Die Abneigung gegen Türken unter Jugendlichen hat auch mit Abstiegsängsten zu tun
Warum überraschen die Ergebnisse einer Umfrage unter Wiener Jugendlichen nicht? Fast 20 Prozent denken, "die Juden" hätten zu viel Einfluss in der Weltwirtschaft. Mehr auf lokaler Ebene sind 40 Prozent der Meinung, dass es "viel zu viele Türken in Österreich" gebe (nachdem die Türken besonders in der Jugend im städtischen Bereich ziemlich stark vertreten sind, stellt sich auch die Frage, wie die Umfrage angelegt war).
Dennoch: Die Ergebnisse überraschen niemanden, der hie und da Gelegenheit hat, in die Gedankenwelt städtischer Jugendlicher hineinzuhorchen. Jetzt, da es wieder irgendeinen Sündenbock für die Krise geben muss, steigt das anscheinend wieder an. Die Abneigung gegen die Türken unter Jugendlichen hat auch mit Abstiegsängsten in der Krise zu tun. Man fürchtet die Konkurrenz um Arbeitsplätze. Was tun? Wer hier einen vernünftigen Plan hätte, könnte berühmt werden.
Es gibt nur einen Ansatz: nicht mehr herumreden. Die Probleme und die Realität ansprechen. Und nicht über die Jugendlichen reden, sondern mit ihnen, auch und gerade mit den türkischen. In großer Runde, an einem runden Tisch, übertragen vom ORF. Und/oder in vielen kleineren Veranstaltungen in den "Problembezirken" , wo offener geredet wird. Und alle müssen sich mit vollem Geschäft einbringen. Wann wurde z.B. der Bürgermeister von Wien zuletzt in einer Diskussion mit Jugendlichen gesehen?(DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2011)