Warschau - Die Commerzbank sieht sich auf Kurs, ihr
Fünf-Milliarden-Kapitalloch ohne Staatshilfe zu stopfen. Dazu sollen
Randgeschäfte verkauft, Gewinne einbehalten und Risikopositionen etwa bei der
Krisentochter Eurohypo abgebaut werden, wie Vorstandschef Martin Blessing der
Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview sagte.
"Mit dieser Kombination von Maßnahmen wollen wir - auch wenn es ehrgeizig
erscheint - unser Ziel erreichen und die Kapitallücke in dem vorgegebenen
Zeitrahmen schließen." Experten bezweifeln, dass Deutschlands zweitgrößtes
Geldhaus diese Herkulesaufgabe ohne ein drittes Hilfspaket vom Staat bewältigen
kann.
Nach Informationen aus Finanz- und Koalitionskreisen führt die Commerzbank
schon seit Tagen intensive Gespräche in Berlin. Blessing betonte, dabei gehe es
nicht um Verhandlungen über Staatshilfe: "Die Regierung hat sehr deutlich
gemacht, und wir auch, dass wir in regulären Gesprächen miteinander sind. Aber
wir verhandeln nicht über ein Staatshilfe-Paket", sagte er auf die Frage, ob das
Institut derzeit darüber spricht.
Verhandlungen im Feber
Formelle Verhandlungen sind auch erst möglich, wenn der neue
Bankenrettungsfonds seine Arbeit aufgenommen hat. Dies ist aller Voraussicht
nach im Februar der Fall. Die Bundesregierung hatte am Mittwoch einen
Gesetzentwurf beschlossen, der die Wiederbelebung des SoFFin vorsieht, mit dem
die Commerzbank schon in der ersten Finanzkrise 2008/09 gerettet worden war.
Der SoFFin II soll es Banken dieses Mal erlauben, belastende Staatspapiere in
eine staatliche "Bad Bank" auszulagern. Ob dies auch eine Möglichkeit für die
Commerzbank und ihren Staats- und Immobilienfinanzierer wäre, dazu wollte sich
Blessing nicht äußern. Er räumte allerdings ein, dass die Eurohypo die
maßgebliche Ursache für die Kapitalprobleme ist. "Fast das gesamte Loch von 5,3
Milliarden Euro geht auf die Eurohypo zurück." Der von der EU geforderte Verkauf
der Tochter bis 2014 sei aktuell unmöglich. "Wir prüfen derzeit Optionen, um die
Risiken in diesen Portfolien zu reduzieren."
An Polen soll die Schrumpfkur in der Bilanz vorbeigehen, wie Blessing
bekräftigte. Ein Verkauf der dortigen BRE Bank stehe nicht auf der Agenda. "Wir
betrachten Polen als unseren zweiten Kernmarkt." Auch Kredite sollten nicht
gekürzt werden. "Wir haben hier eine wichtige Position und werden als Gruppe
weiter Kredite zur Verfügung stellen." (Reuters)