Anstieg an Privatpleiten

Österreichs Schuldner werden immer jünger

15. Dezember 2011, 11:41

Die Schuldnerkarriere beginnt meist noch vor dem zwanzigsten Lebensjahr, Handy- und Versandkosten sind die größten Fallen

Wien - Die Zahl der Privatinsolvenzen steigt heuer um 6,3 Prozent auf knapp 11.000 Anträge, wobei insbesondere die Zahl der um die 25-Jährigen zunimmt. Handy- und Versandkosten, sowie Autoausgaben stechen besonders ins Auge. Für das kommende Jahr prognostiziert der Alpenländische Kreditorenverband (AKV) eine weitere Zunahme der Privatpleiten um sieben bis zehn Prozent. Um drohendes Ungemach abzuwenden, werde es nicht reichen, wenn die Haushalte den Gürtel etwas enger schnallen. "Da werden schon die Daumenschrauben massiv angezogen werden", so die Einschätzung von AKV-Sprecher Wolfgang Hrobar.

Steigende Lebensmittelkosten

Als Grund für diese drastische Bewertung nannte er die steigenden Lebensmittelkosten sowie die zurückhaltendere Vergabe von Krediten. Hauptursache für die Insolvenz sei aber weiterhin der mangelhafte Umgang mit Geld. Hier regte Hrobar einmal mehr an, das Wirtschaften mit den eigenen Ressourcen in der Schule zu unterrichten. Nach wie vor sind vom Privatkonkurs in erster Linie Männer betroffen, was die Verschuldung bei Mobilfunkbetreibern und im Handel betrifft liegen allerdings die Frauen vorne. Als Schuldenfalle haben sich auch die lange hochgelobten Fremdwährungskredite herausgestellt. Rückläufig ist laut Hrobar die Zahl der Menschen, die durch Ratengeschäfte im Weihnachtsgeschäft in Schieflage kommen.

Niederösterreicher vorne

Bis die Schuldenfalle zuschnappt, dauert es meist um die sieben Jahre, was sich auch in der Altersstatistik niederschlägt: Während bis 25 Jahre die Zahlen noch gering sind, schnellen die danach sprunghaft in die Höhe, um bei einem Alter von 60 Jahren wieder schlagartig zurück zu gehen. Den regional stärksten Anstieg bei den Privatinsolvenzen gibt es heuer in Niederösterreich mit plus 20 Prozent. Im Burgenland hingegen gibt es ein Minus von 6 Prozent. Auffallend ist weiters, dass es in Kärnten den stärksten Anstieg der abgewiesenen Privatinsolvenzen geben wird - sprich wo nicht genug "Restgeld" beim Schuldner vorhanden war, um überhaupt eine Insolvenz einzuleiten.

Krise ging auf Reserven der Firmen

Die Krisenjahre 2008 und 2009 wurden von vielen Firmen dadurch überwunden, dass sie auf Reserven zurückgegriffen haben. Gleichzeitig hat die öffentliche Hand die Zahl der Aufträge hochgefahren und damit zahlreiche Unternehmen durchgefüttert. Ob dies auch noch einmal im nächsten Jahr funktioniert, ist fraglich, gibt der AKV zu bedenken. Erschwerend hinzu käme die zu erwartende Zurückhaltung der Banken bei der Kreditvergabe. "Die Banken haben mit ihrem Bilanzausputzen begonnen", so Hrobar am Donnerstag vor Journalisten. Er rechnet im kommenden Jahr mit einem Anstieg der Firmenpleiten von rund fünf Prozent.

Heuer rechnet der AKV mit einem Rückgang der Insolvenzanträge der Unternehmen um 2,7 Prozent auf knapp 6.200 Fälle. Die Branchen mit der höchsten Pleitenanfälligkeit sind nach wie vor Bau, Handel und Gastronomie. Die Zahl der gefährdeten Arbeitsplätze werde heuer um ca. zehn Prozent auf gut 24.000 Stellen zurück gehen. Die Insolvenzverbindlichkeiten der Firmen werden 2011 bei 3,3 Mrd. Euro liegen, ein Rückgang um beachtliche 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

"Die österreichischen Unternehmen haben sich an die gesunkene Nachfrage angepasst, es wurden Vorräte abgebaut, einem überhöhten Beschäftigungsstand wurde mit Kurzarbeit entgegengewirkt. Die Liquiditätsversorgung ist im Großen und Ganzen auch gewährleistet worden", gab es Lob fürs heimische Unternehmertum und eine Absage an die angebliche Kreditklemme. Den größten Anstieg bei den Firmenpleiten gab es in Salzburg mit knapp zehn Prozent, den stärksten Rückgang in Vorarlberg mit minus 29 Prozent.

Bei der Umsetzung von Reformen könne sich die Politik hier ein Beispiel nehmen. Insbesondere der hohe Schuldengrad der Gemeinden bereitet dem AKV Sorge. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 528
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12
Bastibastibasti
00

Und?

Gesamte Geld + Zinsen abbezahlen lassen. Ich würde denen nie einen Schuldenerlass geben...

erst konsumieren und genießen was das Zeug hält und danach jammern? pff sonst noch was?

dr schneckerl
00
19.12.2011, 13:44
zur sicherheit

bildet gleich eine einschlägige werbung eines telco-anbieters den passenden rahmen zu diesem artikel.

Heavyweather
01
16.12.2011, 01:04

Ich praktiziere schon lange Konsumverzicht auf der ganzen Linie.
Man muss sich immer fragen was braucht man um glücklich zu sein? Was dient nur zur Befriedigung kurzfristiger Wünsche. Was belastet mehr als es bringt?

Mich würde auch interessieren wie viel Umsatz der Drogenhandel (Zigaretten, Alk) mit diesen Menschen macht.

St.-St. Ühm
02
15.12.2011, 19:10
interessant ist vor allem, dass die versandkosten

und nicht etwa, wie man vielleicht vermuten würde, die bestellten Artikel die Schuldenfalle darstellen ;).

Wenn man aber hauptsächlich ebay einkauft, kann ich mir das gut vorstellen ;) .

[Cotton]
00
15.12.2011, 19:17

Ich vermute, dass das nicht stimmt. Es sind bestimmt die Gesamtkosten gemeint, nicht nur die Versandkosten. Außerdem: ebay war gestern. Neue Dinge braucht man nicht per ebay kaufen. Und dasitzen und mitbieten: das war einmal.

St.-St. Ühm
00
15.12.2011, 19:25

und was macht man dann heute? Direkt bei amazon zu bestellen ist dann mindestens ebenso angestaubt.

[Cotton]
00
15.12.2011, 19:32

Auf amazon gibts fast alles. Aber bei etwas größereen Investitionen macht man Preisvergleiche (geizhals etc). Und dann kauft man. Und dann schlägt die "Versandkosten-Falle" zu, wenn man nicht rechnen kann ;)

[Cotton]
03
15.12.2011, 19:41

Hinzugefügt sei, dass man von jedem Menschen erwarten sollte, dass er/sie halbwegs rechnen kann - und sei es auch nur mit dem Taschenrechner.

odrr
11
15.12.2011, 19:07
@danke an alle.

ich moechte schreiben, dass die beitraege, die verschiedenen blickwinkel und meinungen ziemlich bereichernd sind.....

mfg

politisch verfolgt
01
15.12.2011, 18:51
die jungen machens halt

wie unsere volkszertreter.
wahrscheinlich haben sie sich die tipps dazu auf werners facebookseite geholt. sparen ist doch out, nein sogar schädlich.

Kritiker1A
21
15.12.2011, 18:34
Schuldner sind die willfährigen Sklaven des Kapitalismus!

Keiner ist bereit auf etwas, sogar Unnötiges, zu verzichten, oder mal einfach auf etwas zu sparen.

Da wird gesimst und telefoniert, statt mit den Menschen mit denen man bei diesen Aktionen zusammen ist persönlich zu sprechen!
Ohne Handy hätten viele Jugentliche scheinbar gar keinen Gesprächsstoff. Ich beobachte immer häufiger Jugentliche die nur über die "Features" Ihrer Handy's reden!

politisch verfolgt
02
15.12.2011, 18:45
ok

aber was hat das mit dem kapitalismus zu tun?
sind alle nur mehr opfer?
braucht jeder österreicher einen sozialarbeiter zur seite gestellt?
eigenverantwortung, elternhaus - alles nicht mehr existent?
nur mehr depperln, denen der staat sagen muß, wie viel sie telefonieren dürfen?

QuePasa
00
15.12.2011, 18:32

Versandkosten? Wie ist das zu vertehen?

flotter denker
02
15.12.2011, 18:28
Verkaufts mei Gwand i foa in Himml

[Cotton]
00
15.12.2011, 19:17

Welche Größe?

flotter denker
00
16.12.2011, 06:37
Hemden Groesse 43

leicht abgetragen.

politisch verfolgt
00
15.12.2011, 18:45
schönes motto

auch wenn sie es nicht erfunden haben. ;o)

flotter denker
00
16.12.2011, 06:36
Natuerlich hab ich das Motto nicht erfunden.

Der Spruch passt hier nur so schoen.

Chris-08
02
15.12.2011, 18:16
Ich denke, es kommt stark auf das elterliche Vorbild an!

Mein Vater z.B.: hatte noch nie ein neues Auto (immer gebraucht gekauft) und es gab Camping statt 5-Sterne und ich bin auch groß geworden ^^.

Der Q
01
15.12.2011, 18:32

natürlich, jedoch zählt vor allem der eigene verstand

mein vater war immer überschuldet, konnte nicht haushalten und griff immer in die falsche lade und lies sich von leuten leiten die nur ihre eigenen interessen kannten, gott sei seiner seele gnädig

ich hingegen hab jetzt meine eigene wohnung wirklich schön, fahr 2-3 mal in den urlaub, haben jeglichen schnick schnack daheim den es gibt, 2 autos, 5 stelliges guthaben, etc, etc und alles ganz allein aufgebaut

ich weiss nur was ich will und vor allem was ich nicht will, so bin und war ich auch bereit dafür etwas zu tun

andere können einen helfen, oder auch schaden, am ende jedoch ist jeder seines eigenen glückes schmied

Chris-08
10
15.12.2011, 18:19

und deswegen, darauf wollte ich eigentlich hinaus, war mir, wie ich meinen Führerschein bekommen haben, dass ich keinen neuen BMW (Wie 2 aus meiner Klasse) bekomme bzw. erst mals gar kein Auto.

Der Q
01
15.12.2011, 18:37
ja genau

in den schulferien arbeiten gegangen, führerschein damit finanziert und mir mein 1stes auto gegönnt, einen dunkelblauen verrosteten mit 20 versch. lackfarbenen 2er golf um damals noch 20.000 ats

wer dumme sprüche fallen lies im freundeskreis bekam einen fahrschein und die wegbeschreibung mit den öffis, musst ja nicht einsteigen war mein motto und tschüss

jeffk
00
15.12.2011, 21:25

da habens aber ziemlich geprotzt als sie 18 waren;-)
mein fiat uno hat nicht mal die hälft gekostet, gekauft um 9000 weiterverkauft nach 2 jahren um 14000, dieses hobby betreibe ich immer noch;-)

Hathor36
00
15.12.2011, 18:15
Opfer der Werbeindustrie und des sozialen "Zwangsverhaltens"

Wenn heute ein Schüler ein neues Handy hat, muss zwangsläufig jeder in derselben Clique ebenfalls ein neues Handy kaufen, sonst ist man nicht "in". Und schließlich will ja jeder in sein, nicht wahr?
So fängt das an: Zuerst das Handy, dann die Mode-Klamotten, dann das Moped, das Auto, Haus, etc.
Es wird alles mehr oder weniger auf Pump gekauft, geleast, Kredit aufgenommen..... und für was?
Weil die meisten Leute heutzutage leider Opfer ihrer selbst sind und von der Realität total abgehoben sind.

the bugger_off
00
15.12.2011, 18:35

*zustimm* bis auf "opfer ihrer selbst" - ich glaub solche leute sind eher zu wenig mit sich selbst in kontakt als zu viel, die deffinieren sich über den konsum von (unnötigen) gütern...

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 528
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.