Entbündelung der letzten Meile mit Fußangeln

6. Juni 2003, 13:23
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Nur noch die beiden Provider UTA und Inode investieren - Telekom Austria verfolgt Bemühungen mit Argusaugen

"Wir müssen zugeben, die Hoffnungen, die wir auf die Entbündelung der letzten Meile - der Telefonverbindung vom Wählamt bis zum Kunden - gesetzt haben, scheinen sich nicht zu erfüllen", sagt Kurt Einzinger, Generalsekretär der Internet Service Provider Austria (Ispa). Im Wesentlichen, meint er, seien es nur mehr die alternativen Betreiber UTA und Inode, die die dafür notwendigen Investitionen in den Wählämtern setzen, "die die Alternativen ja wieder erst zurückverdienen müssen".

UTA mit 113 Knoten

Bei der UTA will man heuer bis Ende des Jahres den Ausbau auf 113 Standorte (Wählämter) abgeschlossen haben. "Damit erreichen wird theoretisch 80 bis 90 Prozent der Geschäftskunden", sagt Martin Halama, Pressesprecher der UTA: "Und nur damit hat der Kunde wirklich Wahlfreiheit."

Argusaugen

Bei der Telekom Austria werden die Bemühungen mit Argusaugen verfolgt. Die Interconnection Fee, das Entgelt, das die TA von einem Konkurrenten für den entbündelten Anschluss bekommt, sei "viel zu niedrig", sagt TA-Unternehmenssprecher Martin Bredl. Sie reflektiere nicht die Kosten für den Aufbau und Erhalt der Infrastruktur."

Außerdem, meint man bei der TA, würde bei einem entbündelten Anschluss viel zu wenig auf die Nachteile für den Kunden hingewiesen, die besonders für Geschäftskunden wichtig seien: Etwa dass unterschiedliche Services (zum Beispiel Telefonie und Internet) dann aus der Hand eines (alternativen) Anbieters kommen und nicht unterschiedliche Anbieter gewählt werden können.

Installation von Bankomatkassen

Als weiterer Knackpunkt eines forcierten Businessgeschäfts könnte sich dann die Möglichkeit zur Installation von Bankomatkassen erweisen. Diese sind auf entbündelten Anschlüssen nicht möglich, da es sich bei den Bankomatkassen-Lösungen um eine Eigenentwicklung der TA zusammen mit Europay, an der alle österreichischen Banken beteiligt sind, handelt.

Kalt

Dass es sich dabei wieder um eine Monopollösung handelt, lässt den Exmonopolisten TA kalt: Dass Bankomatkassen nur über das eigene Netz laufen können und nicht über entbündelte Anschlüsse, wurde von der Regulierungsbehörde genehmigt. (ruz, DER STANDARD Printausgabe, 6. Juni 2003)

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