Streik der italienischen Journalisten verschoben

5. Juni 2003, 16:06
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Auf 10. und 18. Juni - Arbeitskampf zur "Verteidigung der Pressefreiheit" in Italien ausgerufen

Der für den morgigen Freitag geplante Streik der italienischen Journalisten ist auf kommende Wochen verschoben worden. Nach Angaben des Journalistenverbands FNSI werden am kommenden Dienstag die Nachrichtenagenturen und Tageszeitungen streiken, die TV- und Radioredaktionen werden am 18. Juni die Arbeit niederlegen. Der Streik wurde verschoben, um die Berichterstattung kurz vor den Stichwahlen und Regionalwahlen in Friaul-Julisch-Venetien und im Aostatal am kommenden Wochenende nicht zu beeinträchtigen, hieß es.

FNSI-Sprecher meinten, die Pressefreiheit gerate in Italien immer mehr in Gefahr. Der Streik war nach dem Wechsel an der Spitze des Mailänder Tageszeitung "Corriere della Sera" beschlossen worden. Die Demission des Chefredakteurs Ferruccio De Bortoli wurde laut Gerüchten wegen des zunehmenden Drucks des Kabinetts von Silvio Berlusconi gegen seine oft regierungskritische Linie den Rücktritt eingereicht hatte. Die Demission De Bortolis, seit sechs Jahren an der Spitze der renommierten Tageszeitung, löste heftige Reaktionen aus.

Das Thema Medienfreiheit beherrscht die Debatte in einem Land, in dem der Regierungschef die stärkste private TV-Gruppe, sowie mehrere Tageszeitungen und Zeitschriften besitzt. Berlusconis TV-Gruppe Mediaset wird immer konkurrenzfähiger, geben die RAI-Manager zähneknirschend zu. Im Kampf um die Einschaltquoten feiert Mediaset seit Monaten Erfolge. Die Gruppe ist mit den Sendern Canale 5, Italia 1 und Retequattro die Nummer 1 im italienischen TV-Geschäft und hält einen Marktanteil von über 40 Prozent.

Der Streik wurde in Regierungskreisen scharf kritisiert. "Die Protestaktion ist rein politischer Natur", sagte Telekommunikationsminister Maurizio Gasparri. Einziger Ziel des Protests sei die Regierung unter Druck zu setzen. Die Medienfreiheit sei in Italien keineswegs gefährdet, meinte der Minister. (APA)

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