"Was Sie da anrichten!"

14. Dezember 2011, 18:12
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    foto: der standard/cremer

    FPÖ-Chef Strache sieht nicht mehr ein, warum "sechs gesunde Volkswirtschaften einundzwanzig nichtgesunde durchfüttern sollen" - und will die Währungszone in Starke und Schwache aufteilen.

Weder Schuldenbremse noch Schaumbremse: Die Opposition tobte sich im Parlament wegen der anstehenden Deckelung des Defizits wieder an der Regierung aus

Wien - Kaum etwas angenähert, schon wieder die kalte Schulter: Die halbe Fraktion der Grünen sitzt mit verschränkten Armen und skeptischer Miene da. Die Orangen rufen und zischen ständig dazwischen. Und der blaue Sektor macht bei jeder Gelegenheit auf Hohngelächter.

Mittwochmorgen, Sondersitzung im Parlament zur Schuldenbremse. Erstmals seit Ausbruch der großen Krise vor gut drei Jahren und nach knappen zwei Dutzend Krisengipfeln der Union stellt sich die Regierungsspitze den Abgeordneten, um ihnen zu berichten, was mit Merkel, Sarkozy und Co ausverhandelt wurde.

Nun schreibt Brüssel die Schuldenbremse vor, die der rote Kanzler und sein schwarzer Vize schon längst mithilfe von FPÖ, Grünen oder BZÖ in den Verfassungsrang befördern wollten. Doch nach fehlgeschlagenen, jetzt doch wieder konstruktiven Gesprächen sind an diesem Vormittag die ORF-Kameras dabei - und Werner Faymann und Michael Spindelegger haben ihre liebe Not, bei der gar nicht schaumgebremsten Opposition durchzudringen.

Verbalattacken von der Opposition

Der Kanzler redet mit ernstem Gestus von den Fängen der Finanzmärkte, denen es zu entkommen gelte. Der Vizekanzler verspricht, bei einem ausgeglichenen Haushalt würde man unabhängiger von den Rating-Agenturen. Immer wieder klatschen die eigenen Fraktionen begeisterten Beifall - was Heinz-Christian Strache, Eva Glawischnig und Josef Bucher genau null beeindruckt.

Hört man dem FPÖ-Chef zu, bekommt man fast den Eindruck, Faymann und Spindelegger höchstpersönlich hätten das gesamte Finanzdesaster Europas zu verantworten. Ständig wirft Strache den beiden die sündteuren Rettungsschirme für die maroden Staaten um die Ohren. "Die Österreicher wollen einen Schutz vor Ihnen und was Sie da anrichten!", schreit Strache demonstrativ aufgebracht in den Saal. Er sehe jedenfalls nicht mehr länger ein, "warum sechs gesunde Volkswirtschaften in der Union einundzwanzig nichtgesunde durchfüttern sollen". Und noch etwas: Österreichs Haftungen für Rettungsaktionen würden bald den Kosten von drei Millionen VW Golfs entsprechen! Jeder dritte Österreicher hätte damit schon einen schönen Mittelklassewagen!

Die grüne Obfrau Glawischnig, derzeit aussichtsreichste Kandidatin für die Unterstützung einer Schuldenbremse, wenn sich die Regierung zu einer Vermögenssteuer durchringt, verzichtet zwar auf Untergriffe, macht aber unmissverständlich klar, dass man sich "nicht nur dem Diktat von Merkel und Sarkozy unterwerfen" dürfe. Ihre Sorge: dass Europa kaputtgespart wird. Deswegen hält Glawischnig in Richtung Regierungsbank fest: "Sie können sich nicht sicher sein, dass wir Grünen Ihnen die Mauer machen!"

BZÖ-Chef Josef Bucher wiederum besteht auf seiner selbsterfundenen "Steuerbremse", wenn die Koalition seine Zustimmung für eine Schuldenbremse wolle. Aber auch er schaltet im Hinblick auf die Fernsehübertragung auf besonders stur: "Sie sind planlos, orientierungslos und haben nicht einmal ein Konzept! Wir haben zumindest einen Bucher-Plan!"(Nina Weißensteiner, DER STANDARD; Printausgabe, 15.12.2011)

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snufkin
02
15.12.2011, 15:22
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Bumsti in Teufelspose!

sloatvie
00
15.12.2011, 14:13

Ich will eines nicht verstehen:

Warum setzen sich nicht alle Beteiligten an einen Tisch und suchen nach einer Lösung, die die Beste für Österreich ist? Anstelle dessen wird das Wohl des Staates auf dem Altar der pseudo Parteiinteressen geopfert. Aus meiner Sicht gibt es nun (bis auf eine Partei) Gesprächsangebote der Regierung. Warum muss bereits die erste Parlamentssitzung danach wieder für negativstarke und komplett unkultivierte Wortspenden der Opposition beinhalten?

Labor omnia vincit improbus!

universalia sunt realia
00
15.12.2011, 23:30
Labor omnia vicit...

.../improbus et duris urgens in rebus egestas.

"Mühsal bezwang alles, unersättlich, und die in harten Zeiten bedrängende Bedürftigkeit"

siehe: http://www.latein.ch/live/spri... php?item=4

Truth is a Troll
00
15.12.2011, 17:17

"die die Beste für Österreich ist"

Da sollten sich dann aber bitte nicht die Beteiligten zusammensetzen sondern die die auch ein interesse daran haben irgendwie "das Beste für Österreich" zu machen.

Der Chronist
00
15.12.2011, 14:06
Was für ein erbärmlicher Rettungsversuch, die Grünen besser dastehn zu lassen.

Die Rhethorik der Frau Glawischnig soll von Kritik künden und den Leuten vermitteln, dass man eventuell auch gegen die Verfassungsschande stimmen würde.

Tatsächlich werden die Grünen die Verfassungsschande durchwinken, wenn es dann soweit ist, dass es zur Abstimmung kommt. Man will ja schließlich gut Freund mit den Schwarzen sein.

Da bleibt mir ja 2013 wirklich nur mehr die Notwehr bei der Wahl - wenn mir noch vor einem Jahr jemand gesagt hätte, dass ich mich einmal zwischen BZÖ und KPÖ entscheiden müßte...

Alexander Patjomkin
00
15.12.2011, 13:58
Man soll nicht vergessen,

dass Strache die jetzt eingetretene Entwicklung der EU schon vor Jahren verausgesagt hat.
Statt Ausgrenzung hätte man mit ihm mehr diskutieren müssen. Er hat mehr politischen Spührsinn als manche Parteien insgesamt..

ino
01
15.12.2011, 11:28
unsere regierung will um jeden preis sparen. was sagen leute, die sich auskennen?

Nobelpreisträger Sen:
Viele Länder im Westen scheinen ihr Bestes zu tun, um geradewegs in den Mund einer kräftigen Schlange zu laufen. Hart kritisierte er die übereilten Sparmaßnahmen der Regierungen, die eine „sich beschleunigende Katastrophe“ sind.

Nobelpreisträger Krugman:
Faced with a crisis that is mainly about the balance of payments, with fiscal crisis as a secondary consequence, European leaders supposedly committed everyone to severe fiscal austerity, which would guarantee a recession while leaving the real problem unaddressed.

Nobelpreisträger Stiglitz:
Sparen hilft nicht. Das ist mehrmals probiert worden, zum Beispiel 1929 - es hat aus einem schwarzen Freitag an der Börse eine große Depression gemacht.

Theobald Tiger
13
15.12.2011, 12:43
Sparen durch Strukturreformen hilft sehr wohl

Allein die immer wieder hinausgeschobene Erhöhung des extrem niedrigen realen Pensionsanfallsalters in Österreich - ein von den SP-Regierungen seit den achtziger Jahren zu verantwortender Hauptgrund für die angestiegene Staatsverschuldung - würde Privat- und Staatseinnahmen verbessern.

Die Gebetsmühle der Halb-Keynesianer (sie kennen nur das deficit spending, nicht aber die Keynessche Maxime des ausgeglichenen Haushalts im Durchschnitt: dazu muss man ja gelegentlich sparen und Schulden verringern) - diese Gebetsmühle ist langweilig.

ino
00
15.12.2011, 14:03
Was ist an der Gebetsmühle "sparen" besser?

freilich kann man das pensionsalter anheben. man kann auch die treibhausgase reduzieren, die lohnungleichheit zwischen mann und frau verringern oder migranten besser integrieren. das sind alles gute ziele, aber sie helfen nicht, diese krise zu meistern.

weil wir keine SCHULDENkrise haben. wir leiden an den konstruktionsfehlern der währungsunion. daran dass wir keine mechanismen zum ausgleich asymmetrischer schocks haben und die leistungsbilanzungleichgewichte in der währungsunion verringert werden müssen. da hilft sparen nicht viel.

und krugman & co kennen keynes sicher genau so gut wie ein tiger.

Theobald Tiger
00
15.12.2011, 14:53
Keine Schuldenkrise?

Sie beurteilen die Haushaltslage der europäischen Staaten von einem originellen Gesichtspunkt aus.

Die Staaten haben kein Problem mit Zinszahlungen?

Kein Problem mit Krediten, um alte Kredite zu bedienen?

Der finanzielle Spielraum der Politik für Investitionen (Bildung, Infrastruktur, Umwelt...) ist von keiner Schuldenlast betroffen?

Was schlagen Sie vor?

Wenn weniger Geld da ist, als die Menschen wünschen: es den Reichen abnehmen? Drucken?

Theobald Tiger
00
15.12.2011, 15:14
Im übrigen ist der EURO trotz der

Konstruktionsfehler, die man nun mühsam (durch eine abgestimmte Haushaltpolitik der EURO-Länder) nun beheben wird, eine recht vitale Währung:

"Vergleicht man den aktuellen Wert der Gemeinschaftswährung mit dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre, dann stieg die Kaufkraft für Eurozahler um rund 21 Prozent in Indien, um 23 Prozent in Mexico und um sogar 32 Prozent in der Türkei. Nimmt man dann auch noch das lokale Preisniveau hinzu, vergrößert sich die Kaufkraft natürlich noch" (STANDARD)

Das passt Krugmann & Co nicht, ich weiß.

Briefträger
31
15.12.2011, 13:17

Sie glauben doch nicht wirklich, dass nur das reale Pensinonsantrittsalter der Hauptgrund der Staatsverschuldung ist.
Da hätten ja dann nur diese Länder, die ein relativ niedriges Antrittsalter laut Statistik vorzuweisen haben, Staatsschulden.
Die Länder die ein höheres Antrittsalter vorweisen können, müssten dann ja nach Ihren Vorstellungen keine Staatsschulden haben.

Vollkommener Blödsinn.

Theobald Tiger
01
15.12.2011, 13:51
"Nur"

steht nicht in meinem Text. Ein anderes Beispiel für sinnvolles Sparen ist die Verwaltungsreform.

Wenn Sie sinnerfassend lesen gelernt haben, diskutiere ich gern mit Ihnen.

no, es mío
 
01
15.12.2011, 09:59
der "bucher-plan"

hört sich verdächtig danach an: http://www.youtube.com/watch?v=Q0QZZOWGHxI

denkmal
02
15.12.2011, 08:49

Danke Herr Cremer für das wunderbar hässliche Foto!

donna corleona
02
15.12.2011, 09:46

Foto HC ...
erinnert mich an die Promenadenmischung unseres Hausmeisters, wenn er (der Hund), auf den Hinterbeinen stehend, am Zaun Besucher ankläfft, die er noch nicht kennt ;-)

franzbrannt
00
15.12.2011, 08:47
franzbrannt der wohltaeter

juhuu endlich macht HC Strache einen auf "Billa sagt der Hausverstand"; Rollkragenpullover, oder will er gar einen auf "Intellektueller" machen?

IchHabeImmerRecht
01
15.12.2011, 08:36
Dem Foto nach zu schließen, hat die Krokodil-Droge jetzt auch Österreich erreicht

Theobald Tiger
02
15.12.2011, 07:45
Strache hat sich offensichtlich geschult an den "Reden des Anstreichers"

Schauderhaft.

Dennoch könnte so einer in Österreich Kanzler werden.

Vor einigen Jahren hätte ich darüber noch gelacht.

ND1
00
15.12.2011, 13:49
nun ja

es liegt ja nicht am Geschick seiner Person dass diese Möglichkeit bestehen könnte viel mehr an der Dummheit der Anderen ihm die Wähler zuzuspielen ...

sir osis of liver
 
00
15.12.2011, 13:18

laut mittagsjournal gibt es eine annäherung zwischen hc und spindi - schrecklicher gedanke. strache kanzler, spindelegger sein hunderl.

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
32
15.12.2011, 07:16
"warum sechs gesunde Volkswirtschaften in der Union einundzwanzig nichtgesunde durchfüttern sollen"

Wieder einmal spricht Strache einem Gutteil der Bevölkerung aus der Seele. Sein Erfolg besteht darin, die sog. "Grauslichkeiten", bei denen die anderen herumlavieren, explizit auszusprechen. Es müsste ein Alarmzeichen für die anderen Parteien sein, dass das ausreicht, um zur Grosspartei aufzusteigen. Vielleicht sollten sich die anderen, wenn's auch noch so "grauslich" ist, daran ein Beispiel nehmen, bevor es zu spät ist...

systemfehler1
01
15.12.2011, 10:13
Strache ist ein hetzender Volldillo,

für ebensolche Wähler.

Spaceman Spiff
03
15.12.2011, 09:52

Nur weil Sie hier, mit Ihren paar Gesinnungsgenossen, ueberproportional viele, rechtslastige Nachrichten verschicken, heisst das noch lange nicht, dass das die Meinung des Grossteils der Bevoelkerung ist.

Und so ist es auch mit Strache. Nur weil er schreit, ist das noch lange nicht die Meinung des Grossteils der Bevoelkerung. Die Lautstaerke des Demagogen ist nicht proportional zum Interesse der Mehrheit. Eher im Gegenteil: je lauter der Demagoge schreit, desto schlimmer ist das Ende. Zumindest das, koennten Sie aus der Geschichte lernen.

Befreier von Butter und Eier
01
15.12.2011, 08:06

Das ist aber auch schon allles was der H.C. Drache kann - aufzeigen. Jeder normal denkender Mensch erkennt die Grauslichkeiten von alleine.
Das ist für mich kein ausreichender Grund einen Zahntechniker zum BK zu wählen.

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