Gaswolke rast auf Schwarzes Loch zu

15. Dezember 2011, 12:03
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Entdeckung mit dem Very Large Telescope: Im Zentrum der Milchstraße wird demnächst ein großes Schlucken stattfinden

London/Garching/Wien - Auch im Zentrum unserer Galaxie befindet sich ein supermassereiches Schwarzes Loch. Das immerhin die Masse von vier Millionen Sonnen hat. Im Vergleich zu zwei jüngst entdeckten Schwarzen Löchern mit zehn Milliarden Sonnenmassen nimmt es sich allerdings eher bescheiden aus.

Für Astrophysiker auf der Erde bietet das Schwarze Loch im Zentrum der Milchstraße einen unschätzbaren Vorteil: Aufgrund seiner relativen Nähe ist es das einzige, bei dem detaillierte Beobachtungen möglich sind. Diese müssen allerdings prinzipiell indirekt erfolgen, denn Schwarze Löcher geben aufgrund ihrer enormen Gravitation keine Strahlung ab und verschlucken selbst das Licht.

Materie, die in Schwarze Löcher hineinfällt, heizt sich jedoch so stark auf, dass sie im Röntgenlicht leuchtet. Dieser Prozess ist in anderen Galaxien schon häufig beobachtet worden. Sagittarius A* (sprich: Sagittarius A Stern), die Umgebung des Schwarzen Lochs im Zentrum der Milchstraße, ist jedoch seit Jahren besonders ruhig.

Demnächst allerdings dürfte sich dort einiges tun, wie Astronomen um Stefan Gillessen vom Max-Planck-Institut für Extraterrestrische Physik in Garching im britischen Fachblatt "Nature" berichten. Sie haben mit dem Very Large Telescope der Europäischen Südsternwarte eine Gaswolke entdeckt, die mit acht Millionen Kilometern pro Stunde auf das Schwarze Loch zurast.

Sie enthält dreimal so viel Masse wie die Erde und wird sich 2013 bis auf 40 Milliarden Kilometer dem Schwarzen Loch nähern - astronomisch gesehen ein Katzensprung. Diese Annäherung wird ihr wohl zum Verhängnis werden, wie die Astrophysiker behaupten: Die Wolke, deren Gas bereits etwa 280 Grad Celsius warm ist, werde komplett zerrissen werden und zum großen Teil vom Schwarzen Loch aufgesogen. Und das bringt die Wissenschafter schon jetzt zum Frohlocken: "Bei dieser Wolke können wir in Echtzeit verfolgen, wie das Schwarze Loch Materie schluckt." (tasch/DER STANDARD, Printausgabe, 15. 12. 2011)

  • So könnte die Gaswolke in das Schwarze Loch gesogen werden. Blau: die 
Kreisbahnen der Sterne um das Schwarze Loch.
    illustration: eso/mpe

    So könnte die Gaswolke in das Schwarze Loch gesogen werden. Blau: die Kreisbahnen der Sterne um das Schwarze Loch.

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