Die Friedensuniversität im burgenländischen Schlaining erweitert ihr Lehrangebot - Ab Herbst wird vermittelt, wie man Streitigkeiten löst, ohne sich dabei die Schädel einzuhauen
Stadtschlaining - Die private European Peace University baut kräftig aus. Ab Herbst 2012 werden zum bestehenden Lehrgang zwei weitere angeboten. Alle drei enden mit dem Master, die weiterentwickelten "Peace and Conflict Studies" und die neu angebotenen "European Peace and Security Studies" ermöglichen im ganzen Bologna-Raum auch ein Doktoratsstudium. Burg Schlaining, wo der frühere burgenländische SP-Kulturlandesrat Gerald Mader 1982 das Österreichische Studienzentrum für Frieden und Konfliktforschung ins Leben gerufen hat, ist mittlerweile ein weltweit anerkannter Campus. Das "weltweit" gilt allerdings unter weitgehender Auslassung Österreichs.
Bei der Präsentation der neuen Studiengänge illustrierte dies Rektor Gerald Mader mit Benita Ferrero-Waldner, die ihn einmal besucht hatte auf der südburgenländischen Burg. "In New York bei der Uno, wo sie ja als Protokollchefin arbeitete, ist sie immer wieder darauf angesprochen worden, was es denn in Schlaining Neues gebe." Im Heimaturlaub hielt sie deshalb erstmals Nachschau.
Keine Orchidee
Die Weltbekanntheit der abgelegenen Burg dürfe nicht überraschen, erklärt Erwin Schranz, einst Zweiter und also schwarzer Landtagspräsident in Eisenstadt und nunmehr Chef des Uni-Trägervereins. "Unsere Absolventen arbeiten ja in internationalen Organisationen, bei der Uno, der Unesco, der OECD", so sie nicht gleich Außenminister werden wie der in Serbien.
Mader und Schranz sind davon überzeugt, dass die Friedens- und Konfliktforschung keine bloße Orchidee ist, ganz im Gegenteil. "Die Bedeutung wird zunehmen." Nicht zugenommen hat die heimische Wahrnehmung der EPU, der privaten European Peace University. Als Privat-Uni darf sie vom Bund nicht finanziert werden, was Gerald Mader nicht weiter aufregen würde, gäbe es mit der Kremser Donauuniversität nicht ein fast provokant einschlägiges Gegenbeispiel.
Über Wasser halten
Die EPU wird also nicht dotiert, sie hält sich halt irgendwie über Wasser. 100.000 Euro schießt das Land zu, ein bisserl was kommt von Sponsoren - und von den Studenten selbst, was klarerweise etwas schief daherkommt, da viele Studierende ja aus bitterarmen Gebieten kommen. Ungefähr paritätisch kommen sie aus den vier großen Weltgegenden, zu je einem Viertel aus Amerika, Asien, Afrika und Europa, hin und wieder auch welche aus Australien und Ozeanien. Von allen muss Schlaining - zum Teil abgefedert durch Stipendien - 2500 Euro im Trimester verlangen. Fünf Trimester dauert ein Masterlehrgang, davon drei direkt in Schlaining, das auch Teil des europäischen Austauschprogramms Erasmus ist.
Schlaining, verspricht der Rektor, ist jedenfalls gerüstet für 20 bis 30 Studierende pro Lehrgang. Der Lehrkörper wurde verstärkt, unter anderem mit zwei Professoren der amerikanischen Universität in Kairo. Untergebracht werden sie im nahen Internationalen Haus, wo der Lehrgang durchs Knüpfen internationaler Netzwerke sozusagen erst richtig komplettiert wird.
"Nur ein Beispiel", so Gerald Mader mit einigem Stolz, "ist da im Moment der Südsudan. Dort sind Schlaininger in vielen internationalen Organisationen vor Ort" - und tun, was sie im Südburgenland gelernt haben. Der Kern des Lehrplans steht nun auch als Motto auf der Homepage: "For a better world."(Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe 16.12.2011)