Ordnung der Glasplaneten

14. Dezember 2011, 18:02
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Lichtkörper von Manfred Erjautz verwandeln die Galerie Ruzicska in ein Miniuniversum

Salzburg - Achtzehn Lichtkugeln hängen an schwarzen Kabeln in unterschiedlicher Höhe von der Decke der Galerie Ruzicska. Dass sie - mit einem Durchmesser von vierzig Zentimetern - bis zu fünfzehn Kilogramm wiegen, merkt man ihnen nicht an. Während die Glasmonde als weißgraue Himmelskörper mit grafischer Textur leuchten, hat Manfred Erjautz die Erden mit verschiedenfarbigen Pigmentschichten von fast malerischer Natur versehen.

Erjautz' jüngsten Arbeiten liegt eine alte Handwerkstechnik zugrunde: In ein Modell aus Birnenholz wird Glas eingeblasen, anschließend werden die Pigmente aufgetragen und eingebrannt. Der aus Graz gebürtige Gironcoli-Schüler fand nach längerer Suche zwei Fabriken in der Steiermark und in Tschechien, in denen eine solche Überfangtechnik noch beherrscht wird.

Mit ungewöhnlichen und auch fragilen Materialien hat der 45-jährige Künstler bereits Erfahrung: Aus Lego baute der Otto-Mauer-Preisträger von 1999 Pistolen oder auch Kruzifixe. Brechen diese Objekte auseinander, ist jedoch, anders als bei Glas, eine Rekonstruktion leicht möglich. Frühere Leuchtkörper wiederum schuf Erjautz aus Neon, was mehr dem Alltäglichen zuzuordnen ist als nun seine Himmelskörper.

Inspiriert hatten ihn zu dieser Werkgruppe die typischen Jugendstil-Kugellampen in alten Amtshäusern, vor allem deren Anordnungsstrukturen. Bei der Installation hat sich Erjautz am Newton'schen Pendel orientiert: "Sie hat viel mit Zeit, Gravitation und Rhythmus zu tun und bringt so etwas wie eine Ordnung in einen nur scheinbar ungeordneten Raum." A short break in thinking heißt die Arbeit, "weil sie einen Moment darstellt, bevor etwas passiert." Auf Detailtreue kommt es Erjautz bei den dickglasigen Unikaten jedoch nicht an. Die Kontintente sind nur erahnbar: "Mir ging es in erster Linie um individuelle Annäherungen an Erde und Mond, sonst hätte ich auch einfach Leuchtgloben bauen können."

Jeder Mensch sei vertraut mit elementaren Bildsymbolen wie Planeten, "als Bildhauer nehme ich unseren Planeten und dessen Trabanten als größte plastische Körper wahr", sagt er. Dennoch blieben viele Fragen nach dem Zusammenhang der Dinge offen.  (Christian Weingartner / DER STANDARD, Printausgabe, 15.12.2011)

 

Bis 14. 1., Galerie Nikolaus Ruzicska, Faistauergasse 12, 5020 Salzburg

  • Manfred Erjautz baut eine Planetenordnung aus Erden und Monden in das Chaos unseres irdischen Daseins (Ausstellungsansicht der Galerie Ruzicska).
    foto: galerie ruzicska

    Manfred Erjautz baut eine Planetenordnung aus Erden und Monden in das Chaos unseres irdischen Daseins (Ausstellungsansicht der Galerie Ruzicska).

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