Schwindel-Soja

Österreichs Bio-Bauern fordern strengere EU-Regelung

Bericht | Roman David-Freihsl, 14. Dezember 2011, 17:41
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    foto: dpa/patrick seeger

    Sojabohnenschoten: Auch nach Österreich soll falsches Bio-Soja geliefert worden sein

Massiver Bioschwindel in Italien: Bio-Austria-Verband fordert lückenlose Kontrolllinie

Wien/Rom - Im Wiener Gesundheitsministerium warten die Behörden immer noch auf Nachricht aus Italien: "Wir haben bisher keine detaillierten Lieferlisten", berichtet Fabian Fußeis, Sprecher von Minister Alois Stöger auch am Mittwoch. Damit ist immer noch unklar, wohin die "mehrere Hundert Tonnen" Soja sowie ein wenig Raps, die in Italien als "Bio" -Produkte gefälscht wurden, nach Österreich geliefert wurden. Zwei "weiterverarbeitende Betriebe" sollen die Adressaten gewesen sein. Die Waren sollen nach derzeitigem Erkenntnisstand nicht gesundheitsschädlich sein.

"Wir sind uns sicher, dass in den letzten Jahren kein Soja von den verdächtigten italienischen Betrieben an einen unserer Partnerbetriebe geliefert wurde" , betont hingegen Rudi Vierbauch, Obmann des heimischen Bio-Austria-Verbands, dem rund zwei Drittel aller österreichischer Biobauern angehören.

Denn die Bio-Austria-Bauern hätten sich in Selbstverpflichtung mehrfach gegen derartige Praktiken abgesichert, wie Vierbauch im Standard-Gespräch erläutert. "Unseren Landwirten waren die entsprechenden EU-Verordnungen noch zu wenig."

So sei es nach EU-Recht beispielsweise möglich, dass ein einzelner Landwirt nur einen Teil seiner Flächen biologisch bewirtschaftet und den Rest konventionell. "Das akzeptieren unsere Betriebe nicht."

Strenge Demeter-Richtlinien

Gleiches gilt etwa auch für Demeter-Bauern, die ebenfalls strengeren Richtlinien als jenen der EU folgen. Auch Demeter-Betriebe müssen komplett umgestellt sein - und zwar auf biologisch-dynamische Wirtschaftsweise. Hier ist überdies nicht nur 100 Prozent Biofutter Pflicht: Mindestens 80 Prozent der Futterration für die Wiederkäuer und mindestens 50 Prozent des gesamten Tierfutters müssen Demeter-Qualität haben. 50 Prozent des Futters muss vom eigenen Hof stammen.

Eine Besonderheit der Bio-Austria-Richtlinie ist auch die "Chargenzertifizierung" . Nach EU-Recht reicht es, wenn der Verkäufer, bei dem ein Produkt wie etwa Futtermittel bezogen wird, eine Biozertifizierung vorweisen kann. "Bei unserer Zertifizierung muss der gesamte Chargenbaum bis hin zum Hersteller nachvollziehbar und zertifiziert sein. Die ganze Linie muss den Bio-Austria-Richtlinien entsprechen" , erklärt Vierbauch.

"Unser Qualitätsstandard schreibt die Verwendung Bio- Austria-zertifizierter Futtermittel aus Österreich vor" , ergänzt Daniela Schietz von der Bio-Austria-Qualitätssicherung. "Nur wenn der Bedarf in Österreich nicht gedeckt werden kann, wird unter Auflagen Futtermittel aus dem Ausland zugekauft."

"Eine solche chargenbezogene Zertifizierung ist für ganz Europa notwendig" , fordert nun Vierbauch. "Diese Maßnahme wäre eher imstande, Vorfälle wie nun in Italien zu verhindern. Wenn jemand betrügerisch handelt, kann das kaum je zu 100Prozent verhindert werden. Aber das Kontrollnetz muss so gut sein, dass ein Betrug nicht möglich ist - oder zumindest sehr schnell auffliegen muss."

Die Bio-Austria-Bauern selbst werden "mindestens einmal pro Jahr von privatrechtlichen, staatlich autorisierten Organisationen kontrolliert" , so Vierbauch weiter. "Die Kontrollen werden vorher nicht angemeldet und sind sehr umfangreich." So muss der Bauer etwa Aufzeichnungen über sämtliche zugekaufte Produkte vorlegen können, aus denen Herkunft, Händler und Zertifikate ersichtlich sein müssen. Es werden weiters die Produktionsabläufe begutachtet, die Äcker und die Ställe besichtigt.

Betrug im großen Stil

Jetzt bleibt es abzuwarten, wo die mehreren Hundert Tonnen gefälschtes Biosoja nun tatsächlich in Österreich gelandet sind. Der Großbetrug war in der vergangenen Woche aufgeflogen: Die Polizei beschlagnahmte in Verona 2500 Tonnen falsch deklarierter Lebensmittel, sieben Personen wurden festgenommen. Insgesamt sollen seit 2007 Produkte wie Mehl, Soja, Obst und Trockenfrüchte im Wert von 220 Millionen Euro mit falscher Biokennzeichnung verkauft worden sein. Von den falschen Biolebensmitteln sind wahrscheinlich auch einige Hundert Tonnen nach Deutschland gelangt. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD Printausgabe, 15.12.2011)

Kommentar posten
13 Postings
parapente
00
17.12.2011, 07:57
Ja, ja,

BIO, BIO - ist schon gut, lasst uns damit in Ruhe!

werwolfi
00
15.12.2011, 12:33

Diesen Artikel hätte ich bei der ursprünglichen Meldung zum Skandal als Argumentationshilfe gegen die ganzen “ALLES bio is Schwindel“ -Trolle gebrauchen können... ;o)

kamelchen hat heute kopfweh
33
15.12.2011, 10:56

unsere bauern sind schmarotzer die v. nicht aufgedeckten foerderungen leben wie die maden im speck. also: schnauze halten!

Gilgamesh
00
16.12.2011, 10:04

Schlechte Drogen genommen???

Österreich ist EU weit einer der größten BIO Produzenten.
Es geht hier um die Reputation der österreichischen BIO-Bauern.

Einfach denken VOR dem posten...

Echinacea
00
15.12.2011, 21:06
sie müssen aber auch sagen, welche Bauern sie meinen,

die im Jahr 5-10000 Euros bekommen, werden sie wohl nicht gemeint haben, die anderen, die richten sich, sitzen ja genug in der Politik, bei denen gebe ich ihnen recht - aber die Bauern die für die Bilder mißbraucht werden, die verdienen sehr wenig - in der Pension kann man sich auf 800 Euro einstellen, das wäre genauso, wie wenn ich sie als hoch verdienenten Beamten halte - die uns alle viel kosten

Hubert Hawkins
01
15.12.2011, 11:50

Ihr Kopf täte mir auch weh.

kamelchen ist immer recht brav
10
15.12.2011, 12:23

bist ein milch- und foerderungsgefuetterter pausbaeckiger, nach kuhmist stinkender, bauernbub? gratuliere! du brauchst nix hackeln und lebst saugut von meinen steuergeldern.

Gilgamesh
00
16.12.2011, 10:07

Ohne nach Kuhmist stinkende Bauernbuben, würden kleine ungebildete und unerzogene Schmock wie sie VERHUNGERN!

Echinacea
00
15.12.2011, 21:11
wenn ein stinkender Bauernbub ist, ist man gesund, aber sicher nicht reich -

da müssen sie schon zu den Agrarbetrieben gehen, aber diese Chefs stinken nicht - ich würde sie gerne einmal ein Monat lange einladen, auf einem normalen Bauernhof zu arbeiten, 6 Uhr bis 20 Uhr bei 3 Euro Stundenlohn - im Oktober bekommst dann noch 3 Euro dazu, das sind die Förderungen, denen den Bauern beim EU-Beitritt abgenommen wurde und es immer so, wenn man keine Ahnung hat, sollte man es bleiben lassen - sie kommen mir so wie ein Pfarrer vor, der von Familie predigt - Theorie und Praxis

artista
04
14.12.2011, 23:58
das einzig positive an der sache ist, dass die kontrollen letztendlich doch gegriffen haben. das system funktioniert.

wenn bei rohstoffen derart große preisunterschiede vorhanden sind, ist es nur eine frage der zeit bis sich jemand findet der mittels betrug sich bereichern will.

offensichtlich kommt man anhand der strengen kontrollen damit aber nicht sehr weit.

wem auch immer sei gedankt.

Hubert Hawkins
01
15.12.2011, 11:49
Letztendlich ...

Letztendlich hat die Kontrolle gegriffen. Ja, aber vielleicht könnte man noch daran arbeiten, dass das nicht vier Jahre dauert.

powerpack
13
15.12.2011, 08:55

finde ich auch. bei bio-produkten wird wenigstens aufgedeckt, wenn etwas schiefläuft...eben weil's sehr strenge kontrollen gibt (die niemals 100%ig sein können). bei anderen, konventionellen produkten hingegen kommt sowas fast nie auf - außer ist wird tatsächlich brenzlig und gesundheitsschädlich wie zB die ganzen dioxin-skandale&co.

für mich ist daher bio immer noch das sicherste von allem - wenn man natürlich auch nie 100%ig sicher sein, dass alles bio ist. das kann man wohl nur wenn man alles selber anbaut und verarbeitet.

in einer risikoabwägung für die gesundheit hat allerdings bio bei weitem die besseren karten.

°<°~~
02
14.12.2011, 23:05

Man glaubt es kaum, hat doch die wahnwitzige Zettelwirtschaft mal einen Sinn gehabt. Gratuliere!

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