EU-Kommission hat "ernsten Bedenken" gegen Justizreform

14. Dezember 2011, 19:18

Zwangspensionierung von Richtern befürchtet - Spitzenbeamte werden durch Umgründung von Behörden abgelöst

Brüssel/Wien - Zwischen der Europäischen Union und Ungarn kündigt sich der nächste Konflikt in Menschenrechtsfragen zusammen. Nach der heftigen Auseinandersetzung über das ungarische Mediengesetz nimmt die Brüsseler Behörde nun die Justizreform der konservativen Regierung in Budapest unter die Lupe. Wie die Tageszeitung "Die Presse" (Donnerstagsausgabe) berichtet, meldet EU-Justizkommissarin Viviane Reding in einem Schreiben an Budapest "ernste Bedenken aus europarechtlicher Sicht" an, insbesondere wegen der offenbar geplanten Zwangspensionierung von Richtern.

Pensionsantrittsalter nur für Richter gesenkt

Die Justizreform senkt nämlich das Pensionsalter für Richter von derzeit 70 auf 62 Jahre. Diese Bestimmung fußt auf der von der konservativen Regierungspartei "Fidesz" mit ihrer Zwei-Drittel-Mehrheit im Schnellverfahren beschlossenen neuen ungarischen Verfassung, in der es heißt, dass auch für Richter das allgemeine Pensionsantrittsalter gelten soll. Dieses liegt bei 62 Jahren, soll aber zwischen 2014 und 2022 auf 65 Jahre erhöht werden.

Auffällig ist, dass es nur für Richter ein verpflichtendes Pensionsalter gibt, nicht aber für öffentlich Bedienstete in anderen Bereichen wie Notare oder Universitätsprofessoren. Mit dieser Bestimmung verletzt Ungarn somit möglicherweise eine EU-Richtlinie aus dem Jahr 2000, die die unbegründete Diskriminierung von Menschen wegen ihres Alters verbietet.

Datenschutzbeauftragter muss vorzeitig gehen

Unter die Lupe nimmt die EU-Justizkommissarin auch den neuen Landesjustizrat (OBH), dessen Chef alle Richter ernennen und über die Zuweisung von Fällen an die Gerichte entscheiden soll. Zur OBH-Chefin wurde am Dienstag vom Parlament die Frau des engen Orban-Vertrauten Jozsef Szajer, Tünde Hando, ernannt. "Es scheint, dass es eine Machtkonzentration in der Person der Präsidentin des Landesjustizrates gibt", warnt Reding in dem Schreiben an den ungarischen Justizminister Tibor Navracics. Dieser hat bis Freitag Zeit, die Bedenken der EU-Kommission zu entkräften.

Skeptisch sieht die EU auch die Umwandlung des Obersten Gerichtshofs in eine "Curia". Zu deren Vorsitzendem wählte das von der Fidesz kontrollierte Parlament den der Regierungspartei nahestehenden Richter Peter Darak, obwohl die Amtszeit des bisherigen Höchstgerichts-Präsidenten noch nicht abgelaufen ist. Auch hier drängt sich der Verdacht auf, dass die Justizreform auch dazu dienen soll, sich unangenehmer Richter zu entledigen. Ähnliches hat auch die Umgründung der Datenschutzbehörde zur Folge. Auch hier bewirkt die Reform, dass der bisherige Datenschutzbeauftragte vorzeitig aus dem Amt scheidet. Sein Nachfolger wird von Orban vorgeschlagen und von seinem Parteifreund, Staatspräsident Pal Schmitt, bestätigt. Eine EU-Richtlinie und die EU-Grundrechtecharta sehen aber vor, dass nationale Datenschutzbehörden von der Regierung völlig unabhängig sein müssen.(APA)

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18 Postings
Alexander Patjomkin
32
15.12.2011, 14:04
Österreich ist in Vergleich mit Ungarn ein Stehwasser,

Hierzulande kann man die einfachste positive Fortschritte nicht schaffen. Die "demokratische" Institutionen blockieren sich gegenseitig total.
Jemand muss einfach die entscheidende politische Macht haben, sonst geht gar nichts. Wenn ein Land dann sowas hat, wird gleich als "Diktatur" abgestempelt. Das ist nichts anderes als ein Angriff der Unfähigkeit.

omar chamra
00
16.12.2011, 20:42
Ja Patkomm, wenn wir nur auch eine Autokratie

hätten in Ungarn, wenn man bei uns auch die Arbeitslosenunterstützung nur 90 Tage auszahlen würde, wenn es bei uns auch schwarz gekleidete Milizen geben würde, wenn man bei uns einen einheitlichen Steuersatz einführen würde, damit den Millionären mehr bleibt und die Armut wächst wie in Ungarn wo es schon 4 Millionen Arme gibt, dann wäre Patkomm. zufrieden.
Nur die meisten Österreicher wären sehr unzufrieden und würden sich die Demokratie zurückwünschen.

Bagolyvár
00
31.12.2011, 23:15
Haben Sie etwas gegen Milizen?

Fragen Sie einmal Lendvai!

Alexander Patjomkin
01
21.12.2011, 21:35
4 Millionen Arme... Hm...

Wie schaffen sie dann die Einkaufsorgie zu Weinachten... ? Sowas habe ich nicht einmal in Wien gesehen, wie in Budapest das läuft..
Und die kaufen nicht Brot oder Apfel...
Das ist auch nur ein potemkinischer Dorf ?

asd73
30
16.12.2011, 09:32
"Hierzulande kann man die einfachste positive Fortschritte nicht schaffen."

Das ist nicht so schlimm, wenn die "Dinge" relativ gut gehen.

In HU gehen aber die "Dinge" seit Jahren sehr schlecht, also man muss sehr viel bewegen.

marcopolo1971
 
13
15.12.2011, 10:30

Und die Zentralbank ist jetzt auch fällig, war eh nur eine Frage der Zeit: http://www.pesterlloyd.net/2011_50/5... pszaf.html

asd73
31
16.12.2011, 09:32

Gyrucsánys letzt Bastion wird auch langsam fallen.

Mormoloc
11
16.12.2011, 12:54
Wessen letzte Bastion?

Bagolyvár
00
31.12.2011, 23:17
Sogar Sie?

Kennen Sie ihn nichtmehr?

Ramsay Bolton
00
15.12.2011, 00:07

Na da baut er wieder fleißig sein Orbanistan auf, der Viktor. Bin gespannt ob er einen Putin/Erdogan macht, oder ob er das Zepter freiwillig abgibt nach der nächsten Wahl...

Ibsen
27
14.12.2011, 22:32
Nur gegen die Justizreform?

Die EU schaut seit 1,5 Jahren schweigend zu...was in Ungarn zur Zeit läuft, ist ein Wahnsinn!

Janosch bacsi
120
14.12.2011, 23:00
Wieso Wahnsinn?

Weil soz-lib nicht mehr das Sagen hat? Nehmen Sie endlich zur Kenntnis: Eure Zeiten sind vorbei! Seid froh, dass ihr noch im Parlament geduldet werdet. Normalerweise sollte die ganze linksliberale Bagage hinter Gittern nach gesiebter Luft ringen.

gemeinsam
11
15.12.2011, 14:19
schön ist, dass

die orban kampfposter immer weniger werden. natürlich nur für die, die nicht unter diesem chaoten orban leiden müssen.

asd73
41
16.12.2011, 09:41

Kampfpostler hin oder her, Kádárs Sozis (mit Horn, Medgyessy...), die Banker-Sozis (mit Gyurcsány, Bajnai & Co) und die so genannte Liberalen (SZDSZ) werden die Ungarn-Raubzüge nun einige Zeit nicht mehr weitermachen.

Mormoloc
21
16.12.2011, 12:54
Dafür darf mal Orbán, oder wie?

Ibsen
03
15.12.2011, 09:04
Nur eine Frage:

Leben Sie persönlich in dem schönen neuen Orbanistan oder genießen Sie es aus Österreich?

Helmut Rax
00
15.12.2011, 00:42

geht's noch?

Avenarius Baumwax
13
14.12.2011, 23:55
schon wieder ein...

fidesz-kampfposter? wir wissen ganz genau, was in ungarn vorgeht, da können sie noch so viel geifer versprühen sie gekaufter parteisoldat.

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