Nachrichtenchefs wegen Retuschen in einem TV-Beitrag gefeuert

15. Dezember 2011, 22:45

Ex-Präsident des Obersten Gerichts in Beitrag unkenntlich gemacht

Budapest - Bei den ungarischen Medien sind zwei Nachrichtenchefs wegen der Manipulation eines TV-Beitrages gefeuert worden. Bei einem Interview mit dem rumänischen reformierten Bischof Laszlo Tökes wurde der im Hintergrund sichtbare Ex-Präsident des Obersten Gerichts, Zoltan Lomnici, unkenntlich gemacht. Der Retuscheskandal sorgte in Ungarn für großes Aufsehen.

Daniel Papp, Chefredakteur der Nachrichtenredaktion der Mediendienstleistungs-Gesellschaft MTVA, und Gabor Elö, der Direktor der Nachrichtenredaktion der Nachrichtenagentur MTI, hätten sich "schwerer fachlicher Verfehlungen" schuldig gemacht, teilten die MTVA- und MTI-Leitungen am Donnerstag in Budapest mit.

Kritiker beschreiben Papp als Journalisten, dessen Karriere über die rechtsradikale Jobbik-Partei und den rechtsextremen TV-Sender Echo an die Spitze der zentralen ungarischen Medienredaktion führte. Der 32-jährige Papp hatte laut Medienberichten bereits einmal einen manipulierten Beitrag über den grünen EU-Abgeordneten Daniel Cohn-Bendit zu verantworten, der an einer Pressekonferenz der ungarischen Grünen in Budapest teilnahm.

Der Ex-Präsident des Obersten Gerichts, Lomnici, war während des Interviews mit Tökes im Hintergrund zu sehen gewesen; sein Gesicht wurde jedoch mit einer Verwischungstechnik unkenntlich gemacht. Unter der Hand hatte es anschließend geheißen, dass der ehemalige Höchstrichter auf einer "schwarzen Liste" der Nachrichtenchefs gestanden habe.

Dabei gilt Lomnici nicht als Kritiker der rechts-populistischen Regierung unter Ministerpräsident Viktor Orban. Seine Verbannung aus der TV-Berichterstattung wurde vielmehr auf persönliche Konflikte zurückgeführt. Nicht zuletzt deshalb hatte der Skandal auch unter Regierungsanhängern Empörung ausgelöst.

In Ungarn gilt seit Beginn des Jahres ein international kritisiertes Mediengesetz. Das öffentlich-rechtliche Fernsehen und Radio sowie die Agentur MTI gingen praktisch restlos in der MTVA auf. Die Nachrichten werden zentral von der MTI-Nachrichtenredaktion produziert. (APA)

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13 Postings

Echo TV ist sicher nicht rechtsextrem, nur unangenehm für die Leute die die Wahrheit nich vertragen.

Wieso soll man sich die Wahrheit von denjenigen erklären lassen, die sie am allerwenigsten verstehen?

ja eh, das ist doch meist dasselbe. die rechtsrechten glauben immer, dass nur sie die wahrheit vertreten und denn mumm haben, sie auch auszusprechen. insofern passt's.

falls echo tv nicht rechtsextrem ist

dann welches tv is rechtsextrem liber pcs1? also das himmel is blau, die wiese ist grün, echo tv und sie sind braun. für jeder der kein ungarisch spricht, mit englishen unteritetel: http://www.youtube.com/watch?v=KN5fyilwQew

welcher Hirnverbrannte gibt hier ROT?? Danke für den link

Echo TV ist ein Scharnier zwischen der völkischen Fidesz und der

neopfeilkreuzlerischen Jobbik Partei.
Da können solche Antisemiten wie Zsolt Bayer und István Csurka ihre Mantra verkünden.
Normale Ungarn schauen sich das nicht an. Mehr als 20.000 Zuschauer hat es nicht.

Papp wurde nicht gefeuert, er ist nicht mehr

Nachrichtenchef.
Und immer mehr Ungarn schalten das königliche TV ab.
Es ist die reinste Hofberichterstattung, schlimmer als zu Kádárs Zeit.

na bitte, bringt das mediengesetz ja doch was!

Nachdem...

...seit Tagen einige ehemalige und noch aktive Mitarbeiter des öffentlich-rechtlichen Fernsehens wegen des "Retuschier-Skandals" im Hungerstreik gewesen waren und der Fall immer mehr Öffentlichkeit bekommen hatte, wollte der Staatsfunk dem Ausland Härte zeigen...sonst bleibt alles beim Alten: Die Nachrichtensendungen sind gleichgeschaltet wie nie zuvor... Der Fernseher oder das Radio werden nicht mehr eingeschaltet, nur Internet und Facebook!

Hallo Heulsuse

Sie können sich ja über ATV Ihre Informationen reinziehen, der Sender ist bekannterweise linksorientiert. Auf ECHO- und HírTV gibts immer mehr kritische Töne zu hören, jede/r kann telefonisch die Regierung/Opposition ohne Maulkorb beschimpfen. Die sind recht interessante Sendungen. Von wegen Gleichschaltung. Und im Internet ist sowieso alles erlaubt. Sowiel Medienvielfalt sucht ihresgleichen in Europa.

János ácsi beweist wieder einmal wenig zu wissen.

ATV wird von Mitgliedern der Pfingstkirche Hit Gyülekezete geführt und ist so links ungefähr wie Michael Spindelegger.
Und das königliche TV hat jetzt auch schon viel weniger Zuschauer, viele Ungarn mögen die Hofberichterstattung (die hat es auch schon vor der Orbánregierung gegeben) nicht.

Hallo Kampfpostler!

ATV ist wirklich relative linksorientiert, aber M1, M2, DUNA TV, ECHO- und HírTV sind Sender der Orbánregierung. Sind sind so sehr voreingenommen, dass ich sie völlig ablehne.

Die Nachrichten bei TV2 oder RTLKlub sind auch sehr vorsichtig geworden: sie sprechen lieber über Tierheime als über ungarische Innenpolitik.

Ungarn auf dem Weg zur Diktatur Orbáns!

In den vergangenen 1 1/2 Jahren wurde Ungarn von der im Besitz der 2/3 Mehrheit im Parlament befindlichen Fidesz vollkommen ungekrempelt. Es sind alle wichtigen Schlüsselpostitionen von Orbán-Treuen besetzt worden, sogar dar Staatspräsident ist eine Marionette des Regierungschefs. Verfassung und Gesetzte wurden im Sinne der Regierungspartei umgeändert, zunehmend wurde ein Fangnetz über das Lnad gelegt. Dabei wurden auch rechtlich unzuläassige Eingriffe gamecht wie zum Beispiel die de facto Verstaatlichung der privaten Pensionskassen. Jetzt werden sogar jene rund 100.000 Personen brüskiert deren Zahlungen an diese Kassen konfisziert wurden, also vom Staat unterschlagen werden! Ungarn wird demnächst in ORBANISTAN umgetauft werden!

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