Landeshauptmann Pröll

"Ich mische mich schon ein"

Interview | 14. Dezember 2011, 18:44
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    foto: der standard/corn

    Landeshauptmann Erwin Pröll (VP) sagt, in Niederösterreich werde man sich Einsparoptionen durch Gemeindekooperationen ansehen. Zusammenlegungen schließt er aus.

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    "Wenn derzeit etwas fehlt in der Republik sind es Autoritäten, denen man vertraut."

Erwin Pröll meint, die Schuldenbremse allein werde zur Bewältigung der Krise nicht reichen. Er fordert eine Reform des Bundesrats, der derzeit zahnlos sei

Standard: Der Kabarettist Roland Düringer hat mit seiner Wutbürgerrede im ORF für Aufsehen gesorgt. Er sprach von Systemtrotteln, die es satthätten, im Hamsterrad zu laufen. Verstehen Sie das?

Pröll: Ich weiß nicht, wovon Herr Düringer das ableitet. Es gibt andere Kulturschaffende, etwa den Schriftsteller Robert Menasse, der die Situation von Brüssel aus sehr intensiv analysiert hat und zu einem anderen Schluss kommt. Ich halte es für wichtig, die Demokratie weiterzuentwickeln und nicht grundsätzlich das System infrage zu stellen.

Standard: Der Aufschrei kommt daher, dass viele Leute unzufrieden sind mit der Politik. Können Sie das nachvollziehen?

Pröll: Das mag sein. Ich würde davor warnen, dass man sich damit begnügt, die Politik generell schlechtzureden.

Standard: Düringer kritisiert zum Beispiel Mutlosigkeit in der Politik.

Pröll: Dass irgendwo im gesamten politischen Gefüge der Republik oder auf europäischer Ebene Mutlose dabei sind, möchte ich nicht abstreiten. Aber mit denen setze ich mich nicht auseinander. Ich persönlich bin nicht mutlos.

Standard: Wie ist es um den Mut der Bundesregierung bestellt?

Pröll: Es gab schon Phasen, wo ich mehr Mut erwartet hätte. Jetzt fordere ich aber einen nationalen Zusammenschluss ein. Es geht um Österreichs Bonität und Ansehen. Die Situation wäre auch eine Chance für die Opposition.

Standard: Es sieht danach aus, dass die Grünen einer Schuldenbremse zustimmen könnten, womöglich im Tausch gegen eine Vermögenszuwachssteuer. Halten Sie das für einen gangbaren Weg?

Pröll: Ich will nicht eingreifen, aber: In dieser Phase kann es keinen Basar geben. Die Opposition ergeht sich über weite Strecken in Populismus, weil sie nichts verantworten muss. Jetzt ist aber der Zeitpunkt, wo sie mitverantworten muss.

Standard: Ist es politisch nicht nachvollziehbar, dass man Forderungen abtauscht?

Pröll: Glauben Sie, man kann in der jetzigen Situation in der Republik erpresserisch handeln? Natürlich kann man die Latte zu hoch legen. Das gilt für Regierungsparteien genauso wie für Oppositionsparteien. Wenn derzeit etwas fehlt in der Republik, sind es Autoritäten, denen man vertraut, die einen vernünftigen Mediator abgäben. Es gäbe Staatsfunktionen, die solche Autoritäten erfordern. Schade, dass diese nicht ausgespielt werden.

Standard: Wer könnte das sein?

Pröll: Ich nenne keine Namen.

Standard: Meinen Sie den Bundespräsidenten?

Pröll: Ich nenne bewusst keine Namen und auch keine Funktionen.

Standard: Sie sagten, Sie wollen sich nicht einmischen, aber ...

Pröll: Ich mische mich schon ein! Wenn's notwendig ist. Wenn ich mich einmal politisch nicht mehr einmischen will, muss ich meine Funktion überdenken.

Standard: Sie haben sich mit der Idee für höhere Steuern - zeitlich befristet - für Besserverdiener eingebracht. Sehen Sie da Bewegung?

Pröll: Es geht um eine vernünftige Sachpolitik, die soziale Spannungen hintanhält. Im Sinne einer vernünftigen Lastenverteilung ist es sinnvoll, ernsthaft einen Solidarbeitrag von Superverdienern auf bestimmte Zeit zu erwägen.

Standard: Wer ist Superverdiener?

Pröll: Das muss man sich überlegen und ausrechnen. Es geht darum, dass Bewegung in die Diskussion kommt und man das in ein Gesamtbudgetpaket von Einnahmen und Ausgaben einbezieht.

Standard: Was muss das Paket beinhalten?

Pröll: Ich habe nicht die Aufgabe der Finanzministerin zu machen.

Standard: Ohne neue Steuern wird es aber nicht gehen, oder?

Pröll: Wenn nur mehr über neue Steuern diskutiert wird, lässt der Druck auf die Sparsamkeit nach. Zuerst muss die Schuldenbremse zum Tragen kommen, und dann muss man sich den Kopf zerbrechen, ob's genügt. Wenn Sie mich fragen: wahrscheinlich nicht.

Standard: Wo kann man ausgabenseitig bei den Ländern sparen? Es gibt Vorschläge betreffend die Bezirkshauptmannschaften oder Landtage bis zum Bundesrat.

Pröll: In Niederösterreich kommen auf einen Landtagsabgeordneten 29.000 Einwohner, im Burgenland 7800. Wir sind im Hinblick auf den Landtag am sparsamsten, bei den Beamten ist es ähnlich. Der Punkt ist aber: Wo ist der Schnittpunkt zwischen Verwaltung und Bürgerservice? Wenn die Parlamentspräsidentin die Abschaffung von Bezirkshauptmannschaften verlangt, muss man die Frage stellen, wo sie lebt. Ein anderes Beispiel: Auf Landesebene werden wir uns mit überkommunalen Zusammenarbeitsmodellen befassen. Da kann man viel Geld sparen, etwa bei Fotovoltaik, der gemeinsamen Nutzung der Personalverrechnung oder der Bauhöfe.

Standard: Aber "echte" Gemeindezusammenlegungen wird es in Niederösterreich nicht geben?

Pröll: So ist es. Die gab es bereits in den 70ern und 80ern - nämlich von 1160 auf 573 Gemeinden. Wir wollen weitere Spareffekte lukrieren, ohne eine gewachsene Struktur in der Kommunalentwicklung über Bord zu werfen.

Standard: Weil Sie von Service gesprochen haben: Wie profitieren die Bürger vom Bundesrat?

Pröll: Da bin ich bei Ihnen. Die politische Effizienz des Bundesrates muss aufgewertet werden. Da gibt es verschiedene Ansätze - die Landeshauptleute einzugliedern, den Bundesrat mit Landtagsabgeordneten zu beschicken; es gibt die Frage der Größe des Bundesrats. Ich bin hier für alles offen, aber jeder bisher unternommene Anlauf wurde erstickt.

Standard: Sie könnten sich also vorstellen, dass Landtagsabgeordnete das statt eigenen Bundesräten zusätzlich machen?

Pröll: Ich kann mir viel vorstellen. Ziel muss sein, dass der Bundesrat wieder Zähne bekommt. Die Einspruchsoption jetzt ist nett, aber ohne rechtliche Konsequenz.

Standard: Abschließend: Beim Weihnachtsmarkt im alten Landhaus in Wien sagten Sie, die Menschen sollen die Weihnachtszeit nutzen, um nachzudenken und Dinge zu korrigieren. Worüber werden Sie nachdenken?

Pröll: Über mich. Und Gott und die Welt.

Standard: Und was wollen Sie korrigieren?

Pröll: Das bleibt mein Geheimnis. (Andrea Heigl, Gudrun Springer, DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2011)

ERWIN PRÖLL (64) ist seit 1992 Landeshauptmann (VP) von Niederösterreich

Kommentar posten
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hefalump
00
26.12.2011, 16:52
idiot

... mehr fällt mir dazu nicht ein.

hcl3
00
22.12.2011, 23:06
konzept pröll

mei genpool
mei genpool und mei partei
mei partei
mei partei und mei genpool
mei genpool
mei
ja mei
mei land
mei land und meine leit
meine leit und i
ja i
ohne mi
mei
des gang gar net
weil
was wa
denn mei land
ohne mir
vaterlos
verlorn
gottbewahr
gut
gut
gut das es mi gibt

hcl3
00
22.12.2011, 23:00
prööll

mstislav raskachlovitsch
00
20.12.2011, 14:45
jawohl, Msr. Buntspecht......

hubsi55
 
02
19.12.2011, 20:03
bin sofoert bereit auch meinen teil beizutragen,wenn

ALLE politiker der anzahl nach halbiert werden
ALLE politiker privilegien gestrichen werden
ALLE politikergehälter mit pensionen um 20% gekürzt werden
ALLE krankenkassen zusammengelegt werden
ALLE pensionsversicherungen zusammengelegt werden
ALLE öffentl.subventionen (wurst an wen!!) um 20% gekürzt werden
DIE ANZAHL der gemeinden - auch in NÖ -Herr pröll - halbiert werden -
ja dann , brauchen wir dann eigentlich noch ein sparpaket ????
ob das diese beiden gaukler kappieren ??

erxxich
00
22.12.2011, 23:26
Volle Zustimmung !!!!!

aiuto
03
19.12.2011, 18:47
das hat uns noch gfehlt,

dass der Glatzkopferte sich einmischen will....
hat seine Finger eh shcon fast überall drinnen.

Österreichische Verbrecher Partei !
04
16.12.2011, 10:53
Reform ? Fünf Millionen Österreicher nutzen laut Statistik Austria das Internet.

Das bedeutet, dass JEDER Österreicher Zugang zum Internet hat.

Und jeder Standard poster muss sich nur selber fragen:

Wann war ich das letzte Mal
1) auf einer Bezirkshauptmannschaft
2) am Magistrat
3) in der Landesregierung

Die Bürgerkard hol ich mir am Finanzamt gratis !!!

Und somit sind alle Behördenwege via Internet möglich

Reisepaß usw. wird zugeschickt !!!

Wir geben Milliarden für NICHTS aus.

Wir rverhalten uns so, als ob Saudi Arabien in der Wüste eine ordentliche Schneeräumung organisieren und bezahlen würde.

Wir brauchens nicht, aber weils halt seit 1850 da ist lass mas auch so!

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
01
16.12.2011, 15:19

Ja! Bzw. den Bundesrat als eigener Ort in Wien braucht keiner mehr. Sollen die Bundesländer doch ihre Meinungen elektronisch übermitteln und der Bundesrat wäre dann "virtuell".

Andy Vanek
03
16.12.2011, 10:07
unglaubliche Arroganz

In Richtung Opposition: "Glauben Sie, man kann in der jetzigen Situation in der Republik erpresserisch handeln?"
Aber zu fordern, die Opposition muß die Regierungsvorgaben ohne wenn und aber mittragen, sonst gefährdet sie Staatsinteressen, das ist keine Erpressung, gelle?
Die Kunst der Politik besteht eben darin, auch die Interessen anderer Gruppen zu berücksichtigen.... in NÖ natürlich nicht!

"Es gäbe Staatsfunktionen, die solche Autoritäten erfordern. Schade, dass diese nicht ausgespielt werden."
Standard: Wer könnte das sein?

"Na iiiich wäre doch ein viieel besserer Bundespräsident gewesen!"
Warum hast Du dann nicht kandidiert, Supererwin?!?!

"Ich werde über mich, also Gott und die Welt nachdenken."
Dankesehrvielmals....

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
01
16.12.2011, 08:46

Unter eine Bedingung könnte ich mir einen aufgewerteten Bundesrat vorstellen: Landtage abschaffen! Ansonsten Bundesrat abschaffen. Egal wie, beide Ebenen sind eine zuvie.

erxxich
00
22.12.2011, 23:28
100% Zustimmung !!!

Österreichische Verbrecher Partei !
02
16.12.2011, 11:08
volle Zustimmung

Tatsache ist aber, dass wir BEIDES nicht brauchen.

Wie läuft bei uns Demokratie ab?

Jeweis der Parteichef gibt vor, wie abzustimmen ist, und aller andern heben in Lemming Manier die Hand.

Dafür bekomms zig tausende euro überwiesen

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
16.12.2011, 15:18

Ja, ist im Parlament auch nicht anders. Ist aber trotzdem wichtig das formal die Macht auf mehrere Personen 183 fürs parlament verteilt ist. Somit werden ganz idiotische Ideen verhindert. Wenn das Parlement sagen wir aus 9 Personen oder wie sie meinten gleich nur 5 - die Parteichefs bestehen würden. Dann kommen die doch glatt 3 davon auf die Idee, übernacht die Demokratie mit einem Beschluss abzuschaffen.

Auch wenns sonst nur auf Befehl die Hand heben, wenn der Parteichef alzu krasse Dingen einfallen würden, würden von den 183 doch nicht 92 mitmachen. Bzw. der Aufwand ist wesentlich größer hinter der Bühne 92 Personen für einen Demokratieputsch zu gewinnen statt 5.

Bioberni31
00
16.12.2011, 06:37
Zu Beginn war ich überrascht

weil das klang für mich so als wolle Pröll den Bundesrat abschaffen, was eine sehr interessante Haltung für einen LH wäre...in Wirklichkeit denkt er wohl doch eher noch mehr Einspruchsmöglichkeit durch den Bundesrat zu bekommen. Und er hat Recht. Könnt ja sein das künftige LH nicht solche Alphatiere sind wie er und dann erlaubt sich die Bundesregierung im Wasserkopf Wien (immerhin unendliche 50 km von ihm entfernt) über die Länder drüberzufahren....wehret die Anfänge...

Animation
 
00
16.12.2011, 00:01
ich bin auch für eine reform des bundesrates

ABSCHAFFEN

kostet nur geld und ist genauso sinnfrei wie der EU-Rat.

nur ein instrument um aus einer repräsentativen demokratie eine parteien oligarchie zu machen

supermike
00
15.12.2011, 20:12
Erwin Pröll meint, die Schuldenbremse allein werde zur Bewältigung der Krise nicht reichen - und da hat er Recht. Komisch nur, dass andere Länder keine Schuldenbremse brauchen.

Österreich hat deutlich zu hohe Staatsausgaben von 52,5% des BIP (2010) die von Jahr zu Jahr steigen obwohl gleichzeitig auch der BIP kräftig angestiegen ist.

>>>Österreich<<<

BIP 2010: 284 Mrd
Staatsausgaben 2010: 149 Mrd €
Staatsausgaben in % BIP: 52,5%

>>>Vergleicht man mit der Schweiz<<<

BIP 2010: 395 Mrd
Staatsausgaben 2010: 127 Mrd €
Staatsausgaben in % BIP: 32,2%

Und die Schweiz ist weder ein 3 Welt Land und muss sogar als Nicht EU Land und nicht Euro Land mit vielen Wettbewerbsnachteilen kämpfen.
Trotzdem schaffen die es mit deutlich weniger Staatsausgaben auszukommen und die Staatsverschuldung liegt mit 38 % auch sehr niedrig.
Würden wir unsere Staatsausgaben in % BIP auf schweizer Niveau bringen = 57 Mrd / Jahr Ersparniss !!!

Sie haben Ideologie? Wir dagegen feste Überzeugung!
00
16.12.2011, 08:43

Ich hasse immer diese Schweiz vergleiche. Die Schweiz hat unheimlich viel Geld, das ist historisch gewachsen, denn sie spielen die Bank für die ganze Welt und das lässt isch nicht kopieren. Pikant ist noch dass ein Gutteil davon auch Nazigeld das sie nicht den Überlebenden Juden zurückzahlen wollen, denn der Anleger kam nicht mehr...

hetscha
00
15.12.2011, 19:59
Bezeichnend dass der Standard

ausgerechnet einen Erwin Pröll zu den Themen Schulden und Demokratie befragt. Der Mann versteht wirklich viel von Schulden und Demokratie á lá noir.
Die ständigen NÖ-Rülpser sind wahrlich verzichtbar!

Die Wanze auf der Pflanze im Ministerbüro
02
15.12.2011, 19:53
Ein Bundesrat mit mehr Durchsetzungskraft ist eine Effizienzbremse. Österreich mit 8M E gebärdet sich in puncto Föderalismus als wäre es Indien.

erxxich
01
22.12.2011, 23:31
Ist Futtertrog der rotschwarzen Klientelparteien !!!

Simplicius Simplicissimus
01
15.12.2011, 19:43
Treten Sie ...

... ab. Die Pension wir wohl reichen, Herr Doppelstudent.

rapunzels frisör
00
15.12.2011, 19:34
Die 2 Meerschweinchen

neben Prölls Glatze tun mir leid!

santiago nasar
00
15.12.2011, 18:50
schmafu-

interview, von beiden seiten. schad um den platz.

Fritz Meyer
00
15.12.2011, 17:54
Ja, der Bundesrat sollte nicht zahnlos sein.

Sondern endlich abgeschafft werden.

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