Gefährliche Temperaturen

Regina Philipp
21. Dezember 2011, 13:22
  • Die Nase ist von Muskelmasse und Fettgewebe wenig geschützt.
    foto: apa/barbara gindl

    Die Nase ist von Muskelmasse und Fettgewebe wenig geschützt.

An Nase, Ohren, Fingern und Zehen kommt es bevorzugt zu lokalen Kälteschäden

Noch ist draußen der Atem unsichtbar, an der Nasenspitze bilden sich keine Eiszapfen und die Hände bleiben auch ohne Handschuhe warm. Die Temperaturen sind für diese Jahreszeit ungewöhnlich hoch, die meisten Menschen von Erfrierungen deshalb nicht bedroht. Für obdachlose Menschen können auch gemäßigte Witterungsverhältnisse gefährlich werden. 

„Bei Windstille und trockener kalter Luft, werden auch einige Minusgrade ohne das Risiko einen Kälteschaden zu erleiden, in aller Regel gut toleriert", weiß Wolfgang Schreiber, Notfallmediziner am Wiener AKH und Chefarzt des Österreichischen Roten Kreuzes. Weniger widerstandsfähig zeigt sich der Organismus, wenn der Wind bläst. Dann werden auch moderate null Grad schon als unangenehm empfunden. Daran ist der sogenannte Wind-Chill-Effekt schuld. Er sorgt dafür, dass die Lufttemperatur kälter wahrgenommen wird, als sie tatsächlich ist. 

Wind-Chill ist ein meteorologischer Index, der die Auswirkungen von Wind und Temperatur kombiniert. Der Volksmund spricht von der „gefühlten Temperatur". Zwei Gründe gibt es warum der Wind Temperaturen kühler erscheinen lässt. Zum einen bläst er die dünne, wärmende Luftschicht, die den menschlichen Körper normalerweise umgibt einfach weg und zum anderen entzieht er dem Körper Wärme. Wie tief der Wind die Temperaturen purzeln lässt, ist auf einer Tabelle abzulesen. So fühlt sich eine Außentemperatur von minus 15 Grad Celsius bei einer Windgeschwindigkeit von 50 km/h bereits wie minus 29 Grad Celsius an.

Der Wind-Chill-Effekt ist dabei nur einer von vielen Faktoren, die Einfluss darauf haben, wie sich der Mensch bei kalter Wetterlage fühlt. Kleidung, körperliche Erschöpfung, Sonneneinstrahlung, Luftfeuchtigkeit, Ernährungszustand, Alter und allgemeiner Gesundheitszustand spielen ebenfalls eine Rolle.

Schmerzhafte Angelegenheit

„All jene Partien, die wenig durch Muskelmasse und Fettgewebe geschützt sind, sind besonders gefährdet", beschreibt Schreiber warum es bevorzugt an Nase, Ohren, Fingern und Zehen zu lokalen Schäden durch Kälte kommt. Eine drohende Erfrierung ist deutlich spürbar und als erstes Warnsignal deshalb auch für Laien erkennbar. Es tut weh und durch die Kontraktion der Blutgefäße erscheinen die betroffenen Körperteile weiß. „Das ist ein physiologischer Schutzmechanismus des Organismus, um die lebenswichtigen Organe im Körperinneren warm zu halten", erklärt der Notfallmediziner.

In aller Regel heilt ein beginnender Kälteschaden in warmer Umgebung ganz von alleine binnen weniger Minuten ab. Die Wiedererwärmung führt zu einer gesteigerten Durchblutung, Finger und Zehen werden rot und Juckreiz beziehungsweise Schmerzen begleiten das Geschehen. „Mit Schnee abreiben ist keine vernünftige Strategie um sich aufzuwärmen", warnt Schreiber vor vermeintlich gut gemeinten Tipps. Der tauende Schnee entzieht dem geschädigten Hautareal zusätzlich Wärme und kann die Situation eventuell noch verschlimmern.

Schutz vor Kälte

Ist ein definitiver Kälteschaden bereits eingetreten, können sich Blasen bilden, wie sie auch bei Verbrühungen oder Verbrennungen auftreten. Hier reicht die Erfrierung bereits in die gefäßreiche Lederhaut (Dermis) hinein. Ist auch die Unterhaut (Subcutis) mit betroffen, dann ist der Gefäßschaden unwiderruflich. Es bildet sich ein Gangrän. Das Gewebe ist hart, verfärbt sich schwarz und macht im schlimmsten Fall eine Amputation erforderlich. 

Nicht umsonst empfiehlt sich bei Blasenbildung die Konsultation eines Arztes. „In der Initialphase einer Erfrierung ist die Beurteilung des Tiefengrades sehr schwierig", weiß Schreiber und betont, dass das Ausmaß einer Erfrierung oft erst Tage bis Wochen nach dem Auftauen erkennbar ist. 

Schutz vor Kälte lohnt sich also. Mit entsprechender Kleidung nach dem Zwiebelschalenprinzip und einer fetthaltigen Creme, die die Haut im Gesicht „dicker" und damit widerstandsfähiger macht, ist der Körper für kommende Eventualitäten gerüstet. (derStandard.at, 29.12.2011)

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heiß vs. kalt

also, mir ist kälte lieber als hitze, ich bin gar kein hochsommermensch und fühl mich bei großer hitze eher unwohl. wenn's knackig kalt ist, kann man sich wenigstens warm anziehen, einwickeln, bewegen, da kann man was tun, bei großer hitze hingegen kann man, außer sich ausziehen, gar nichts tun, nur daliegen und warten, dass die hitze vorbei geht. ich finde die kalte, klare luft an einem schönen wintertag schon toll - ein flotter spaziergang ist das beste mittel gegen erkältung, man muss sich nur richtig anziehen. die leute, die ab september schon mit der daunenjacke herumrennen, sind dann die ersten, die anfangen, zu frieren, weil sie sich nicht aklimatisieren können.

mich wundert,....

dass viele Mädchen und Frauen mit Strumpfhosen, oder irgend welchen Leggings und Stiefeln, die an Robin Hood erinnern unterwegs sind, bei solchen Temperaturen. Der Schönen Beine wegen?
Haben die nicht am Ende schon Erfrierungs-Erscheinungen?

stimm, frag ich mich auch oft, wie die das aushalten.

Im Winter ist es meist kalt...

ich warte bereits auf die sommerliche Sonnenbrandwarnung.

alles besser als die sommerliche schei§§hitze!!!!!!

Wieder ein Grund mehr für mich

im Winter nur vor die Tür zu gehen wenn es unbedingt sein muß (arbeiten, einkaufen und sonstige notwendige Erledigungen), aber sicher nicht zum Vergnügen.

Ich gehe auch nur vor die Tür wenn ich zum Flughafen fahre und in die Richtung Wärme abzutauchen :-)

conklusio

...wenns koit is, ziagts eich au - mehr nicht. jedes jahr dasselbe...

Der Volksmund spricht also von der „gefühlten Temperatur"

und die experten rechnen aus temp wind feuchte ...
aus wie sich für mich die temperatur anfühlt

gibts da vielleicht auch eine app
die mir genau ausrechnet
wie kalt es mir gerade is

wenn ich an die hersteller marke nur fest genug glaube
is es mir dann wirklich genau so kalt wie mir der fetisch anzeigt

noch was:

bei "uns" im lungau jedenfalls hat man für den schmerz beim auftauen von zehen den unschlagbaren ausdruck "groanogln", zu dessen siegeszug ich hiermit beitragen möchte.

dieser artikel wandert per

copy-paste jedes jahr weiter. sehr praktisch.
eine seltsame faszination hat der "windchilleffekt" auf die beamten in den gesundheitsreaktionen in aller welt, während den menschen, die gelegentlich selbst vor die tür gehen, dieser effekt empirisch wohlbekannt ist.

chuck noriss ...

... beisst sich die erfrorenen zehen selber ab.

Ein flammender Appell pro Erderwärmung.

Der Artikel soll wohl das klimaveränderungsbedingte winterliche Sommerloch stopfen...bei lauschigen 6°C unter Tags und -3° in der Nacht ist der Schmarrn wohl reichlich übertrieben.

als jugendlicher

war ich einmal stundenlang mit turnschuhen am berg im schneegestöber unterwegs. jugendlicher irrsinn. als meine zehen gefühllos wurden, wußte ich, daß es brenzlig wurde. eine heiße dusche hat aber alles wieder gutgemacht, kein schaden ist zurückgeblieben. kein körperlicher wenigstens. ;o)

Alles unter 25°C ist zu kalt.

Ich weiß nicht woran es liegt, aber wenn andere Menschen nur mit einem Pullover draußen rumsitzen benötige ich schon eine lange Unterhose, dicke feste Schuhe und drei Schichten oben rum + Wollkappe.

Die anderen haben dabei warme Hände, meine könnte bei Sommertemperaturen zum Kühlen von Bier verwenden.

Ich glaube in der alten Zeit wäre ich "dank" natürlicher Auslese einfach gestorben.

Das sind die Hormone ;)

bei mir is es genau umgekehrt, ich wundere mich warum sich bei moderaten temperaturen die leute schon anziehen wie in sibirien.

waer mal interessant woher dieses unterschiedliche empfinden kommt.

Es ist ja nichtmal Empfindung, ich bin wirklich ausgekühlt.

Naaaa :D

man wird so traurig, wenn man darüber nachdenkt, dass man hier im Warmen sitzt und postet und manche menschen in der kälte sind und frieren müssen... :( :(

Bear Grylls reibt sich mit Schnee ab.

Wem glaubt ihr eher. Bear Grylls oder dem Standard?

An wen genau richtet sich dieser Artikel?

Lawinenopfer? Obdachlose?

Alle andern werden ja kaum in den "Genuss" solcher Probleme kommen.

btw: trockene -15 mit Wind = unangenehm, aber von Erfrierungen weit entfernt.

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