Der Allrounder Romed Baumann traut sich Siege in vier Disziplinen zu. Die Kundigen stimmen zu. Die nächste Gelegenheit bietet sich am Freitag im Super-G auf der Saslong - Scheiber überstand Trainingssturz glimpflich
"Ich bin pflegeleicht." Das ist der zentrale Satz, mit dem sich Romed Baumann
selbst beschreibt. Und der Weg, den er bisher ging, ist zwar unspektakulär, aber
effizient. Noch nie sah sich der Tiroler aus der Biathlon-Hochburg Hochfilzen
quasi vor einer Weggabelung stehen. "Ich wollte immer schon Skirennläufer
werden. Diesen Ehrgeiz brauchst du auch, damit du so weit kommst. Mit 'Schau ma
mal' geht da gar nichts. Und da rede ich gar nicht von den Rennen. Du musst das
ganze Jahr über für dein Ziel leben."
Er, Baumann, könne gar nicht sagen, seit wann er den Skirennsport als seinen
Beruf empfinde. "Vielleicht ist es der Zeitpunkt, als ich zum ersten Mal ein
Preisgeld gewonnen habe. Das wird 2006 gewesen sein."
Damals debütierte er, der zuvor Junioren-Weltmeister in der Abfahrt und der
Kombi gewesen war und die Abfahrtswertung im Europacup gewonnen hatte, im
Weltcup. "Das alles hat sich bei mir von klein auf ergeben. Ich bin in allen
Kadern aufgestiegen." 2009 hat sich für den Maturanten des Skigymnasiums
Saalfelden bei der Superkombi in Sestriere der bisher einzige Weltcupsieg
ergeben. Insgesamt fuhr er sechsmal aufs Podest. Im Vorjahr war er in Gröden
Abfahrtszweiter, bei der WM-Abfahrt in 2011 Garmisch wurde er Vierter, bei
Olympia 2010 in Vancouver landete er im Riesenslalom auf dem fünften Platz.
Der Romed, hörte man von den Trainern schon vor Jahren, ist eines der größten
Talente, der kann den Gesamtweltcup gewinnen. Taugt das dem Romed? "Es macht
mich stolz, dass die Trainer Vertrauen in mich haben und glauben, dass ich das
Zeug dazu habe. Aber Vorschusslorbeeren sind ja nichts wert. Du hast keine
bessere Startnummer deswegen, du gehst nicht mit einer halben Sekunde Vorsprung
ins Rennen."
Einige seiner ehemaligen Kollegen, die es bei Junioren-WMs zu Medaillen
brachten, sind auf der Strecke geblieben. "Ich weiß, warum ich es geschafft
habe", sagt er dazu, "aber ich weiß nicht, warum es die anderen nicht geschafft
haben. Ich habe viel gearbeitet und das Glück gehabt, von Verletzungen verschont
zu bleiben. Es waren da zwar ein paar Kleinigkeiten, aber ich hab noch nie
operiert werden müssen. Ich bin von daheim gut unterstützt worden. Das ist ja
finanziell ein schneidiger Aufwand, bis man so weit ist, dass man fürs Material
nichts mehr zahlen muss."
Baumann, 1,84 Meter hoch, 95 Kilo schwer, fühlt sich jedenfalls reif dafür,
in allen Disziplinen bis auf den Slalom, den er sich nur zu Kombizwecken gibt,
zu siegen. Und welcher Sieg wäre ihm persönlich am meisten wert? "Ich möcht' die
anderen Disziplinen nicht schlechtreden. Aber ein Abfahrtssieg ist schon was
Spezielles. Da gehört ein bisserl mehr dazu, auch die aufwändige Abstimmung des
Materials. Wenn du im Riesentorlauf voll riskierst, kann dir einer aufgehen und
du gewinnst. Geht's dir nicht auf, stehst du auf der Seite. Wenn du in der
Abfahrt voll riskierst, und es geht nicht auf, liegst du im Netz und machst ein
Jahr Pause. Man braucht Zeit, um sich ans Limit zu tasten." Und es ist schonend,
wenn man sich diesem von der richtigen Seite annähert.
Wovon träumt Romed Baumann? "Sag ich nicht. Aber eine WM-Medaille nächstes
Jahr in Schladming wäre schon eine coole Sache."
Olsson flott, Scheiber stürzt
Der Schwede Hans Olsson, schon am Mittwoch der Schnellste, fixierte auch im
Abschlusstraining für die Abfahrt am Samstag Bestzeit. Zweiter wurde Klaus
Kröll, Fünfter Baumann. Comebacker Mario Scheiber stürzte, blieb aber heil. (Benno Zelsacher aus Gröden, DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 16. Dezember 2011)
Ergebnisse vom zweiten und letzten Abfahrts-Training der alpinen Ski-Herren am Donnerstag in Gröden:
1. Hans Olsson (SWE) 1:57,48 Minuten - 2. Klaus Kröll (AUT) + 1,22 Sekunden - 3. Tobias Stechert (GER) 1,76 - 4. Adrien Theaux (FRA) 1,93 - 5. Romed Baumann (AUT) 1,98 - 6. Jan Hudec (CAN) 2,06 - 7. Marc Gisin (SUI) 2,27 - 8. Didier Cuche (SUI) 2,34 - 9. Joachim Puchner (AUT) 2,37 - 10. Erik Guay (CAN) 2,47. Weiter: 15. Max Franz (AUT) 2,72 - 16. Bode Miller (USA) 2,76 - 17. Hannes Reichelt (AUT) 2,82 - 19. Georg Streitberger (AUT) 2,89 - 23. Aksel Lund Svindal (NOR) 3,20 - 28. Otmar Striedinger (AUT) 3,69 - 35. Johannes Kröll (AUT) 4,09 - 45. Matthias Mayer (AUT) 4,70 - 52. Markus Dürager (AUT) 5,25 - 55. Bernhard Graf (AUT) 5,34 - 62. Manuel Kramer (AUT) 6,56