron. Bei Depressionen oder Angststörungen ist das Bindungspotenzial dieses Rezeptors stark vermindert. Die Forschungsgruppe um Christoph Spindelegger und Rupert Lanzenberger von der Universitätsklinik konnte bei 36 gesunden Probanden mittels Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigen, dass dieser Rezeptor auch bei Lichtmangel ein vermindertes Bindungspotenzial zeigt - und dass bei viel Sonnenschein die Werte signifikant höher sind.

"Diese Ergebnisse werden durch vorangegangene Studien untermauert", erklärte Kasper. "So konnten wir zeigen, dass mit einer Lichttherapie bereits nach einer Woche eine Verbesserung der Symptomatik eintritt, währenddessen die Patienten auf die Therapie mit SSRI (Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern) erst bis zu drei Wochen später ansprachen. Die in unserer Studie gezeigten lichtabhängigen Adaptionsprozesse des Serotonin 1A-Rezeptors könnten somit auch die Mechanismen der therapeutischen Wirkung von Licht erklären." (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 105
1 2 3
dakakadu
16.02.2012 20:41
einfach zehn energiesparlampen zu 23 watt

(am besten die tornados) mit der lichtfarbe 6500 kelvin
in ein weißes gehäuse montieren und schon hat man eine gut funktionierende lichttherapielampe die ausser im günstigen preis den käuflichen produkten in nichts nachsteht.

missknowledge
31.12.2011 08:07
Infrarot, frische Luft, Entspannung

Also was mir gegen meine Winterdepressionsschübe geholfen hat, war folgendes: Annehmen, dass es auch mal kälter und dunkler sein kann, aber trotzdem schön und das beste daraus machen. Physiotherm-Kabinen-Sitzungen, viele Spaziergänge an der frischen Luft, gutes gesundes Essen, Badewannenorgien, Vitamine, viele Kerzen, Licht in der Wohnung, viele Freunde und viel Gesellschaft.

Sabine Werner
09.01.2012 08:47

@missknowledge,
haben sie diese infrarotkabine bei sich zuhause? oder gibt es da institute, die sowas anbieten? habe da nix dazu gefunden.

Euphrosine Laetitia
 
11.01.2012 20:06
Nicht infrarotes Licht

verwendet man bei der Lichttherapie, sondern weißes oder blaues. Unter Lichttherapielampen sind sie auch im Handel zu finden.

artcore
22.12.2011 16:12
lichttherapie - how to?

mich würde interessieren wie so eine lichttherapie, mit der eine verbesserung der symptomatik bereits nach einer woche eintritt, aussieht. setzt man patienten einfach in die sonne, oder wird das mittels lampen gelöst - kann man eine derartige therapie zuhause durchführen - welche geräte werden benötigt, oder gibts spezielle lichttherapiezentren?

hat jemand hier erfahrung mit htp-5?

weil hier im forum wieder mehrfach vitaminD angesprochen wird - wayne's interessiert > http://www.zeit.de/2011/50/M-Vitamin-D

HerrUnmut
23.12.2011 22:04

Also das macht jeder unterschiedlich für mich reicht es oft wenn ich in meiner physiotherm die leds in dem mir angehmen licht einstelle und geniesse - da muss man auch die Selle mal baumeln lassen unds loslassen innerlich - ich find schon dass das was bringt und noch unterschätzt wird. Da liegt vieles drinnen was uns gut tut.

KSAler
 
24.12.2011 16:29
..

Wobei LED's natürlich nicht mit einer Vitamin-D spendenden Lichttherapie vergleichbar sind. Die sind wohl eher fürs wohlbefinden.
Gibt's die nicht mit normalen Lampen? Oder haben LED's mittlerweile wirklich auch eine solche Eigenschaft?

Controllfreak
24.12.2011 21:46

Vitamin D-spendende Lichttherapie ist meiner Meinung nach nur so ein Marketingausdruck. Ist es denn nicht so, dass jeder Kontakt mit starkem Licht die Vitamin D Produktion im Körper anregt? Somit würden es die LED´s in einer Infrarotkabine ja auch tun.

Katrin333
08.02.2012 17:49
Reicht künstliches Licht für Vitamin-D-Produktion?

Ich weiß zwar, dass man bei diesen unterschiedlichen Lichtern in den Physiotherm-Kabinen das "Tageslicht" wählen kann, und das das wahrscheinlich dieser Winterdepression vorbeugt, aber ob das für die Vitamin D-Produktion genauso ist wie natürliches Tageslicht, das kann ich nicht 100 % sagen. Da müsste man wirklich nachfragen, nicht dass wer sich drauf verlässt und dann Rachitis und sonstiges bekommt. Aber der genante Anbieter hat eh eine telefonische medizinische Beratung.

mosaic9
30.12.2011 08:27

soweit ich weiß muss das licht zumindest einen gewissen anteil im UV-bereich haben, damit vitamin d erzeugt werden kann.

KSAler
 
26.12.2011 17:17

Ich bin mir nicht sicher, aber ich könnte mir schon vorstellen, dass das Licht ein gewissen Farbspektrum bzw. Farbwärme aufweisen muss, damit das optimal wirkt. Aber es ist nur eine Vermutung.

uhrzeitkrebs
02.01.2012 18:33

vollspektrum und > 10.000 lux.

für vit. d wäre dann noch uv-licht nötig

Fanny B
21.12.2011 13:01

einfach jeden tag raus aus dem haus

rosali1
23.12.2011 19:08
und zwar

bei jedem wetter :-)

carbonara
20.12.2011 20:33
Der Fachausdruck lautet "Akuter Karibikmangel"

nomen
03.01.2012 21:09

Oder AMS.

PReb
18.12.2011 16:16

ich habe noch eine frage: um welche wellenteile des licht geht es hier genau? sichtbare spektren die über die augen aufs gehirn wirken, oder kurzerwellige z.b. uv die über die haut veränderungen bewirken?

No_lD
18.12.2011 22:02
ich denke mal sichtbare anteile..

...sonst würde die lichttherapie mit den kunstlichtlampen wohl nicht anschlagen.

Birgit 68
 
21.12.2011 14:51

Dann hilft das Solarium also nicht gegen die Winterdepression?

No_lD
21.12.2011 19:13
doch...

...aber nicht so effizient, weil das licht im solarium nicht mit den augen aufgenommen wird, die verweildauer ist auch nicht so hoch, dafür steigt die krebsgefahr. man ist sich allerdings noch nicht einig, ob letzteres daran liegt, dass man im winter wegen sonnenmangel weniger melatonin bildet, das die haut vor, wie der name sagt, melanomen schützt oder ob es am spezifischen spektrum der hochleistungs uv-lampen liegt...

Birgit 68
 
21.12.2011 22:31

Sie meinen Melanin, nicht Melatonin, und der Zusammenhang ist erwiesen. (Schwarze bekommen kein schwarzes Melanom). Das Solarium hilft indirekt, nämlich über die Bildung des hauteigenen Vitamin D, das durch das UV-B Licht des Solariums angeregt wird. Ein Mangel an Vit. D kann nämlich auch Depressionen auslösen.

No_lD
21.12.2011 22:36
danke

ich meine natürlich melanin :)
ich würde jedoch eben auch deshalb die kaltlicht-vollspektrum lampen bevorzugen.

Lukas Chen
18.12.2011 14:41
So hat die Statistik auch zugestimmt

In nordeuropaeischen Laendern, wie Schweden und Norwegen, begehrt man viel mehr Selbstmord wegen der Depression im Winter, weil dort die Nacht lang ist, und der Himmel oft finster bleibt.

No_lD
18.12.2011 22:03
mehr selbstmord gibts nicht!

in dem zusammenhang nur "öfter", das bezieht sich aber auf die zahl der durchführenden, muss man anmerken.
"mehr" als einmal geht einfach ned ;)

der gärtner
18.12.2011 15:59
nein tut man nicht

norwegen und schweden hatten beide immer schon niedrigere selbsmordraten als österreich
und auch dort gibts die meisten selbstmorde nicht im winter, wenns dunkel ist, sondern, wie überall wo es jahreszeiten gibt, im frühling und sommer.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 105
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.