Entenzüchterin mit politischer Geheimmission

15. Dezember 2011, 20:15
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Die Bundesvorsitzende der Jungen Industrie Therese Niss machte mit Zeitungsenten im Bildungswesen auf sich aufmerksam

Shakespeares "Was ihr wollt" hat Therese Niss, seit 2009 Bundesvorsitzende der Jungen Industrie, zuletzt im Burgtheater gesehen. Und "Was ihr wollt" passt auch gut als Motto für die Hoax-Aktion der Plattform The BirdBase, die seit Wochen einige Medien erfolgreich mit Zeitungsenten füttert.

Sex wollen sie immer, dachten sich die Macher in der Jungen Industrie, der Interessenvertretung junger Unternehmer bis 40 in der Industriellenvereinigung (IV), und lancierten etwa den Start der ersten "Sexschule" in Österreich. Der Köder funktionierte.

"Es wird nichts getan"

Die eigentliche Idee der "Entenzüchterin" und ihrer Mitstreiter war aber eine andere: Sie wollten endlich eine Debatte über die dringend nötigen Reformen im Bildungs-, Pensions-, Gesundheits- und Verwaltungsbereich auslösen. "Es wird nichts getan" , kritisiert die 34-jährige Oberösterreicherin, die zwischen Wien und Gmunden pendelt. Denn dort lebt der Miba-Clan, aus dem Niss, die im August geheiratet hat, stammt. Die promovierte Juristin ist nicht nur die Tochter des Vorstandschefs des Autozulieferkonzerns Miba AG (über 4000 Mitarbeiter weltweit) und früheren IV-Präsidenten Peter Mitterbauer. Seit 2008 ist sie selbst im Familienbetrieb geschäftsführende Gesellschafterin der Miba Coating Group, die Beschichtungen herstellt.

Ihren Führungsstil beschreibt sie als "klar in der Sache, aber trotzdem kooperativ und an der Meinung aller interessiert, sicher nicht autoritär von oben" . Eine "ehrliche Entscheiderin" sei sie, sagt sie, eine "Anpackerin" , sagen andere.

Jus in Wien, Wirtschaft in Bologna

Dabei wollte sie ursprünglich "in die Diplomatie" , weil sie "etwas bewegen will" und gern reist - spanischkundig bevorzugt nach Südamerika. Im Lauf ihrer Studien - Jus in Wien, Wirtschaft in Bologna, MBA in Barcelona - zog es sie als Forschungsassistentin ins EU-Parlament in Brüssel, zu Mondi Packaging in Wien und zu Lehman Brothers in London, bis sie wusste: Ich will Unternehmerin sein. Eine, die Golf "ohne Handicap" und Tennis spielt, Skifahren und "ein gutes Glas österreichischen Weißweins" mag - und ein soziales Gewissen hat, das sie zu einem Volontariat in einem Frauenhaus in Ecuador führte und von dem die Sozialprojekte von Pater Sporschill profitieren.

Dass The BirdBase als erste Ente eine fehlerstrotzende Ausgabe von Kafkas Das Schloss in Umlauf brachte, gibt der Gruppe, die nun vorzeitig enttarnt wurde, obwohl sie noch ein paar schöne Enten in petto gehabt hätte, noch eine schöne Pointe: Der Roman blieb auch unvollendet. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD, Printausgabe 16.12.2011)

 

  • Ihren Führungsstil beschreibt Therese Niss als "klar in der Sache, aber trotzdem 
kooperativ und an der Meinung aller interessiert, sicher nicht autoritär
 von oben"
    foto: iv

    Ihren Führungsstil beschreibt Therese Niss als "klar in der Sache, aber trotzdem kooperativ und an der Meinung aller interessiert, sicher nicht autoritär von oben"

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