Managerstudie: Beruf ist wichtiger als Privates

  • Ein Prozent der Manager hat ein akutes Burnout-Problem, sechs Prozent stehen kurz davor.
    foto: rainer sturm/www.pixelio.de

    Ein Prozent der Manager hat ein akutes Burnout-Problem, sechs Prozent stehen kurz davor.

Nur 14 Prozent bringen berufliche Anforderungen und private Wünsche ins Lot - 16 Prozent fühlen sich nicht gesund

Nicht Golf, sondern Wandern, Skifahren und Radfahren sind die beliebteste Sportarten von Managern. Nur 16 Prozent frönen in ihrer Freizeit dem Golfspiel, während sich über 40 Prozent den anderen drei Betätigungen widmen. Das Bild des Chefs, der über den Golfplatz stolziert, entspricht also mehr einem Klischee als der Realität. Das ist ein Ergebnis einer Studie* über die Gesundheit von Führungskräften. Im Auftrag des Wirtschaftsforums der Führungskräfte (WdF) und in Kooperation mit der Vienna Insurance Group wurden 200 österreichische Manager befragt.

Work-Life-Balance

Den Spagat zwischen beruflichen Anforderungen und privaten Wünschen schaffen nur 14 Prozent zu ihrer Zufriedenheit. Bei 76 Prozent dominiert der Job und bei nur zehn Prozent schlägt das Pendel mehr in Richtung Privatleben. Um in Schuss zu bleiben, betreiben 72 Prozent Sport, 51 Prozent legen großen Wert auf gesunde Ernährung und 32 Prozent helfen sich mit Vitaminpräparaten aus. Entspannungsübungen praktizieren 19 Prozent. Immerhin 44 Prozent sporteln täglich oder zumindest mehrmals pro Woche.

Stress und wenig Bewegung

Als größte Risikofaktoren werden von den Befragten Stress (59 Prozent), Bewegungsmangel (52 Prozent) und Gewichtsprobleme (42 Prozent) identifiziert. Bei der letzten vergleichbaren Umfrage, die vor zwei Jahren durchgeführt wurde, waren diese Werte noch niedriger. Ungesunde Ernährung ist aktuell für 29 Prozent ein Problem. Rauchen wird nur von zwölf Prozent als Risikofaktor gesehen, im Jahr 2009 waren es noch 16 Prozent.

Zum ersten Mal abgefragt wurde das Thema Burnout. Ein Prozent der Manager konstatiert bei sich selbst ein akutes Burnout-Problem, sechs Prozent stehen kurz davor und sieben Prozent waren bereits damit konfrontiert. Generell sehen die Studienautoren psychische Probleme im Vormarsch. Vier Prozent der Befragten geben es auch offen zu, eine Verdoppelung gegenüber 2009. Die Bereitschaft, darüber zur sprechen, sei auch eine andere, als noch vor zwei Jahren. "Die Scheu ist mittlerweile geringer", sagt Felix Josef vom Marktforscher Triconsult. Die Thematisierung habe bewirkt, dass sich viele Leute zu einem Outing entschließen.

Gesundheitsprobleme

Ihren eigenen Gesundheitszustand bewerten 16 Prozent der Führungskräfte mit ausgezeichnet, 68 Prozent halten ihn für gut und 16 Prozent für weniger gut. Die häufigsten Schwachstellen betreffen mit 18 Prozent den Bewegungsapparat, acht Prozent rühren von Herz/Kreislaufproblemen und fünf Prozent sind mit ihrem Stoffwechsel nicht zufrieden.

Hauptverantwortlich für das individuelle Wohlbefinden ist bei Österreichs Managern die Arbeit. Im gesamten Work-Life-Balance-Paket wird diesem Part mit 30,76 Prozent die größte Wichtigkeit attestiert. Erst auf Platz zwei findet sich Beziehung/Familie mit knapp 27 Prozent. Gesundheit/Sport oder Freude/Sozialkontakte rangieren mit rund 15 Prozent weit abgeschlagen.

Vorsorge

In 46 Prozent der Unternehmen wurde ein System von betrieblicher Gesundheitsvorsorge installiert, 29 Prozent der Manager nehmen dieses auch in Anspruch. 24 Prozent der Firmen verfügen über Angebote zur gesunden Ernährung, 48 Prozent der Befragten wünschen sich hier mehr Aktivitäten. Weit oben auf der Wunschliste stehen auch Gutscheine; zum Beispiel für Fitness-Center mit 48 Prozent. 78 Prozent der Befragten hatten angeblich in den letzten zwei Jahren eine Gesundenuntersuchung.

Laut Daten des Bundeskanzleramts, die für das Jahr 2010 vorliegen, nehmen die Krankenstandstage mit zunehmendem Bildungsgrad ab. Hilfsarbeiter verzeichneten voriges Jahr im Schnitt 15,4 Fehltage, Facharbeiter 16,9. Maturanten und Akademiker kamen hingegen nur auf 9,4 beziehugnsweise 6,3 Tage. (om, derStandard.at, 15.12.2011)

* Die Daten sind das Ergebnis einer Befragung, die im November 2011 unter 203 österreichischen Führungskräften (79 Prozent Männer, 21 Prozent Frauen) der ersten und der zweiten Ebene durchgeführt wurde. 70 Prozent der Umfrageteilnehmer sind in Unternehmen mit mehr als 70 Mitarbeitern tätig.

Share if you care