Nach Ölunfall in Brasilien: Milliarden-Klage gegen Chevron

Anklagebehörde will zudem gerichtliche Suspendierung aller Aktivitäten des Konzerns im ganzen Land durchsetzen

Rio de Janeiro - Schlechte Nachrichten für Chevron: Der US-Konzern soll wegen des Ölunfalls vor Brasiliens Küste mit Milliardenzahlungen zur Kasse gebeten werden. Die Staatsanwaltschaft in Campos (Bundesstaat Rio) kündigte eine Klage mit Forderungen von 20 Milliarden Reais (8,2 Mrd. Euro) gegen Chevron und das Schweizer Tiefbohrunternehmen Transocean an. Nicht genug: Beide Firmen sollen auf die schwarze Liste gesetzt und ihre Aktivitäten in Brasilien gerichtlich untersagt werden. Bei Zuwiderhandlung wünscht die Anklagebehörde Strafen von 500 Millionen Reais (205 Mio. Euro) - pro Tag. Welche Erfolgsaussicht die Klage hat, ist ungewiss.

Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Schritt mit Versäumnissen und Fehlverhalten beider Firmen. Chevron und Transocean seien nicht in der Lage gewesen, die Schäden unter Kontrolle zu bringen, die seit dem 7. November durch das Auslaufen von etwa 3.000 Barrel (je 159 Liter) Öl im Campos-Becken verursacht worden seien. Dies mache mangelhaftes Umweltmanagement deutlich. Staatsanwalt Eduardo Santos de Oliveira kritisierte, es habe zu lange gedauert, das Leck zu schließen. Die Firmen hätten auf der Behauptung beharrt, dass es sich um einen kleinen Unfall handle.

Rechtsstreit seit 1993

Es ist nicht das erste Mal, dass Chevron in Südamerika in die Kritik gerät. Erst zu Jahresbeginn hatte ein Gericht in Ecuador das Unternehmen zu einem Schadenersatz von mehr als acht Milliarden Dollar verurteilt, weil Chevron massive Umweltschäden im Amazonasgebiet angerichtet habe. Vertreter der örtlichen Gemeinden hatten geklagt. Seit Jahren sickern große Mengen Öl aus einer alten Förderstätte in den Boden und verseuchen die Region. Chevron fühlt sich allerdings nicht zuständig und geht gegen das Urteil vor. Der Rechtsstreit zieht sich schon seit 1993 hin.

Sollte in Brasilien ein Gericht die Klage zulassen und den Forderungen stattgeben, wäre dies für Chevron ein schwerer Schlag, denn in Brasilien wurden in den vergangenen Jahren immer wieder riesige Erdölvorkommen vor der Küste entdeckt, die allerdings in mehreren Kilometern Tiefe unter einer dicken Salzschicht liegen. Das Unternehmen zeigte sich am Mittwoch überrascht. "Chevron hat keine formelle Nachricht über die Klage erhalten", hieß es in einer Mitteilung des Konzerns. Man habe auf den Vorfall im Atlantik verantwortlich reagiert und sei transparent mit den brasilianischen Behörden umgegangen.

Erdölagentur meldet weiteren Austritt

Der Ölaustritt sei innerhalb von vier Tagen gestoppt worden und Chevron mache bedeutende Fortschritte dabei, jegliches Restöl aufzufangen. Chevron hatte die Menge des ausgetretenen Öls stets mit 2.400 Barrel angegeben. Nach Angaben der US-Umweltorganisation Skytruth könnten es dagegen bis zu 15.000 Barrel sein. Das Öl war am 7. November bei der Probebohrung in dem Feld Frade im Atlantik rund 370 Kilometer nordöstlich Rio de Janeiros erstmals ausgetreten.

Die Nationale Erdölagentur (ANP) meldete auch rund zwei Wochen später noch, dass Erdöl ins Meer entweiche. Chevron hatte die "volle Verantwortung" für den Vorfall übernommen und eingeräumt, dass der Druck in dem Bohrloch unterschätzt worden sei. Gegen das Unternehmen verhängten die Umweltbehörden bereits eine Strafe von 50 Millionen Reais (20,5 Mio. Euro). Chevron ist einer der größten Öl- und Gasförderer sowie Verarbeiter der Welt. Dank hoher Preise hat der Multi allein in den ersten neun Monaten des Jahres unterm Strich 21,8 Milliarden Dollar (16,8 Mrd. Euro) verdient. (APA)

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