Neun Live zockt Telefonanrufer nicht ab

5. Juni 2003, 17:42
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Sender erwirkt einstweilige Verfügung gegen Verbraucherzentrale

Die Behauptung, dass der TV-Sender Neun Live seine anrufenden Zuseher via Telefonrechnung abzockt, darf die Verbraucherzentrale Sachsen künftig nicht mehr aufstellen. Ansonsten blüht dem Konsumentenschutzverein eine Geldstrafe bis zu 250.000 Euro. Wie der Münchner TV-Sender am Donnerstag mitteilte, habe Neun Live in einem Rechtsstreit vor dem Landgericht Leipzig eine einstweilige Verfügung erwirkt, die dies untersagt. Der Verein hatte auf seiner Informations- und Beratungs-Website von Zusehern berichtet, deren Telefonrechnung belastet wurde, obwohl sie nie zu dem Sender durchgekommen waren.

Keine Beweise

Die einstweilige Verfügung bezieht sich laut Neun Live zudem auf die Behauptung der Verbraucherzentrale, wonach ihr eine Telefonrechnung einer Konsumentin vorliege, in der die TV-Station 16.000 Euro für "nicht zustande gekommene Verbindungen kassieren will". Auch habe der Verein den Eindruck erweckt, Neun Live verfüge über ein eigenes Telefonnetz. Anrufe seien laut Verbraucherzentrale trotz eines Besetzt-Zeichens verrechnet worden. Vor Gericht konnte der Verein keine dieser Behauptungen beweisen, so Neun Live.

Neun Live sei kein Telekom-Netzbetreiber und verfüge über keinen Zugang zum Netz der Deutschen Telekom, erläuterte Conrad Albert von Euvia Media, der Mutter des Senders. Zur "Konstruktion eines Besetzt-Zeichens" sei der Sender daher technisch gar nicht in der Lage. Auch werde nicht zeitabhängig berechnet. Für jeden Anruf zahle der Kunde unabhängig von der Dauer 0,49 Euro. Transparenz sei dem Sender in diesem Zusammenhang ein großes Anliegen. 70 Prozent des Umsatzes erwirtschaftet Neun Live mit Anrufen der Zuseher. Mit diesem Geschäftsmodell erreichte das TV-Unternehmen bereits im ersten Sendejahr die Gewinnzone.

Weniger zahlreich

Auf der Website der Verbraucherzentrale Sachsen wird nach wie vor von "zahlreichen Verbrauchern" berichtet, die sich bei dem Verein gemeldet haben. Demnach seien diesen Personen bereits für ihre Anrufversuche jeweils 0,49 Euro verrechnet worden, obwohl nur das Besetzt-Zeichen zu hören war. Die Zentrale rät zu einer Strafanzeige bei der Staatsanwaltschaft München, die laut Verbraucherschützer bereits gegen den Sender ermittelt. Auf Anfrage wurde von Seiten der Verbraucherzentrale Sachsen darauf verwiesen, dass die von der einstweiligen Verfügung betroffenen Passagen aus der Meldung vom 7. April 2003 entfernt wurden. (pte)

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