Hinweise auf Selbstmord verdichten sich

6. Juni 2003, 19:53
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Schirm ausgeklinkt - Keine Anzeichen von Fremdverschulden oder Materialversagen

Am Freitag verdichteten sich die Anzeichen, dass sich der frühere deutsche Vizekanzler Jürgen Möllemann am Vortag in den Tod gestürzt hat. "Ich gehe davon aus, dass der Hauptschirm ausgeklinkt wurde", sagte der ermittelnde Oberstaatsanwalt Wolfgang Reinicke. Es gebe zahlreiche Zeugenaussagen. Die Untersuchungen an diesem Wochenende konzentrieren sich darauf, warum auch der Automat, der den Reservefallschirm hätte selbstständig auslösen müssen, nicht funktioniert hat. Die ersten Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf Fremdverschulden oder Materialversagen.

Augenzeugen, die den Absturz des passionierten Fallschirmspringers beobachtet hatten, gehen von einem Selbstmord aus, da ihrer Beobachtung nach Möllemann den Hauptfallschirm in rund 600 Metern ausgeklinkt und nicht den Reserveschirm gezogen habe. Nach Angaben von Kameraden, die vor Möllemann gesprungen waren, sei das Notfallsystem zuvor kontrolliert worden. Sie vermuten, dass der frühere FDP-Spitzenpolitiker den Automat vor dem Absprung ausgeschaltet hat. Die Obduktion ergab, dass Möllemann nicht unter dem Einfluss von Drogen oder Alkohol stand.

Weitere Ermittlungen

Auch nach dem Tod des früheren FDP-Vizeparteichefs gehen die Ermittlungen im Zusammenhang mit der Parteispendenaffäre weiter. Gegen für weitere Beschuldigte - darunter den ehemaligen FDP-Landesgeschäftsführer in Nordrhein-Westfalen, Hans-Joachim Kuhl - werde weiter ermittelt, erklärte die Düsseldorfer Staatsanwaltschaft.

Die Durchsuchungen von Möllemanns Haus in Münster wurden zwar nach Bekanntwerden des Todes des früheren Wirtschafts- und Bildungsministers beendet, aber in seinem Bundestagsbüro und dem Haus auf Gran Canaria auch am Freitag fortgesetzt. Bei den Ermittlungen werde auch die Beteiligung Möllemanns zu prüfen sein, so die Staatsanwaltschaft.

Wie verlautete, sollen die Beschuldigungen gegen Möllemann viel umfassender sein als bisher bekannt, weshalb unmittelbar, bevor Möllemann in den Tod stürzte, Durchsuchungen von 25 Objekten in vier Ländern anliefen. Es soll um Summen bis zu 15 Millionen Euro gehen. Damit muss die FDP mit weiteren Enthüllungen rechnen. (DER STANDARD, Printausgabe, 7.6.2003)

Alexandra Föderl-Schmid aus Berlin
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    Die Unglücksstelle wird untersucht

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