Europa auf verlorenem Posten

Kommentar der anderen

Das England-Bashing ist genauso irrelevant für die akuten Währungsturbulenzen wie das Brüssel-Bashing - Von Simon Jenkins

Ausgerechnet im "Guardian", in den vergangenen Tagen stets ein verlässliches Forum für Cameron-kritische Kommentare, verteidigt Simon Jenkins, Exherausgeber der "Times" und nunmehr ständiger Gastkolumnist des linksliberalen Konkurrenzblattes, den britischen Sonderweg:

Das England-Bashing mag Eurokraten ein gutes Gefühl vermitteln, aber es ist genauso irrelevant für die akuten Währungsturbulenzen wie das Brüssel-Bashing der Antieuropäer. Zurückgehend bis ins 18. Jahrhundert hat es in der öffentlichen Meinung stets ein Auf und Ab hinsichtlich der Skepsis gegenüber den zentralistischen Ambitionen der europäischen Eliten gegeben. Tony Blair war in seinen frühen Tagen ein entschiedener EU-Gegner und hat sie dann später unterstützt, Maggie Thatcher wandelte sich von einer anfänglichen Befürworterin in eine vehemente Kritikerin. In beiden Großparteien gab es stets ein Hin und Her. Aber als Amtsträger haben sie stets die parlamentarische Souveränität innerhalb der ausgehandelten Grenzen respektiert. Welche diplomatischen Ausrutscher Camerons Auftritt in Brüssel auch immer begleitet haben mögen - der Premier hatte Recht, als er sich in Brüssel gegen das autoritäre Vertragsregime Deutschlands und Frankreichs stellte und stattdessen die Vorzüge des europäischen Binnenmarktes pries. Die "Vereinigten Staaten von Europa" werden aus dieser Krise ohnehin nicht hervorgehen - weder mit 17 noch mit 26 Ländern. Dieser Staatenbund kann ja noch nicht mal mit einer griechischen Pleite umgehen. (Simon Jenkins/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2011)

Share if you care