Milliardär Oleg Deripaska gerät in die Isolation: Mit Wladimir Potanin kämpft er seit Jahren um Norilsk Nickel. Nun folgt der Aufstand in den eigenen Reihen
Milliardär Oleg Deripaska gerät in die Isolation: Mit Wladimir Potanin kämpft er seit Jahren um Norilsk Nickel. Nun folgt der Aufstand in den eigenen Reihen. Deripaskas Rusal-Partner Viktor Wekselberg wendet sich ab.
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Moskau - "Mein Image ist so blütenrein wie ein weißes Blatt Paper", sagt Oleg Deripaska und das, obwohl US-Behörden ihm wegen mutmaßlicher Mafiakontakte jahrelang die Einreise verboten haben und er als Aluminiumzar in einer Branche in den 90er-Jahren den Aufstieg schaffte, die selbst für russische Verhältnisse als extrem blutig gilt. "Alle drei Tage wurde da jemand erschossen", gab Roman Abramowitsch, Deripaskas Ex-Partner, gerade vor Gericht in London zu Protokoll.
Nun könnte Deripaskas Image Schaden nehmen: Viktor Wekselberg, sein Junior-Partner beim Alu-Giganten Rusal, will ihn verklagen. Auslöser ist ein lukrativer Exportvertrag, den Rusal mit dem Schweizer Rohstoffhändler Glencore ohne Ausschreibung abgeschlossen hat. Der Vertrag räumt Glencore quasi ein Exportmonopol für Rusals Aluminium ein.
Wekselberg hat gegen den Vertrag ein Veto eingelegt, das Deripaska ignoriert. "Der Einzige, der bei Rusal etwas zu sagen hat, ist Deripaska", kommentiert Alfabank-Chefanalyst Peter Szopo die Situation. Wekselberg will die Sache vor Gericht klären, denn die Vorgehensweise Deripaskas verstößt klar gegen die Aktionärsvereinbarung der beiden.
Laut Investcafe-Analyst Pawel Jemeljanow geht der Streit weit über den Einzelfall hinaus. Wekselberg habe es satt, dass die Meinungen der Minderheitsaktionäre (neben ihm gehört dem neuen Präsidentschaftskandidaten Michail Prochorow ein größeres Paket) bei Rusal konsequent ignoriert würden, glaubt er. Speziell im Fall Norilsk Nickel sind die beiden seit langem dafür, das Rusal-Paket abzustoßen. Doch um ihre Meinung schert sich Deripaska wenig.
Imageschaden allerorten
Die angekündigte Klage könnte ein schlechtes Licht auf Deripaska werfen, der in Österreich unter anderem Hotelbesitzer und Aktionär beim Baukonzern Strabag ist. Immerhin versucht sich der Milliardär seit Monaten in einem Gerichtsstreit als entrechteter Minderheitsaktionär zu präsentieren. Ob in der Karibik, den USA oder im heimischen Russland: Dutzende Verfahren hat Deripaska schon angestrengt, um zu beweisen, dass er betrogen worden sei. Bisher hat er alle Verfahren verloren.
Der neueste Coup spielt in der Schweiz, wo Deripaska Klage gegen seinen Kontrahenten bei Norilsk Nickel, Wladimir Potanin, eingereicht hat und der Hyposwiss, einer Tochterbank der staatlichen St. Gallner Kantonalbank, mit einer Klage droht. Potanin soll mithilfe der Hyposwiss eine Milliarde Dollar über Scheinfirmen wie etwa Delmonico und Crelios gewaschen haben. Und bei der anschließenden Auflösung der Firmen sollen anfallende Liquidationserlöse und die Verrechnungssteuer nicht bezahlt worden sein.
Laut einem Rechtsgutachten, das Deripaska in der Schweiz in Auftrag gegeben hat, sprechen "Indizien dafür, dass Delmonico und Crelios für die direkten Steuern des Bundes und des Kantons Zürich unbeschränkt steuerpflichtig waren". Im Falle einer nichtbezahlten Verrechnungssteuer könnte das Steuerforderungen nach sich ziehen. Ein Sprecher Deripaskas spricht von etwa 350 Millionen Franken.
Die Bundesanwaltschaft hat die Klage Deripaskas abgelehnt, der Oligarch hat Beschwerde beim Bundesstrafgericht eingelegt. "Wir haben niemals Geld gewaschen, die Vorwürfe sind lächerlich", erklärte die Vize-Generaldirektorin von Potanins Investmentholding Interros, Marianna Sacharowa. Sie sieht eine Schmutzkampagne Deripaskas, um Norilsk Nickel zu schädigen. "Unser Image ist Teil unseres Kapitals. Die ständigen Beschuldigungen sollen dieses Image schädigen", sagte Sacharowa.
Deripaska reagiert mit neuen Vorwürfen. In einer nachgereichten Eingabe behauptet er, Potanin habe im September dieses Jahres 790 Mio. US-Dollar von der Hyposwiss abgezogen. Das Geld soll an die russische Rosbank gegangen sein, an der Potanin eine Minderheitsbeteiligung halten soll.
Auf die Hyposwiss fällt nicht zum ersten Mal ein schiefes Licht. Das Institut war laut Schweizer Medienberichten beim Verstecken von Geldern der L'Oréal-Milliardärin Liliane Bettencourt und des argentinischen Fifa-Vizepräsidenten Juan Grondona behilflich. Im Zentrum steht laut Deripaska der frühere Verwaltungsrat der Bank, Hans Bodmer. Er wurde kürzlich freigestellt. (ab, as, nik, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2011)