Experten

Zweifel an Faymanns Immobiliensteuer

14. Dezember 2011, 22:24

Experten: 700 Millionen an Mehreinnahmen viel zu hoch gegriffen

Dass die Abschaffung der Spekulationsfrist bei Immobilienverkäufen dem Staat 700 Mio. Euro brächte - wie von Bundeskanzler Werner Faymann geschätzt - wird von Experten massiv bezweifelt. Der Chef der S-Bausparkasse, Josef Schmidinger, nannte "die Professorenschätzung kuschelig" und meinte, dass es "genug Umgehungsmöglichkeiten gibt". Seiner Meinung nach würden die Einnahmen für den Staat bei maximal 40 bis 60 Mio. Euro liegen.

Derzeit können Immobilien nach zehn Jahren steuerfrei veräußert werden. Dieser Umstand war bereits der Steuerreformkommission unter Ex-Finanzminister Rudolf Edlinger ein Dorn im Auge. Geändert wurde daran aber bisher nichts. Nicht zuletzt, weil man sich über keinen Stichtag für die Anschaffung der Immobilie einigen konnte. Das Problem damals wie heute sieht Steuerberater Walter Stingl folgendermaßen: "Man braucht einen Anschaffungswert - was aber tun, wenn dieser Jahrzehnte zurückliegt?", fragt der Experte. Beim Verkauf müsse zumindest die Inflation abgegolten werden. Daher bedarf es der Einschleifregelungen. Möglich wäre, dass die Spekulationsfrist innerhalb der nächsten 20 Jahre auf null sinkt; wird innerhalb der nächsten 15 Jahre verkauft, würde nur der halbe (Einkommens-)Steuersatz anfallen. Eine ähnliche Regelung gibt es bereits jetzt beim Verkauf von unbebauten Grundstücken: Nach dem fünften Jahr gibt es einen zehnprozentigen Steuerabschlag.

Stingl hält Umgehungsmöglichkeiten der Spekulationssteuer für gering: Wird die Immobilie in eine GesmbH eingebracht und dann verkauft, muss die Differenz zwischen Einbringungswert und Verkaufspreis versteuert werden. Wird die Immobilie in eine Stiftung eingebracht und von der Stiftung dann verkauft, fällt zwar keine Steuer an. Sollte der Verkaufsgewinn ausgeschüttet werden, muss die Kapitalertragssteuer abgeführt werden.

Schmidingers Resümee: Will man Immobilien höher besteuern, gibt es nur zwei Möglichkeiten: die Anhebung der Einheitswerte und die Erhöhung der Grundsteuer. Im Finanzministerium hält man von Faymanns Vorstoß ebenfalls wenig. Interne Berechnungen kämen nur auf Erlöse von 100 bis 150 Mio. Euro. Auch im Umfeld von Ministerin Maria Fekter wird darauf hingewiesen, dass Immobilien zum Teil über Generationen vererbt worden seien. Die Ermittlung des Gewinns sei in vielen Fällen nicht möglich. Die Wertpapiersteuer gilt nur für neu erworbene Aktien oder Fondsanteile. Würde analog bei den Immobilien vorgegangen, würden zusätzliche Einnahmen bei Wegfall der Spekulationsfrist erst mit großer Verzögerung fließen.

Fraglich ist auch, warum der Verkauf von Eigenheimen nicht besteuert werden soll, immerhin geht es ja nur um den Gewinn aus der Veräußerung. Ein SP-Abgeordneter hat die Antwort: "Aus purem Populismus." (cr, as, DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 428
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10
DirtyHarry
10
18.12.2011, 18:50
"Mehreinnahmen"

Die Regierung soll endlich weniger ausgeben - dann die Steuerschraube nicht schon wieder angezogen werden.
Die SPÖVP-Regierung schon mehrmals Belastungspakete verabschiedet.

Elisa B
01
17.12.2011, 08:01
Sparer schädigen

Der Mittelstand und die Sparer, die vorsorglich gewirtschaftet und nichts verjuxt haben sondern auch an ihre Kinder denken, sollen nach den Plänen der SPÖ ausgeraubt werden! Diese Geld verjuxt dann der Staat mit unnötigen Sozialausgaben für Menschen die ohne Plan leben und auf der faulen Haut leben. NEIN DANKE!

ÄäÖöÜüß
11
16.12.2011, 10:50
Typisch Faymann - auch seine Steuerträume zerplatzen wie Seifenblasen

Interessant, dass der ehmalige wiener Wohnbaulandestrat so ahnungslos im Immobilienbereich ist.

Oder hat er nur mehr Gefälligkeitsberater um sich geschart die mit erfundenen Daten operieren?
(siehe Darabos...)

Vintageologist
 
11
15.12.2011, 21:18
Es geht auch nich darum, sinnvoll Steuereinnahmen zu erzielen...

Die Maßnahmen dienen rein zur Befriedigung der Neidkomplexe der bildungsfernen, sozialistischen Wählerschaft.

Graf Robert von Donnerstag-Dachsenstein
02
15.12.2011, 15:42

Warum wird der Chef der S-Bausparkasse als Experte vorgestellt? Sollte man da nicht eher Lobbyist sagen?

supermike
14
15.12.2011, 15:32
Noch mehr Steuern....

Österreich hat deutlich zu hohe Staatsausgaben von 52,5% des BIP (2010) die von Jahr zu Jahr steigen obwohl gleichzeitig auch der BIP kräftig angestiegen ist.

>>>Österreich<<<

BIP 2010: 284 Mrd
Staatsausgaben 2010: 149 Mrd €
Staatsausgaben in % BIP: 52,5%

>>>Vergleicht man mit der Schweiz<<<

BIP 2010: 395 Mrd
Staatsausgaben 2010: 127 Mrd €
Staatsausgaben in % BIP: 32,2%

Und die Schweiz ist weder ein 3 Welt Land und muss sogar als Nicht EU Land und nicht Euro Land mit vielen Wettbewerbsnachteilen kämpfen.
Trotzdem schaffen die es mit deutlich weniger Staatsausgaben auszukommen und die Staatsverschuldung liegt mit 38 % auch sehr niedrig.
Würden wir unsere Staatsausgaben in % BIP auf schweizer Niveau bringen = 57 Mrd / Jahr Ersparniss !!!

rubinek
00
18.12.2011, 09:22

Wow sie haben erkannt, das der Staat in der Schweiz weniger Ausgaben hat, weil es weniger Arme Menschen in d Schweiz gibt ?

und ihr letzter Satz: Wenn wir weniger Geld für Transferleistungen an die Armen abgeben, sparen wir uns viel, ist echt der Hammer.

Nobelpreisverdächtig diese Erkenntnisse.

marcopolo1971
 
41
15.12.2011, 13:45

Alles was nicht nachweisbarer Eigenbedarf ist (gesetzl. Obergrenzen) wird mit jährlich 3-4% des Verkehrswertes besteuert (in etwa die Inflationsrate) und bumsdi, sinds ein paar Zigmilliarden. Geld, das u.a. auch für Konsum, Investitionen, Unternehmertum in den Kreisläufen kursiert, hat mit der Inflation zu kämpfen, totes Immokapital soll das auch. Gleichzeitig werden Mietererhöhungen auf die Inflationsrate begrenzt, Aus ists mit der Wucherei, können ja wieder in ein produzierendes Gewerbe wechseln, die feinen Herrschaften, wenn die Rendite dann nicht mehr passt.

Zaphod Beeblebrox III
00
16.12.2011, 09:30
Sie schlimmer Amerikanerfreund Sie !!

Sie haben wohl gelesen, dass in den USA ein Großteil der Steuereinnahmen über Grundsteuern eingehoben wird.

Das stimmt für einige Staaten.

Dafür sind die Einkommensteuern niedriger bis fehlend, sodass die Steuerquote insgesamt etwa gleich hoch ist wie in Ö.

Man könnte als in Ö durchaus 2 % der Grundstücks-Verkehrswerte als Steuern einheben, wenn man die Lohn-/Einkommenstuer deutlich reduziert, etwa auf eine flat tax von 15% ...

Ob das gerechter ist ??

gas karl
00
15.12.2011, 14:55
werden sich die Mieter freuen ;-)

sterngucker
 
13
15.12.2011, 14:30
Ich kann mir gut vorstellen, wie das abläuft

40 m² sind dann die Obergrenze für einen Single (bekanntlich haben Kühlschränke, Herde oder Fernseher für Einzelpersonen ja nur ein Fünftel des Flächenbedarfs). Jemand, dem der Ehepartner stirbt, hat für die gemeinsam erschuftete 60m²-Wohnung auf einmal keinen nachweisbaren Eigenbedarf mehr und wird binnen 25 Jahren enteignet.

Das Resultat ist, daß sich nur mehr wirklich Reiche Immobilien leisten können und die große Masse zur entsprechend gestiegenen Miete wohnen darf. Gratulation - Sie haben da wirklich eine große soziale Vision verwirklicht.

marcopolo1971
 
31
15.12.2011, 14:42

Wo steht was von Omas enteignen? Genauso wie eine Obergrenze, kann man auch eine Freigrenze setzen, meinetwegen bei 200 qm, ist doch wurscht, um diese leute gehts doch gar nicht. Man muss es nicht verstehen, man sollte aber wollen, damit man kann.

sterngucker
 
21
15.12.2011, 15:16
Schön, daß Sie so großzügig sind

Aber ist eine derartige Besteuerung einmal verankert, dann werden die Grenzen billige politische Manövriermasse, und es finden sich schnell Populisten, die ein Aus für die Steuerfreiheit von "Palästen" fordern.

4% Substanzsteuer sind mehr als eine Enteignung über 25 Jahre. Enteignet werden können Sie nur einmal. Aber die Vermögenssteuer fällt immer wieder an.

Moralapostel
 
10
15.12.2011, 15:53
Rechenfehler?

Sie vergessen, dass die Immobilie zwischenzeitlich zumindest um die Inflation aufgewertet wurde. Sie ist also (selbst beim bescheidenen Inflationsziel der EZB) nach 25 Jahren um 65% mehr wert, als Sie bis dahin an Steuern gezahlt haben. Gehen Sie von einer (unrealistischen) Fortsetzung gegenwaertiger Trends aus (5% Immobilienpreisanstieg p.a.), dann ist Ihre Immobilie das 3,4-fache der Steuer Wert. Abgesehen davon redet doch niemand von 4% Substanzsteuer. Wenn ueberhaupt, dann geht es um maximal 1% p.a., da kommen Sie gerade mal auf 28% Besteuerung ueber 25 Jahre.

sterngucker
 
02
15.12.2011, 16:06
Sie übersehen, daß die Steuer mit dem Verkehrswert mitsteigt

und dessen Anstieg in Großstädten mit steigendem Wohnbedarf die Inflation übertrifft.

Es trifft auch nicht zu, daß niemand von 4% Substanzsteuer redet. Sie brauchen nur zu dem Posting von marcopolo71 zurückzuscrollen, auf das ich ursprünglich geantwortet habe.

All das ändert nichts, daß Sie bei einer Substanzbesteuerung dafür bezahlen, daß Sie etwas behalten dürfen, wofür Sie schon einmal sehr viel gezahlt haben, und das umso mehr, je mehr andere darauf spekulieren. Warum das für Immobilien gelten soll, die ein Grundbedürfnis abdecken, aber nicht für Autos, Plasmabildschirme oder elektronisches Spielzeug, muß mir erst einmal jemand erklären.

RS69
 
00
15.12.2011, 13:54

Und wenn dann keiner mehr in Immobilien investiert, machen das die Mieter einfach selber?

Wenn das so wäre, könnten die ja jetzt auch schon alle selbst bauen bzw kaufen.

marcopolo1971
 
00
15.12.2011, 13:59

Warum, wenn ich gescheit kalkuliere, kann ich da locker noch 10-15% herausholen, nur nicht mehr "automatisch".

RS69
 
02
15.12.2011, 16:20

Wenn Sie 10-15% rausholen können, das Sie selbst kaufen oder bauen: tun Sie's doch. Wenn's alle machen, ist auch das Thema Spekulation keines mehr, weil ja sowieso alle ihre 10-15% raus holen können.

Wo ist dann noch mal das Problem mit den bösen Spekulanten, und warum verzichten Sie nicht auf deren Leistungen, wenn Sie's ohne um 10-15% besser können?

Wenn das auf breiter Basis wahr wäre, würden alle selbst bauen oder Kaufen. Die Realität zeigt, dass es offensichtlich nicht (zumindest nicht auf breiter Basis) so ist.

obibiber
11
15.12.2011, 12:34

kann mir niemand erzählen, dass juristen es nicht hinkriegen würden, zb jene zu besteuern, deren immobilien-vermögen:
a.) über 1 mio. liegt
und
b.) in den letzten jahren ums zumindest 3-fache angewachsen ist.

alles eine frage der gesetze, eine frage zu gerechtigkeit und eine frage zum willen dazu: kommen die 3 aus dem finanzministerium und wenn nicht: wen wundert's, würden dann doch auch etliche vp-mitglieder und -anhänger zur kasse gebeten.

bully bullson
02
15.12.2011, 13:13
....vieles vom populistisch Gesagten klingt super...

...der Teufel steckt aber immer im Detail.....

(...aber bei den KronenzeitungsleserInnen, wird der ausgereifte Vorschlag vom Herrn Kanzler sicherlich einige Wählerstimmen - Prozentpunkte bringen.....:-)

Zaphod Beeblebrox III
10
15.12.2011, 13:01
Das geht nur...

.... wenn es auch einen Einkaufs- und einen Verkaufspreis gibt.

Wenn das Grundstück aber nicht verkauft wird, gibts auch keine Steuer...

obibiber
20
15.12.2011, 13:52

wieso sollte das nicht gehen?
sie können immobilien schätzen, das passiert täglich. dann haben sie für alle eine jährliche versteuerung ab einem gewissen vermögen, am besten hochgerechnet am vergleich zum durchschnittsmenschen. es ist nicht einzusehen, wieso manche menschen um das 2000-fache mehr haben als durchschnittsleute. unverantwortliches mensch-sein.

Zaphod Beeblebrox III
02
15.12.2011, 15:25
Doch. Das ist normal...

Wer fleissig ist und geschickt, hat mehr.
Wer dumm ist und noch dazu faul, hat weniger.

Zumindest gilt das so bei uns.

Jeder Versuch, die Eigentumsverhältnisse radikal zu ändern, hat noch mit Massenmord und -elend geendet...

Und: die grössten Ungerechtigkeiten findet man in den früher kommunistischen Ländern, wo alles allen gehörte, und zwar solange, bis zuerst der Staat bankrott und dann alles nur noch ganz wenigen gehörte. Und so bliebs bis heute...

Da sind mir die paar Reichen hiezulande noch lieber, denn von den Wlaschek, Mateschitz und Haselsteiner etc. hat keiner das Geld gestohlen, sondern durch Unternehmergeist redlich erworben.

obibiber
20
15.12.2011, 19:54

wann hatten jene, die fleissig und geschickt waren, mehr als andre? in der regel haben sie mehr als andre, wenn sie die sozialen voraussetzungen besser als andre haben...
wo leben sie, mensch?

Henry44
00
16.12.2011, 21:32
Es gibt viele Beispiele von Menschen

die aus einfachen Verhältnissen stammen und durch Fleiß und Tüchtigkeit und sicher auch Glück zu Wohlstand gekommen sind.

Dass es leichter ist, erfolgreich zu werden, wenn die Unterstützung aus dem Elternhaus gut ist, ändert nichts am Gesagten.

Schon Kreisky hat gesagt; "Was macht der Dumme mit dem Glück?"

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 428
1 2 3 4 5 6 7 8 9 10

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.