Zweiter Prozess

Causa Bawag zwei stand auf Messers Schneide

Renate Graber , 14. Dezember 2011, 17:59
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    Bawag-Investor Wolfgang Flöttl wäre beinahe ohne weiteres Verfahren davongekommen. 2012 wird er mit sechs weiteren Ex-Bawag-Akteuren erneut vor dem Richter stehen.

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Die zuständige Staatsanwältin wollte die Causa Bawag weitgehend einstellen, die Oberstaatsanwaltschaft hat das verhindert. Nun gibt es sieben Anklagen

Die zuständige Staatsanwältin wollte die Causa Bawag weitgehend einstellen, die Oberstaatsanwaltschaft hat das verhindert. Nun gibt es sieben Anklagen - und weitere offene Bawag-Ermittlungen wie Refco und Stiefelkönig.

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Wien - Geht ausnahmsweise alles nach Plan der Justiz, so gibt es im kommenden Frühling die Neuauflage des Bawag-Prozesses. Sieben Angeklagte werden vor Strafrichter Christian Böhm stehen bzw. sitzen; alle Verurteilten aus dem ersten Verfahren, bis auf die Ex-Bankchefs Helmut Elsner und Johann Zwettler.

Wäre es nach den Plänen der mit der Causa Bawag betrauten Staatsanwältin gegangen, gäbe es dieses Verfahren allerdings nicht. Sie wollte die Causa "weitgehend einstellen", wie dem Standard aus Ministeriumskreisen bestätigt wurde. Wäre es tatsächlich so gekommen, hätte die Staatsanwaltschaft Wien die Anklagen etwa gegen die sogenannten "kleinen Vorstände" (Christian Büttner, Hubert Kreuch und Josef Schwarzecker), aber auch gegen den Spekulanten Wolfgang Flöttl zurückgelegt. So sah es der Vorhabensbericht der Staatsanwaltschaft Wien, der via Oberstaatsanwaltschaft Wien ans Justizministerium geht, jedenfalls vor.

Die Oberstaatsanwaltschaft hat die Rechtsansichten der Anklägerin aber offenbar nicht geteilt. Sie dürfte den Vorhabensbericht kräftig überarbeitet und dann erst ans Justizministerium unter Beatrix Karl weitergeleitet haben. Selbiges hat diesem Vorhabensbericht mitsamt den sieben Anklagen seinen Sanktus erteilt, bestätigen Juristen aus dem Ministerium.

Notwendig ist der zweite Bawag-Prozess, weil der Oberste Gerichtshof (OGH) wesentliche Teile des Ersturteils, das aus der Feder der nachmaligen Justizministerin Claudia Bandion-Ortner stammt, gekippt hat. Die Formalkritik kurz zusammengefasst: Das Urteil widerspreche sich in wichtigen Punkten selbst, zudem führten falsche Rechtsansichten zu sogenannten Feststellungsmängeln. Wie man es profan ausdrücken könnte: Das erste Verfahren wurde zwar nicht schlecht geführt, und die dabei erhobenen Beweise passen - aber das Urteil war schlecht geschrieben.

Die Meinung der Oberstaatsanwaltschaft Wien dazu, so ein Sprecher: "Das Ersturteil hat zwar formale Mängel, aber die Beweissituation ist klar. Wir konzentrieren und straffen das Verfahren, um Schuldsprüche im Sinne der Anklage zu bekommen." Und: Man hoffe, dass der zweite Prozess nicht so lange dauern wird wie der erste (ein Jahr; Anm.).

Offene Bawag-Verfahren

Was die Straffung betrifft, wird sich Bawag II um vier Punkte drehen: die Investments der damaligen Gewerkschaftsbank in Hapenny (250 Mio. Dollar für Flöttls Yen-Deals), Ophelia I (Betriebsmittelkredit; 80 Mio. Dollar), Capper (20 Mio. Euro; damit wurde Flöttls Jet finanziert, den zuvor die Meinl-Bank kreditiert hatte) und die Unibonds (rund 400 Mio. Euro). All das Geld floss an Flöttl-Gesellschaften; er wollte damit Verluste ausbessern - was allerdings nicht gelungen ist, wie die Geschichte beweisen sollte.

Inwieweit die neuerlich Angeklagten in diese Kreditvergaben involviert waren und sich allenfalls strafbar gemacht haben (sie weisen die Vorwürfe zurück, und es gilt die Unschuldsvermutung), das soll sich in Bawag II herausstellen. Neben den "kleinen Vorständen" ist auch Ex-Bawag-Aufsichtsratschef und Ex-ÖGB-Finanzchef Günter Weninger angeklagt. Ihm werden zudem, wie auch Wirtschaftsprüfer Robert Reiter, Bilanzdelikte vorgeworfen. Auch Peter Nakowitz, der als Handlanger Elsners galt, muss sich für Capper und Unibonds verantworten. Grund für die Nichtverfolgung Elsners (Höchststrafe von zehn Jahren; haftuntauglich) und Zwettlers (fünf Jahre; haftuntauglich): Beide würden im Fall weiterer Verurteilungen keine Zusatzstrafe bekommen.

Offene Bawag-Causen gibt es aber auch noch abseits von Bawag II. Erinnert sei an die Ermittlungen zum Bawag-Blitzkredit an Refco (350 Mio. Euro) im Oktober 2005 oder an Stiefelkönig. Dabei geht es um 100 Mio. Euro und Hypothekennachlässe, die die Bank bei ihrem Einstieg ins Schuhhaus 2003 den Ex-Eignern gewährt hatte. Beide Causen liegen bei der Staatsanwaltschaft; ein Stiefelkönig-Gutachten steht noch aus. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2011)

Kommentar posten
14 Postings
OGHaha
00
14.2.2012, 21:15
Da wird wieder gepostet, als wäre das eine "gmahte Wiesn".

Warten wir mal in Ruhe ab, ob CBO und diese Staatsanwältin nicht doch klüger wären...

Wobei ich aber sicherheitshalber auch für ein nochmaliges Verfahren bin.

till claudius
00
15.12.2011, 13:01
zum Stiefelkönig

Natürlich erhebt sich die Frage, ob nicht Elsner seinem alten Freund aus Grazer Zeiten Manfred Herzl sen. noch und noch Geld zugesteckt hat - offiziell für den Ausbau des Unternehmens, Kauf von Delka etc. - und die Herzl´s mit Elsner´s Wohlwollen das ganze Geld aus dem Unternehmen gezogen und flugs in die neu gegründete Herzlstiftung eingebracht haben, damit sie ihren Rubel im Trockenen haben.
Und den logischerweise zwingenden Konkurs hat die Bawag durch Übernahme verhindert.
Vielleicht sollte seitens eines Gutachters oder der Staatsanwaltschaft nachgeforscht werden, woher das Geld für die Stiftung gestammt hat. Und könnte da nicht für den einen oder anderen eine strafbare Tat vorliegen? Und das Geld ist ja auch noch da.

werthers leiden
00
15.12.2011, 10:39
Mehr solcher StaatsanwältInnen braucht das Land

Damit das Vertrauen in die Justiz wieder her gestellt wird... /* Ironie off (ist leider nötig, sonst nehmen das wieder einige ernst...)

sleepyc
00
15.12.2011, 09:46
wird dann endlich auch mal die kohle gesucht?`

oder muss der feine herr bankdirektorssohn wieder nicht glaubhaft machen, wo die marie tatsächlich geblieben ist?

Marlon62
00
15.12.2011, 08:34
Die zuständige Staatsanwältin wollte die Causa Bawag weitgehend einstellen,

Die hatte sich wohl einen Posten im Justizministerium erhofft.

regen bringt segen
00
15.12.2011, 08:31
und was ist mit dem floettl???

"das ganze geld ist durch spekulationen restlos verloren gegangen aber leider ist der pc auf dem alle beweise fuer diese behauptung drauf waren leider abgestuerzt und alle daten sind weg."

J. R.
00
15.12.2011, 11:08

Es ist doch überhaupt nicht vorstellbar dass bei Geschäften dieser Größenordnung nur ein Beleg existiert. Und dieser eine ist digital und mit der kaputten Festplatte vernichtet.
So eine Chuzpe muss man sich einmal ausdenken. Damit kommen Sie nicht einmal als Ich AG beim Finanzamt durch.

till claudius
00
15.12.2011, 13:05
wo ist das Geld?

Ja, aber diese Chuzpe hat auch nur die Frau Bandion-Ortner glauben wollen, die sich halt die Arbeit mit der Geldsuche nicht antun wollte. Und ein ehrenwertes Mitglied des Eiserhowerclans wird man doch wohl mit Samthandschuhen anfassen dürfen.

das ende ist nah
00
15.12.2011, 09:28

ja, weil da die verbindung zum grasser drauf war....
was ist mit den anderen gestohlenen, verschwundenen akten?

solodiver
01
14.12.2011, 22:20

Und Herrn Friedrich Verzetnitsch, der noch schnell mal 800.000 absahnen wollte, wird nichts zur Last gelegt?

Walter Kaiser.
11
14.12.2011, 22:39
Wo/Wie/Wann wollte er das?

solodiver
21
14.12.2011, 23:01

In Form von Geltendmachung von Abfertigungsansprüchen nach seiner Entlassung.
Quellennachweis findest selber en masse...

(vielleicht warens auch "nur" 700 tsnd, aber eher deren 800)

Walter Kaiser.
03
14.12.2011, 23:20
Aha, ich dachte schon, sie erwarten wegen des Kampfes um die Abfertigung eine Anklage.

Das ist ja wohl legitim.

Was er sonst Verbotenes gemacht haben sollte, ausser eben den AR nicht von der Übernahme der Bürgschaft zu informieren (und da läuft auch eine Schadenersatzklage), würd mich interessieren.

Comedian
02
14.12.2011, 21:05
Hmm? Wird da die Staatsanwältin ausgewechselt?

Oder erleben wir für viel Steuergeld eine lustlose Anklagevertretung?

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