Die Richtung des "bösen Blickes"

5. Juni 2003, 20:00
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Studie: Beim Blick auf die Seite tut sich das Gehirn offenbar mit der Deutung des Gesichtsausdrucks schwerer

Washington - Der böse Blick fährt dem Betrachter selbst auf Fotos eher in die Glieder, wenn er direkt auf ihn gerichtet ist. Blickt der Fotografierte dagegen zur Seite, scheint das Gehirn Schwierigkeiten mit der Deutung des Gesichtsausdrucks zu haben. Das berichten amerikanische Wissenschafter im Fachblatt "Science" (Bd. 300, S. 1536) vom Freitag.

Eindeutig interpretiert wird auch ein ängstlicher, jedoch abgewandter Gesichtsausdruck. Denn dieser signalisiere dem Beobachter die Richtung, aus der eine Gefahr droht, hieß es. Derart eindeutige Kombinationen von Mimik und Blickrichtung werden vom Gehirn schneller erkannt als ängstliche direkte Blicke.

Die Wissenschafter um Reginald Adams von Dartmouth College in Hanover (US-Bundesstaat New Hampshire) wiesen diesen Zusammenhang in der Amygdala nach, einem Teil des Gehirns, der an der Wahrnehmung und Verarbeitung von potenziellen Bedrohungen beteiligt ist. Mit einem speziellen bildgebenden Verfahren (fMRI) machten sie die Reaktionen auf verschiedene Fotografien in dieser Gehirnregion sichtbar. Sie zeigten, dass beide Faktoren - Ausdruck und Blickrichtung - die Funktion der Amygdala beeinflussen. So riefen etwa die unklaren Kombinationen von Blickrichtung und Gesichtsausdruck eine viel stärkere Reaktion hervor als die eindeutigen Kombinationen. Ihre Untersuchung zeige, wie wichtig es ist, in künftigen Untersuchungen zur Wahrnehmung von Gesichtsausdrücken auch die Blickrichtung einzubeziehen, schreiben die Wissenschafter. (APA/dpa)

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