Gezerre um russischen Hilfskonvoi: Russischer Botschafter will keinen Grenzübergang mit kosovarischen Zöllnern queren
Belgrad/Prishtina - Die Russen kommen - und die Kosovo-Serben freuen
sich. Nicht nur wegen der Hilfsgüter auf 25 Lkws, die seit Dienstag aus
Serbien kommend unterwegs sind, sondern auch, weil Moskau damit zeigt,
sich um die Kosovo-Serben zu kümmern. Diese werfen Belgrad vor, sie
wegen des EU-Kandidatenstatus an Brüssel zu "verkaufen".
Für den russischen Botschafter in Serbien, Alexander Konusin, der den
Hilfskonvoi persönlich begleitet, wurde ein feierlicher Empfang im
serbischen Teil der geteilten Stadt Kosovoska Mitrovica vorbereitet -
doch es kam vorerst nicht dazu: Die Kolonne wurde in Jarinje
aufgehalten, einem der umstrittenen Grenzübergängen im Nordkosovo. Die
Polizei der EU-Mission Eulex beharrte darauf, den Konvoi zu begleiten,
doch Botschafter Konusin lehnte das ab, weil er sich in serbischen
Gebieten "nicht bedroht fühle".
Die Eulex wollte den Konvoi dann auf einen anderen Grenzübergang
umleiten; auch das lehnte Konusin ab, denn andere Grenzübergänge seien
ja von kosovarischen Zöllnern besetzt, und Russland erkenne, ebenso wie
Serbien, den Kosovo nicht an.
Bis zum Abend harrte Konusin am Dienstag an der Grenze aus, am Mittwoch
wurden die Verhandlungen fortgesetzt. "Man stellt uns unzumutbare
Bedingungen, wir werden praktisch erpresst. Die EU-Mission überschreitet
ihr statusneutrales Mandat", erklärte Konusin. Das Problem müssten nun
Moskau und Brüssel lösen.
Der EU-Beauftragte im Kosovo, Peter Faith, reagierte verärgert: Er wisse
nicht, ob das Ganze nicht ein russischer Trick sei. Jedenfalls habe
Konusin nichts im Kosovo zu suchen, weil Russland einen diplomatischen
Vertreter in Prishtina habe. Serbische Medien stellten fest, dass
Russland nun aktiv in den Konflikt eingreife und die EU-Politik
durcheinander bringe.
Kosovo-Serben baten schon mehrmals die "serbische Schutzmacht" Russland
um Hilfe - über 50.000 Kosovo-Serben stellten neulich einen Antrag auf
russische Staatsangehörigkeit.
Der blockierte russische Hilfskonvoi wurde auch zum Thema des
EU-Russland-Gipfels Mittwochabend in Brüssel. (DER STANDARD Printausgabe, 15.12.2011)