Aus Eins mach Zwei

Die Griechen laden zum heißen Renditetanz

Hermann Sussitz, 15. Dezember 2011, 06:15

Viele Privatanleger wollen an bald fälliger griechischer Staatsanleihe trefflich verdienen - Ihr Kalkül: Der Schuldenschnitt verschont sie

Dass die Banken vor der Finanzkrise 2008 ein zu hohes Risiko eingegangen sind, ist hinlänglich bekannt. Doch wie sieht es mit der Risikobereitschaft der Privatanleger aus? Letzter Anlassfall: eine griechische Staatsanleihe, die umgangssprachlich "My Big Fat Greek Bond" genannt wird. Sie läuft in vier Monaten aus und verspricht 100 Prozent Gewinn in 100 Tagen. In Deutschland sollen Scharen von Anlegern diesen Titel kaufen. Wette oder ein Investment mit Kalkül?

"Es ist sicherlich eine Wette", so Gernot Mayr von Raiffeisen Capital Management im Gespräch mit derStandard.at. Der Manager verwaltet Anleihenfonds, in die institutionelle Investoren wie Pensionskassen investieren. Griechenland ist für ihn schon seit einigen Monaten kein Thema mehr. Es gebe nur noch den einen oder anderen Spezialkunden, der dieses Risiko eingehen möchte.

Viele wollen ihren Einsatz verdoppeln

Diese Investoren dürften sehr optimistisch sein. Denn bei hellenischen Bonds steht ja bekanntlich ein Schuldenschnitt an. Er soll bis Ende Jänner ausverhandelt sein und rund 50 Prozent betragen. Bei der oben erwähnten Anleihe, am 20. März 2012 fällig und fast 15 Milliarden Euro schwer, rechnet die Börse daher aktuell mit einer 50-prozentigen Abschreibung. Der Kurs lag am Mittwoch bei 47 Prozent. Kauft man also einen Titel mit einem Nennwert von 1.000 Euro, dann muss man nur 470 Euro dafür bezahlen. Anspruch hat man aber natürlich auf den ganzen Tausender inklusive Zinsen (4,3 Prozent).

Dass der Tausender auch wahr wird, damit rechnen in den letzten Tagen wieder mehr Menschen. So ist der Kurs nach dem EU-Gipfel letzter Woche, der die Aussicht auf strengere Defizitregeln für 26 der 27 EU-Länder mit sich brachte, um rund zehn Prozent gestiegen. Auch die täglich gehandelte Menge ist nun größer. Der Nennwert der gekauften Papiere ist dabei sehr unterschiedlich. Mal sind es 250.000, mal 100.000 Euro. Zuletzt fällt aber auf, dass sehr viele Orders für 1.000 bis 10.000 Euro abgegeben werden. Es scheint, als ob hier auch von Kleinanlegerseite spekuliert wird.

Fallstrick Politik

Der Grund, warum einige Anleger zugreifen, dürfte daran liegen, dass der Schuldenschnitt primär für Banken und Versicherungen ausverhandelt wird. "Für den Privatanleger gilt daher theoretisch Freiwilligkeit", so Mayr. Rein theoretisch ist das für den Fondsmanager deshalb, weil die Griechen rechtlich einen Schuldenschnitt erzwingen könnten. Er denkt hier an eine Sondersteuer in der Höhe von 50 Prozent auf den Tilgungsbetrag oder dergleichen mehr. Dabei helfe auch der Umstand, dass die Anleihe nach hellenischem Recht begeben wurde. "Das würde das Abschöpfen für die Griechen einfach machen", meint der Kapitalmarktexperte.

Wenige Glücksritter haben größere Chancen

"Es ist sicher eine sehr spekulative Anlage", meint auch Martin Bohn von der Bawag P.S.K. Invest. Die institutionellen Anleger, für die er arbeitet, würden nicht mehr in solche Geschäfte investieren wollen. Daher sei dieser Deal für ihn als Leiter des Anleihenfonds-Managements tabu. "Als Privatmann habe ich es mir aber auch schon überlegt", gibt Bohn zu.

Die Idee sei aus mehreren Gründen gut, wenn auch risikoreich. Zunächst betreffe der auszuhandelnde Schuldenschnitt nach heutigem Wissensstand keine Privatanleger. Zudem sei nur ein kleiner Teil der Milliardenanleihe in deren Händen. Warum auch das eine Rolle spielt, erklärt sich Bohn aus reinem Kostenkalkül. Solange nur ein kleiner Teil der Anleihe in Kleinanlegerhänden liegt, tun sich die Hellenen beim Schuldenbegleichen leichter. In diesem Fall wird ja der aushaftende Betrag durch den Schuldenschnitt quasi halbiert.

1,2,3...vorbei

Erst wenn Kleinanleger große Teile der Anleihe in ihr Eigentum gebracht haben, könne sich das ändern. "Je mehr das machen, desto fantasievoller wird Griechenland werden", meint Bohn lapidar. Womit wir wieder bei der Steuer oder anderen Maßnahmen wären. Im Moment spreche aber nicht viel dafür. Helfen würde zudem, dass in Hellas keine Neuwahlen anstehen. "Eine neue Regierung könnte populistisch agieren und mit der Schuldenproblematik ganz anders verfahren", macht sich der Experte schon seine Gedanken. Grübeln über eine Investition heißt aber eben auch: "Das ist gar nichts für den Sparbuch-Sparer."

Denn Risiko bleibt Risiko. Im Glücksfall hat man im März seinen Einsatz verdoppelt. Kommt aber der Schuldenschnitt auch für Private, steigt man aktuell bei quasi Null aus. Und geht Griechenland letztlich doch Bankrott, kann es Jahre dauern, bis wieder Geld fließt. Als Argentinien 2001 zahlungsunfähig war, hat das Land Zahlungen an Investoren für einige Jahre eingefroren. Erst 2005 bekamen sie Geld, allerdings nur 37 Prozent der ausstehenden Summe. Für sie hieß es "Aus Drei mach Eins". (sos, derStandard.at, 15.12.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4
CelLabe
21
15.12.2011, 18:00
Gehts schief, zahlts eh der Steuerzahler, ich

machs nur deshalb nicht, weil ich sonst permanent kotzen müsste ...

parmigiano
02
21.12.2011, 10:26

wieso zahlt der steuerzahler irgendwas, wenn ein privater (wie Sie und ich) griechische anleihen kauft und GR dann nur einen teil zurückzahlt???

mir scheint, hier wird nur die gelegenheit genutzt, zu meckern.

CelLabe
00
21.12.2011, 11:32
Und was glauben sie, WOVON die Griechen das

zurückzahlen?

Haben sie die letzten Jahre und Rettungsschirme verschlafen?

Der europäische Steuerzahler pumpt Geld nach G, damit SIE, nicht ich, dort herumzocken können ...

parmigiano
02
22.12.2011, 02:34

erstens habe ich keine griechischen anleihen (weiss also nicht, wieso ich dort "herumzocken" würde) und zweitens geht es um alte anleihen - GR schuldet das geld schon lange, egal ob die anleihen jetzt von A zu B wandern oder nicht.

Mastermix
00
15.12.2011, 16:50
kann man in brokerjet nicht traden...

erste bank zu feig?

Livermore
00
15.12.2011, 16:52

Bei Brokerjet kann generell keine Anleihen traden....

flatus incarceratus
00
15.12.2011, 16:48
lasst die politikerbonzen

sirtaki tanzen!

1000 Kopfläuse können nicht irren
00
15.12.2011, 16:48
Wenn eine Firma marod wird, muss sie irgendwann einmal schließen.

Wenn dies jedoch eine Firma der Bankbranche trifft, dann werden noch Milliarden nachgeschossen...

santa fe
 
44
15.12.2011, 14:12

schuldenbremse, schuldenschnitt,rettungsschirme, bail outs, staatsanleihen und fette bonds - alles nur geschäfte der FI (finanzindustrie), und wenn die staatsschulden dabei einmal wirklich sinken sollten, handelt es sich wiederum nur um eine ihrer gewinnstrategien, die nichts mit realwirtschaft zu tun haben sondern einzig und allein mit der profitsucht der FI, durch die 99% der menschheit verarmen oder sogar in einen wahnsinnskrieg getrieben werden.

wir müssen von wutbürgern zu mutbürgern werden.
1% kann nicht 99% beherrschen, wenn letztere sich solidarisch organisieren und die demokratisierung der FI verlangen. bailouts für jeden einzelnen statt für banken und börsengeschäfte.

BEDINGUNGSLOSES GRUNDEINKOMMEN für alle.

franz ugs
12
15.12.2011, 17:29
Blöd nur, wenn dann jeder mit dem Grundeinkommen zufrieden ist.

Wer zahlt dann noch Steuer, oder deutlicher, wer finanziert dann den Staat?
Irgendwie hinkt Ihr Model ...

Gobi Todic
00
15.12.2011, 23:13

österreich hat 3 millionen freiwillige!

feuerwehr-altenpflege-tierschutz-kinderbetreuung usw.

http://www.freiwilligenweb.at/

müssen alles schwere dodl sein die da gratis und fürn hugo arbeiten.

santa fe
 
01
15.12.2011, 18:27

sinnvolle arbeit ist ein grundbedürfnis des menschen, und die freiwilligkeit die voraussetzung dafür. motivation für arbeit mit der schuldenkeule erzeugt das gegenteil, nämlich hass auf den job sowie qualitätsarbeits-verweigerung und macht psychisch ebenso krank wie arbeitslosigkeit.

mit dem BGE wird es keine nennenswerte zunahme von arbeitslosigkeit geben, wie pilotprojekte in namibia und brasilien zeigen. in BR wird das BGE bereits verfassungsrechtlich eingeführt.

arbeit wird durch das BGE grundlegend attraktiver, insbesondere deshalb, weil man sich von den arbeitgebern nicht mehr alles gefallen lassen muss, was sich auch lohnmässig auswirkt.

hurley
31
15.12.2011, 13:16
könnte man genau so gut beim roulette auf ein der einfachen chancen setzen

da müsste man dann noch nichtmal bis märz warten - die angst des spielers vor der zero ist völlig unbegründet...

RS69
 
00
15.12.2011, 16:42

Inwiefern unbegründet?

hurley
00
16.12.2011, 23:29
weil die wahrscheinlichkeit des fallens der kugel

auf zero gleich hoch ist wie das fallen der kugel auf jede andere zahl im kessel - alles klar ?

RS69
 
00
17.12.2011, 02:43

Klar - und das heisst eben, dass langfristig die Bank gewinnt, und nicht Sie. Inwiefern also unbegründet?

Sneef
00
15.12.2011, 16:33
Sie wissen

aber schon das die Null der Grund ist weswegen das Spiel für das Casino profitabel ist oder?

hurley
10
16.12.2011, 23:27
ich weis jetzt jedenfalls, dass

sie von roulette und casinos keine ahnung haben...

mulligan1
00
15.12.2011, 13:06
.... so viel zur sachkompetenz von merkel & co ....

Walther von der Vogelweide, der 1.
59
15.12.2011, 12:59
Ein echt blöder Artikel

Wahrscheinlich rennen 99 % der Griechen genauso wie wir Hamsterrad. Wegen der 1 % Spekulanten (die es bei uns auch gibt) eine ganza Nation anzuschütten ist wirklich schon sehr primitiv.

Hanken
01
15.12.2011, 14:50
welche Nation denn?

ARO5
00
15.12.2011, 18:25

Die Hamsterradianer ;-)

kater bruno
52
15.12.2011, 12:38

Diese Spekulanten haben keinen Genierer, alles runieren, immer reicher und dann kommen diese Spekulanten drauf, das man Geld nicht essen kann.

oblomow II
01
15.12.2011, 12:56
nun

so kauft wenigstens am sekundärmarkt jemand gr. anleihen, sonst wären sie schon ins bodenlose gefallen.

verstanden?

Urfahraner Auge
00
15.12.2011, 15:44
Ich stimme Ihnen zu.

kater bruno versteht anscheinend nicht, dass er ebenfalls spekuliert, und zwar auf die Pleite Griechenlands.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 157
1 2 3 4

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.