Halber deutscher TV-Markt sucht Käufer

5. Juni 2003, 19:40
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Bauer-Verlag geht wieder ins Rennen um Pro Sieben, Sat.1, Kabel 1 - Saban hofft noch

München - Wie lange es brauchen kann, die Hälfte des privaten deutschen Fernsehmarktes zu Verkaufen: 14 Monate nach der Pleite der KirchMedia mit ihrer TV-Gruppe ProSiebenSat.1 hat Insolvenzverwalter Michael Jaffe keinen Käufer gefunden. Der Kaufvertrag mit dem US-Milliardär Haim Saban platzte wie berichtet in letzter Minute. Damit ist die Zukunft dieser Schätze wieder völlig offen.

Jaffe und die Geschäftsführer der KirchMedia wollen das Unternehmen nun mit den Banken nun in Eigenregie führen und auf bessere Zeiten für den Verkauf warten.

Bis vor wenigen Wochen ruhten die Hoffnungen auf Saban. Er wollte rund zwei Milliarden Euro für ProSiebenSat.1 und die Filmrechtebibliothek zahlen. Den mehr als 40.000 Seiten starken Kaufvertrag hatte er schon unterschrieben. Mit den Banken gab es aber schnell Streit.

Banken warteten vergeblich

"Er wollte die Bedingungen nicht akzeptieren", hieß es in Verhandlungskreisen. Auf die erste Rate des Kaufpreises - rund 500 Millionen Euro - warteten die Banken in den vergangenen Tagen vergeblich. Nach Einschätzung eines hochrangigen Medienmanagers hat Saban einfach zu hoch gepokert. "Er hat sich verzockt." Er habe die KirchMedia mit fremdem Geld kaufen und dann zu einem höheren Preis wieder abstoßen wollen. Das sei in der derzeitigen Branchenlage schwierig.

Donnerstagfrüh flog der gebürtige Ägypter Saban zurück in die USA. Ein Rückflug ist aber schon gebucht: "Für ihn ist das Spiel noch nicht aus", hieß es. Große Chancen geben ihm die wenigsten.

Bauer wieder im Rennen

Dafür zeigt der Hamburger Bauer Verlag (Bravo, TV-Movie, praline) wieder auf. Er unterlag Saban, ist aber wieder gesprächsbereit. "Er ist der einzige, der die Übernahme finanziell stemmen könnte", sagte ein Finanzexperte. So sich nicht andere Medienunternehmen für einen Kauf zusammentun. Wie berichtet bestehen gegen Bauer kartellrechtliche Bedenken, weil er einen Großteil der Programmzeitschriften kontrolliert und an RTL II beteiligt ist.

In Österreich verfolgen mehr als 200.000 Menschen diese TV-Kanäle. Eine eigene Vermarktungsfirma bestückt österreichische Werbefenster in den Kirch-Programmen mit heimischen Spots. (DER STANDARD, Printausgabe, 6.6.2003, fid, dpa)

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