Hohe Auszeichnung für Chef des Stefan-Meyer-Instituts

15. Dezember 2011, 13:04
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ERC "Advanced Grant" geht an Teilchenphysiker Eberhard Widmann

Wien - Der Direktor des Stefan-Meyer-Instituts für subatomare Physik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) wird mit einem hoch dotierten Förderpreis des Europäischen Forschungsrats (ERC) ausgezeichnet. Der Teilchenphysiker erhält für sein Projekt zur Untersuchung der Hyperfeinstruktur von Antiwasserstoff einen mit rund 2,6 Millionen Euro dotierten ERC "Advanced Grant", teilte die ÖAW am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Im Standardmodell der Teilchenphysik gibt es eine perfekte Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie - mathematisch ausgedrückt nennt sich das "CPT-Symmetrie". Demnach haben Teilchen und ihre Antiteilchen gleiche Massen, Lebensdauer und gleich große, aber entgegengesetzte Ladung. Doch diese Symmetrie muss offenbar verletzt worden sein. Denn das Universum besteht ausschließlich aus Materie, obwohl beim Urknall eigentlich gleich viel Materie wie Antimaterie erzeugt worden sein sollte.

Weil das Wasserstoff-Atom zu den experimentell am besten untersuchten Atomen zählt, erhoffen sich die Wissenschafter in dem ERC-Projekt durch den Vergleich zwischen Wasserstoff und Antiwasserstoff eine der empfindlichsten Überprüfungen der Symmetrie zwischen Materie und Antimaterie.

Interessant könnte dieser Vergleich auch für Erweiterungen des Standardmodells wie der Stringtheorie sein. Denn in dieser gelten die mathematischen Grundlagen der Erhaltung der CPT-Symmetrie nicht mehr. Die Beobachtung einer CPT-Verletzung könnte daher der erste Hinweis auf die Anwendbarkeit der Stringtheorie sein und ebenso wichtige kosmologische Konsequenzen haben.

Die Experimente werden am Europäischen Forschungslabor für Teilchenphysik CERN in Genf stattfinden. Und zwar an der weltweit einzigartigen Anlage für niederenergetische Antiprotonen, dem "Antiproton Decelerator".

Eberhard Widmann studierte Physik an der Universität Stuttgart und promovierte 1990 am Max-Planck-Institut für Metallforschung. Danach wechselte er auf das Gebiet der exotischen Atome und verbrachte viele Jahre in Japan und am CERN. Seit 2004 ist er Direktor des Stefan-Meyer-Instituts für subatomare Physik der ÖAW und seit 2005 Honorarprofessor an der Universität Wien. (APA)

  • Eberhard Widmann, Direktor des Stefan-Meyer-Instituts für subatomare Physik 
der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), wird mit dem ERC "Advanced 
Grant" ausgezeichnet.
    foto: stefan meyer institute for subatomic physics

    Eberhard Widmann, Direktor des Stefan-Meyer-Instituts für subatomare Physik der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW), wird mit dem ERC "Advanced Grant" ausgezeichnet.

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