Durchs Fernglas

5. Juni 2003, 19:57
posten

Ohne Unterstützung der Nachbarstaaten steht aber jede Blauhelmtruppe auf verlorenem Posten - Von Markus Bernath

Dass am Nordosten der Republik Kongo das erste Exempel eines EU-Friedenseinsatzes außerhalb Europas und ohne Nato-Hilfe statuiert werden soll, wird die gequälte Bevölkerung in der Kongo-Provinz Ituri nicht sonderlich interessieren. Wenn sie die nächsten Wochen im Kreuzfeuer unkontrolliert mordender Milizen überlebt, ist schon viel gewonnen. Dass es der EU-Prestigemission gelingen wird, auch nur die Bewohner zu schützen, ist jedoch fraglich; ihr Beitrag für eine weiter gehende politische Stabilisierung der Region bleibt ohnehin illusorisch.

Noch bevor die Truppe überhaupt in den Transportmaschinen sitzt, hat ihr französischer Kommandant, Jean-Paul Thonier, schon die Grenzen der Mission klar gemacht: Die 1400 Soldaten der Schutztruppe werden nur in der kleinen Hauptstadt der Bürgerkriegsprovinz Ituri stationiert. Massaker, die in den Dörfern um Bunia verübt werden, wird auch die EU-Truppe nur durch das Fernglas verfolgen. Denn das Mandat, das die UNO der "Multinationalen Notfalltruppe Bunia" gegeben hat, ist so viel und so wenig "robust" wie das der seit drei Jahren operierenden offiziellen UN-Friedenstruppe Monuc im Kongo.

Die UNO hat seit dem ersten Waffenstillstand im kongolesischen Bürgerkrieg 1999 viel Energie in die Befriedung des afrikanischen Großstaates investiert - und wenig Resonanz erhalten: Kaum mehr als 4500 Soldaten der Monuc sollen Waffen einsammeln, Zivilisten schützen, die Bildung einer Übergangsregierung sichern, den Wiederaufbau überwachen. Ohne politische Inpflichtnahme der Nachbarstaaten, die alle Interessen und Milizen im Kongo haben, steht aber jede Blauhelmtruppe auf verlorenem Posten. Eine Beteiligung Österreichs würde daran erst recht nichts ändern. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2003)

Share if you care.