Consulter oft zu teuer und wenig praxisorientiert

5. Juni 2003, 15:18
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OGM-Studie: Preis/Leistungsverhältnis für Manager oft unausgewogen

Wien - Heimische Beratungsunternehmen sind teuer und wenig praxisorientiert. Nur 39 Prozent von 300 österreichischen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern finden, dass die von ihnen in Anspruch genommenen Berater auch ihren Preis wert sind, und nur 50 Prozent beurteilen sie als praxisorientiert. "Während in Summe das Image der Beratungsunternehmen positiv ist, ist das Preis/Leistungsverhältnis für die Manager unausgewogen", so OGM-Geschäftsführer Wolfgang Bachmayer am Donnerstag in Wien anlässlich der Präsentation der Studie, die im Auftrag des Projektes "Yearbook Consulting" durchgeführt wurde.

"Verbesserungbedarf" bei den Beratungsunternehmen ortet auch der Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Lorenz Fritz. Er fordert, dass Berater verstärkt auch an der Umsetzung mitarbeiten sollen, "um wahr machen zu können, was versprochen wurde". Erfolgreiche Beratung hänge zudem von der Einbindung der Mitarbeiter in den Beratungsprozess ab. Generell ist für Fritz die externe Beratung aber ein "unverzichtbares Instrument" der Unternehmensführung. "Moderne Industrie und moderne Dienstleistung ergänzen sich", so der IV-Generalsekretär.

Erwartungen zu 69 Prozent erfüllt

"Im Schnitt werden die Erwartungen der Kunden zu 69 Prozent erfüllt", meinte der Initiator des "Yearbook Consulting" und Mitbegründer des "Corporate Consulting Club - CCC", David Ungar-Klein. Im Jahr 2002 seien rund 3,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP) - 7,2 Mrd. Euro - für Beraterleistungen ausgegeben worden. Das heiße, 31 Prozent oder 2,2 Mrd. Euro hätten sich als nicht umsetzbar erwiesen. Ungar-Klein macht dafür die mangelnde Transparenz am Beratermarkt mitverantwortlich.

Das starke Wachstum in den vergangenen 20 Jahren habe dazu geführt, dass es keine allgemein gültige Definition und keine gesicherten Zahlen der Beratungsfirmen gebe. "Bei den österreichischen Beratungsunternehmen handelt es sich zum Großteil um 'one-man-shows'", so Ungar-Klein. 70 bis 75 Prozent hätten weniger als fünf Mitarbeiter. Nach Recherchen des "Yearbook Consulting" gibt es in Österreich 3.064 Beratungsunternehmen mit mehr als 5 Mitarbeitern. Davon 39 Prozent IT-Berater, 31 Prozent PR, Marketing und Marktforschungsberater, 19 Prozent Managementberater, 6 Prozent Corporate Finance Berater und 3 Prozent Personalberater. In Zukunft soll das "Yearbook Consulting" jährlich erscheinen und einen fundierten Überblick über den heimischen Beratermarkt geben.

Transparenz nicht gegeben

"Für die Leistungserbringung gibt es keine Transparenz", kritisierte der Vice President Finance der Telekom Austria (TKA), Gernot Schieszler, einer der Mitbegründer des "Corporate Consulting Club", als deren designierter Präsident der Finanzvorstand der TKA, Stephano Colombo, fungiert. Nicht ganz befriedigend sei für ihn auch die Entwicklung, dass für Beratersuche in erste Linie die Bekanntheit des Unternehmens (56 Prozent) und die persönliche Bekanntschaft (47 Prozent) ausschlaggebend sind, nicht jedoch etwa die führenden Branchenkenntnisse. Zweck des CCC sei es deshalb auch, eine Plattform zu schaffen, um Unternehmen und Berater zusammenzuführen und die Transparenz am Beratermarkt zu erhöhen.

Laut OGM-Studie haben in den vergangenen drei Jahren 84 Prozent der befragten Unternehmen eine externe Beratung in Anspruch genommen. Am häufigsten wurde Managementberatung (72 Prozent), gefolgt von IT-Beratung (59 Prozent) und Personalberatung (57 Prozent) nachgefragt. Im Bereich Marketing, PR oder Marktforschung haben 49 Prozent der Unternehmen einen externen Berater geholt, im Finanzbereich 44 Prozent. 91 Prozent wurden von einem Beratungsunternehmen angesprochen, daraus ergaben sich nur bei 9 Prozent Aufträge. Ausschlaggebende Kriterien für die Auswahl eines Beraters sind der persönliche Eindruck (zu 52 Prozent), die Branchenkenntnisse (50 Prozent), das Beratungskonzept (41 Prozent), die Kosten (40 Prozent) und erst zum Schluss die Referenzen (36 Prozent). Die Umsätze der Berater bzw. der Ausgaben für Beratung, sind seit dem Jahr 2001 rückläufig, was sich voraussichtlich auch 2003 nicht ändern wird. (APA)

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