Umfrage

Die Wiener Jugend auf dem Ego-Trip

Max Daublebsky, 15. Dezember 2011, 16:58
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    foto: ap/hans punz

    Politik spielt laut Umfrage im Leben der 16 bis 19-jährigen nur eine untergeordnete Rolle. Ob diese Jugendlichen freiwillig auf der Galerie des Nationalrats Platz genommen haben?

Umfrage über Zeitgeist von Wiener Jugendlichen zeigt Fremdenfeindlichkeit und Egoismus auf

"Wer die Jungen hat, hat die Zukunft, wer die Alten hat, hat die Mehrheit", sagte in der vergangenen Woche Andreas Khol, Bundesobmann des ÖVP-Seniorenbunds. Und gerade weil dass in Österreich vielleicht sogar der Wahrheit entspricht, soll an dieser Stelle auf die Zukunft, also auf die Jungen und deren Weltanschauung eingegangen werden. Schließlich werden auch die irgendwann einmal alt.

Online-Umfrage

In einer repräsentativen Umfrage hat das Institut für Jugendkulturforschung 400 Jugendliche aus Wien zum Thema "Wie denken und leben 16- bis 19-Jährige" online befragt. Themen der acht gestellten Fragen waren unter anderem soziale Gerechtigkeit, Gründe für Armut, faschistische Werte und Fremdenfeindlichkeit, aber auch profaneres wie Lifestyle oder Szene-Zugehörigkeit. Die Befragung war anonym und die Antworten vorgegeben, wobei die Jugendlichen den Grad ihrer Zustimmung angeben konnten. Mehrfach-Antworten waren möglich.

Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus

Wer glaubt, Wiener Jugendliche seien besonders weltoffen und tolerant, wird vor allem die Ergebnisse der Befragung zum Thema faschistische Werte und Xenophobie erschreckend finden. Demnach sind fast die Hälfte (43,6 Prozent) der Meinung, es würden schon zu viele Türken in Österreich leben. Auch starke antisemitische Tendenzen sind zu erkennen: 18,2 Prozent glauben an einen zu großen Einfluss der Juden auf die Weltwirtschaft und mehr als jeder Zehnte (11,2 Prozent) ist der Meinung, Adolf Hitler habe für die Menschen auch viel Gutes getan. Vor allem unter Jugendlichen aus bildungsfernen Schichten, die selbst um Arbeitsplatz und die eigene Zukunft fürchten, seien die Vorbehalte besonders türkischen Migranten gegenüber ausgeprägt, sagt Studienleiterin Beate Großegger gegenüber der Tageszeitung Presse.

Soziale Gerechtigkeit gleich Jobchancen

Auf der anderen Seite bedeutet soziale Gerechtigkeit für 58 Prozent , "dass Minderheiten nicht diskriminiert werden" und über 60 Prozent empfänden es als gerecht, wenn "alle Menschen in Österreich die gleichen Chancen haben, auf der sozialen Stufenleiter empor zu steigen". 64 Prozent gaben an, dass Frauen (bei gleichwertiger Arbeit) gleich viel verdienen sollten wie Männer. 

Keine große Rolle spielt im sozialen Gerechtigkeitsbewusstsein der Jugendlichen allerdings eine Umverteilung zwischen Arm und Reich. Auch ist nur knapp jeder Dritte für eine finanzielle Unterstützung Ärmerer durch den Staat.

"Armut wegen Faulheit und Mangel an Willenskraft"

Auch die Ansichten der Jugendlichen zu den Gründen, die in die Armut führen, lassen nicht gerade auf Verständnis und Mitgefühl schließen. So 36 Prozent der Meinung, Armut resultiere aus "Faulheit und mangelnder Willenskraft", nur 20 Prozent glauben, dass Ungerechtigkeit in unserer Gesellschaft dafür verantwortlich sei. "Darin spiegelt sich der neoliberale Zeitgeist", so Großegger.

Trotz dieser Ansichten ist bei vielen die Angst groß selbst in die Armutsfalle zu tappen. So ist für zwei Drittel (65,5 Prozent) ein sicherer Arbeitsplatz wichtiger als die Karriere und für knappe 40 Prozent ist gute Bezahlung wichtiger als Selbstverwirklichung im Beruf.

Politik nicht "lifestylekompatibel"

Vor die Wahl gestellt, gab die Mehrheit der Jugendlichen nicht ganz überraschend an, dass Ausgehen, Internet und Freizeit mit Freunden besser zu ihnen passe als Zuhause bleiben, Bücher und Freizeit mit der Familie.

Politik habe laut der Studie "generell wenig Bedeutung in den Lifestyle-Welten der 16- bis 19-Jährigen". Damit konfrontiert, würden sich 37 Prozent für eine politische Protestbewegung und nur 24 Prozent für eine Partei entscheiden. Fast vier von zehn Jugendlichen (39 Prozent) gaben jedoch an, Politik sei für sie überhaupt nicht "lifestylekompatibel". Wenn schon nicht zu politischen Parteien, fühlen sich viele Jugendliche doch bestimmten Szenen zugehörig. Die Top Drei sind Fitness (38 Prozent) Fußball (25,2 Prozent) und Hip Hop (23,5 Prozent). (Max Daublebsky, derStandard.at, 15. 12. 2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 48
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Ich bin ein Bilderberger
22
24.12.2011, 11:51
hui da ist sie wieder

die nazikeule. '18,2 Prozent glauben an einen zu großen Einfluss der Juden auf die Weltwirtschaft'

ja und ist halt so. warum ist man deswegen ein antisemit wenn eine bestimmte völkergruppe wirtschaftlich sehr einflußreich ist und dies belegbar ist?

bin ich ein ökofaschist wenn ich sage es gibt viele autos in österreich und die haben einen großen einfluß auf die umwelt. nein es ist einfach eine tatsache.. weder gut nocht schlecht, es ist einfach so.

wenn ich jude wäre und diese erkenntnis mit dem wirtschaftseinfluß hätte, was bin ich dann? ein volksverräter oder was? mann wie ich diese vorurteile hasse!

NUAZO
01
24.2.2012, 14:04

was ganz ähnliches hab ich mir auch gedacht. wenn man über antisemitismus bei jungendlichen eine aussage treffen will, sollte man eine eindeutigere fragestellung bevorzugen.

directinfluence
12
20.12.2011, 17:50
"64 Prozent gaben an, dass Frauen (bei gleichwertiger Arbeit) gleich viel verdienen sollten wie Männer."

Wenn man davon ausgeht dass 50% der befragten Personen weiblichen Geschlechts sind (die ja hoffentlich FÜR Gleichberechtigung beim Lohn stimmen) kommt man auf erschreckende 72% aller männlichen Jugendlichen zwischen 16 und 19 Jahren die GEGEN eine Gleichstellung der Frauen sind. Traurig.

DerAndere34
48
17.12.2011, 18:10
immer wieder werden solche ergebnisse aus umfragen eingefahren. die reaktion darauf ist bisher die gleiche. man ist ob der ergebnisse

erstaunt und versteht die jugendlichen nicht. man wirft den jugendlichen ausländerfeindlichkeit/vorurteile vor. dass es sich auch zum teil um erfahrungswerte handelt wird negiert. es ist eben manchmal nicht so toll in bezirken zu leben in denen der migrantenanteil (großteils türken und muslime) an die 40% beträgt. es ist eben nicht so bereichernd in schulen zu gehen mit klassen mit 100% ausländeranteil gibt. es ist eben nicht so toll dann feststellen zu müssen dass politiker ihre kinder in privatschulen schicken. es ist eben nicht so toll dann auch noch an der situation schuld zu sein - weil man die komplexe sachlage "nicht versteht" - "es ist kein migrantenprobelm - es ist ein sozialproblem". tatsächlich ist es ein politiker-problem.

der gärtner
15
17.12.2011, 15:33
lustig auch

dem artikel nach sind fast 60% der wiener jugendlichen der meinung,
es gäbe noch zu wenige türken in österreich.

und der schluss der daraus gezogen wird ist, dass wiener jugendliche fremdenfeindlich sind.

und wie man auf "Jugend auf dem Ego-Trip" kommt erschließt sich mir auch nicht ganz, denn narzisstische persönlichkeitsmerkmale wurden gar nicht abgefragt und die frage nach der armutsursache wurde im vergleich zu anderen altersgruppen auch nicht wesentlich anders beantwortet.

also zusammenfassend: eine manipulierte, nicht objektive interpretation einer vermutlich intentiösen studie.

der gärtner
00
17.12.2011, 14:36

eine befragung von 30-40jährigen würde ungefähr dieselben ergebnisse liefern.

SK26
01
17.12.2011, 18:34

nein, ab 30 werden Menschen nämlich zu Engelsgleichen Wesen welche dann allwissend und nur noch nach den höchsten Moralischen Grundsätzen und Werten handeln und über jeden Ethischen zweifel erhaben sind, haben sie das nicht gewusst?

Rochus Blaseheiß
00
17.12.2011, 21:40

dafür gibt's heutzutage schon teilweise 31-jährige mit sichtbaren augenfältchen

Walter Tunhardt2
00
17.12.2011, 11:06
Die Erstellung und die Interpretation

...einer Studie, machen schon über 70% der Schlußfolgerungen aus. Auch die Ergebnisse aus den Ansichten über Armut spiegeln in keiner Weise Verständnis- und Gefühllosigkeit der Jugendlichen wider, sondern lediglich die verschiedenen Faktoren die für Armut verantwortlich sind bzw. sein können. Unter anderem nämlich auch: "Faulheit und mangelnde Willenskraft"
Man kann selbst immer anderer Meinung sein natürlich, aber wenn man vorgibt etwas für Jugendliche tun zu wollen, oder wissen zu wollen was denn Jugendliche wirklich wollen, dann muss man ihnen schon wirklich zuhören, ohne was zu verdrehen, und klaro ohne sie von vornherein für ungebildete, nur an lifestyle, Ausgehen und Internet interessierte unreife Schwachköpfe zu halten.

|]3R |-|3RR |]1R3K70R
00
16.12.2011, 23:19

vielleicht interessiert die jugend die politik auch nur nicht, weil sie zeitlebens nur hören, dass politker nur lügen, betrügen, versager sind und alles was damit zu tun hat immer ein problem ist. die jugend gibt sich mit sowas nicht ab. zurecht. leider wirkt sich vermindertes interesse so aus, das politiker noch mehr machen können was sie wollen und schwupp die wupp regiert das kapital die politik regiert das land.

D C1
00
16.12.2011, 16:23

na klar! diese studie ist nicht im geringsten aussagekräftig! egoismus und auflehnung gegen das was die erwachsenen sagen ist normal!!! jeder ist als jugendlicher egoistisch, weil man da erst merkt wer man ist! da ist man dann auch der mittelpunkt des universums!jugendliche wissen nur, dass sie es anders machen wollen als wir und das ändert sich in 90 % der fälle auch wieder! nicht das kind mit dem bade ausschütten!jeder von uns sollt mal nachdenken wie er als pubertierender war!!!!eine aussage über ein wertesystem kann man erst richtig nach der pubertät treffen! die studie sagt gar nix.

ABC die Katze lief im Schnee...
00
16.12.2011, 12:11

ist doch eh klar, zu erben gibts immer weniger, da dies schon die Eltern übernommen haben wenn überhaupt, Pensionen wird es keine/nur kleine mehr geben, Gesundheitssystem wird massiv eingeschränkt, die Politik ist Sch***, die Herkunftsfamilie ist oftmals zerrüttet also dies deckt sich alles mit den Äußerungen der Jugend was will man mehr?
wir können nur Froh sein dass dies jungen Menschen nicht so verhärtet und verdummt sind in ihrer Meinung, wie so einige viele Erwachsene, der EgoTrip der Jugend, ist das Produkt des Versagens (sozial, emotional, konsumanal) der älteren Generationen

Vorstadtmama
 
00
16.12.2011, 11:46
Die Menschen ändern sich wohl nie...

Schon als ich jung war (und das ist schon ein Weilchen her) wurde über die "Jugend von Heute" in den Medien nur Negatives berichtet. Ich sehe die Sache eher positiv: Die Jugendlichen setzen auf Selbstverantwortung und beten nicht nach, was sie in den Medien lesen. Sie verlassen sich auf ihre eigenen Augen und ihre eigene Lebenserfahrung und setzen sich durchaus realistische Ziele.

chg4711
513
16.12.2011, 10:13
Is a wunda ?

Nicht die Jugendlichen für ihre Vorurteile verurteilen, sondern nachschauen wo diese Vorurteile herkommen. Viel zu lange wird VON UNS verlangt die Ausländer lieb zu haben. Wer von den Ausländern verlangt sich an unsere Lebensart anzupassen gilt als ewig Gestriger. Da dürfen wir uns über ein paar Vorurteile wirklich nicht wundern. Auch sind wir nicht ausländerfeindlich. Wir haben nur was gegen SCHLECHTES BENEHMEN. Auch wenn es zum Beispiel im Orient üblich ist im Lift auszuspucken, muß mir das in meinem Gemeindebau nicht gefallen.

kor-del
32
18.12.2011, 11:25
Wer von den Ausländern verlangt sich an unsere Lebensart anzupassen gilt als ewig Gestriger.

Aha, was ist denn so "unsere" Lebensart?

Das fünfte Element
04
16.12.2011, 10:12
der autor hätte vor allem eines machen sollen

sich vorher den kommentar von eva zeglovits durchlesen, auf den zum glück am ende verlinkt ist.

alla riscossa
00
17.12.2011, 16:51
nicht nur den durchlesen,

sondern seinen eigenen artikel danach umschreiben oder ganz darauf verzichten!

TomTom33
32
16.12.2011, 09:52
In der heutigen Zeit

gibt es auch nur 2 möglichkeiten. Entweder man wird zum totalen egoisten oder man geht unter.

AltFreak
01
18.12.2011, 08:28

Interessant ist, daß jedes A.......och auf dieser Welt eine Rechtfertigung für sein Verhalten hat. Funktioniert auch bestens in großen Systemen ("Wenn nicht ich, dann machts ein anderer"..."Ich persönlich würde ja, aber die Sachzwänge"..."Die Realität sieht eben anders aus"...)
Um gegen den Strom zu schwimmen, muß man es erstmal wollen. Aber sich treiben zu lassen ist ja viel angenehmer.

Kleiner Odradek
00
17.12.2011, 15:24
"In der heutigen Zeit"

Jaja, genau ... "in Zeiten wie diesen" auf dieser ach so schlechten Welt --> die Mutter aller selbsterfüllenden Prophezeiungen.

Dr. Viktor Frankenstein
52
16.12.2011, 09:10
Wer glaubt, Wiener Jugendliche seien besonders weltoffen und tolerant ...

... ist naiv. Wien ist schon lange von der grossen Welt abgeschnitten.

Das fünfte Element
14
16.12.2011, 10:18

na dann waren sie selber auch schon lange nicht in der "großen welt" oder wo glauben sie denn herrscht die vielbeschworene "offenheit und toleranz"?

bleiben wir nur in der "westlichen welt"

kanada und australien haben restriktivere zuwanderungsgesetze als wir (wenn man mal legal drinnen ist, dann ist es OK)

lesen sie ein paar eurobarometer umfragen zu meinungsbildern in der EU (die sind wesentlich seriöser als diese "studie")

die kernaussage der studie ist lt autoren ja "jugend ist im neoliberalismus angekommen" - wo wurden denn die politischen führer mit mehrheit gewählt die das vertreten?

Freu dich - es gibt Keinen der dich liebt
26
15.12.2011, 23:18
Was soll man sagen

Ein nicht geringer Teil derer die meinen dass Arme nur faul sind werden es am eigenen Leib spüren dass das nicht stimmt und sonst sollte man Jugendliche diesbezüglich nicht zu ernst nehmen . Schlimm ist es wenn 40jährige Erwachsen sich auf dem selben geistigen Niveau wie 16jährige befinden . Am Schlimmsten ist es aber wohl den Ruf nach mehr Bildung und Allgemeinwissen als Gehirnwäsche zu bezeichnen

Vorstadtmama
 
00
16.12.2011, 12:01
die wissen das eh...

"...ist bei vielen die Angst groß selbst in die Armutsfalle zu tappen.", ist oben zu lesen. Genau deshalb schauen sie aufs Geld und jagen nicht irgendwelchen Karriereträumen nach. Klug und realistisch würde ich soetwas nennen.

a wiener kind
12
16.12.2011, 10:27
...deshalb ist es wahnsinn...

...16-jährige wählen zu lassen! dieser dumme wählerfang einiger parteien ist ein witz! ad jugendliche: ich finde das ganze schon gefährlich! vor 20 jahren war man vielleicht ein "depp" als jugendlicher (alos mit radikalen ansichten links od. rechts) und dann kam das wirkliche leben und man hat sich in diesem "eingefunden". leider wird ein großteil der heute 16-jährigen nie die chance bekommen sich ein normales leben aufzubauen und deshalb ist zu befürchten, dass diese auch bei diesen ansichten (mangels alternativen) bleiben werden.

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