Inflation steigt wieder auf 3,6 Prozent

15. Dezember 2011, 10:03
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Die rasante Geldentwertung in Österreich hat nur kurz nachgelassen, Preistreiber im November waren Nahrungsmittel und Heizöl

Wien - Im November ist die Jahres-Inflationsrate nach heimischer Berechnung wieder - wie im September - auf 3,6 Prozent gestiegen, nachdem sie im Oktober auf 3,4 Prozent zurückgegangen war.

Für den starken Anstieg war die erneut zunehmende Preisdynamik bei Nahrungsmitteln und bei Mineralölprodukten - vor allem Heizöl - verantwortlich, erklärte die Statistik Austria am Donnerstag. Außerdem blieben im November die Preise für die Dienstleistungen der Nachrichtenübermittlung fast unverändert und hatten somit einen wesentlich geringeren inflationsdämpfenden Einfluss.

Ohne die Teuerungen bei Mineralölprodukten (+19 Prozent) hätte die Inflationsrate im November lediglich 2,7 Prozent betragen.

Der für die Eurozone berechnete harmonisierte Preisindex Österreichs (HVPI) lag, wie im Monat davor, auch im November um 3,8 Prozent über Vorjahr. Die Teuerung für Pensionistenhaushalte (PIPH) wurde mit 3,8 (3,6) Prozent im Jahresabstand ermittelt, auch hier wurde wie beim VPI wieder der hohe September-Wert erreicht.

Entspannung erst ab Februar

Eine Entspannung bei der seit Februar durchgehend über 3 Prozent liegenden Inflationsrate wird es voraussichtlich im Februar kommenden Jahres geben - selbst wenn die Rohöl- und Spritpreise gleich hoch bleiben. Darauf verwies Josef Auer von der Direktion Volkswirtschaft in der Statistik Austria. Dann wird sich nämlich bei Mineralölprodukten - die ein relativ hohes Gewicht im Warenkorb haben - der sogenannte "Basiseffekt" bemerkbar machen, also eine Inflationsdämpfung im 12-Monats-Abstand, nachdem es genau ein Jahr davor hier besondere Preisschübe gegeben hat.

Von Jänner bis November hat die Teuerung gemäß dem nationalen Verbraucherpreisindex (VPI) im Durchschnitt 3,3 Prozent ausgemacht, so Statistik-Experte Auer. Der Anstieg des für die Eurozone errechneten harmonisierten Preisindex (HVPI) Österreichs lag bis November im Schnitt bei 3,6 Prozent. Beide Jahresraten haben seit Februar einen Dreier vorn, das Plus beim VPI hatte im Jänner noch 2,4 Prozent ausgemacht, im Feber aber schon 3,0 Prozent. Der HVPI legte nach 2,5 Prozent im Jänner auf 3,1 Prozent im Februar zu.

Auffallend ist für Auer, dass seit Sommer - besonders deutlich aber in den letzten ein, zwei Monaten - die Nahrungsmittel-Preise kräftig klettern. Speisefette und Öle, inklusive Butter, seien im November bereits um über 13 Prozent teurer als vor einem Jahr gewesen. Vollmilch habe sich um mehr als 10 Prozent verteuert.

Die deutlichen Fleisch-Verteuerungen hält der Statistiker eher für das Ergebnis einen Basiseffekts mit umgekehrten Vorzeichen. Fleisch insgesamt habe sich zuletzt um 5,6 Prozent binnen Jahresfrist verteuert, dabei Schweinefleisch sogar um 10,2 Prozent - allerdings nachdem Fleisch vor einem Jahr deutlich billiger geworden war.

Wifo und IHS hatten zuletzt für heuer in ihrer Herbst-Prognose 3,1 bzw. 3,2 Prozent Jahresinflation nach nationaler Berechnung (VPI) erwartet - Werte, die wohl leicht nach oben revidiert werden müssen; Mitte kommender Woche gibt es die neue Vorschau der Institute. Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) ging Anfang Dezember für 2011 für den HVPI Österreichs von 3,5 Prozent Teuerung aus und prognostizierte für 2012 einen Rückgang auf 2,2 Prozent.

Teuerung in Eurozone stabil

Die jährliche Inflationsrate (HVPI) in der Eurozone ist im November gegenüber dem Vormonat unverändert bei 3,0 Prozent geblieben. In der gesamten EU betrug die Inflationsrate 3,4 Prozent die das EU-Statistikamt Eurostat mitteilte.

Die niedrigsten jährlichen Raten wurden in Schweden (1,1 Prozent), Malta (1,5 Prozent) und Irland (1,7 Prozent) verzeichnet, die höchsten in der Slowakei und in Großbritannien (je 4,8 Prozent) sowie in Estland, Litauen und Polen (je 4,4 Prozent). Am stärksten zur Preissteigerung trugen Treibstoffe, flüssige Brennstoffe, Gas und Elektrizität bei.

Im November 2010 hatte die Inflationsrate in der Eurozone noch 1,9 Prozent und in der EU noch 2,3 Prozent betragen. Die Europäische Zentralbank (EZB) sieht nur bei Raten von bis zu 2 Prozent die Preisstabilität im gemeinsamen Währungsgebiet gewahrt. (APA)

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    Nahrungsmittel wurden erneut teurer.

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