Gebirgsbildung

Regen lässt die Anden ungleich wachsen

18. Dezember 2011, 12:05

Im trockenen Westen ist die Erosion und mit ihr auch die geologische Dynamik zum Erliegen gekommen

Bern - Die Anden sind mit 7.500 Kilometern die längste Gebirgskette der Welt. Ihr Wachstum verdanken sie vor allem dem Umstand, dass sich die westlich von Südamerika gelegene Nazca-Platte langsam unter die Südamerikanische Platte schiebt und diese an ihrem westlichen Rand anhebt. Dieser Prozess hält seit langem an und die Anden wachsen immer noch - allerdings sind sie in den vergangenen zehn Millionen Jahren asymmetrisch gewachsen. Fritz Schlunegger, ein Geologe der Universität Bern, hat den dahintersteckenden Prozess gemeinsam mit einem Kollegen aus Neuseeland erforscht und berichtet darüber im Fachblatt "Nature Communications". Sein Fazit: Das unterschiedliche Wachstum liegt am Regen.

Östlich und westlich der Anden liegen verschiedene Welten: In der Yungas-Region in Bolivien etwa fällt auf der Ostflanke des Gebirges bis zu 3.000 Millimeter Niederschlag pro Quadratmeter und Jahr. Auf der Westseite dagegen liegt die knochentrockene Atacama-Wüste. Und dieser extreme Unterschied wirkt sich auf die Gebirgsbildung selbst aus, nämlich durch die aus den Niederschlägen resultierenden unterschiedlichen Erosionsraten. Auf der Ostseite der Anden wird jedes Jahr ein Millimeter Gestein und Fels abgetragen. Auf der trockenen Westseite hingegen ist es hundertmal weniger, nicht einmal 0,01 Millimeter pro Jahr.

Der Prozess

Die beiden Forscher untersuchten nun die Konsequenzen dieser Ost-West-Differenz für die Entwicklung der Anden. Sie erstellten dazu Längsprofile von Flüssen an beiden Flanken des Gebirges und Modellierungen der Entstehungsmechanismen der Anden. Daraus schließen die Forscher, dass es auf der regenreichen Ostseite noch heute starke tektonische Hebungen gibt. Im Westen dagegen sind die tektonischen Veränderungen seit etwa zehn bis sieben Millionen Jahren abgeschlossen.

Weil die Erosion an der Westflanke nahezu ausbleibt, wird auch keine tektonische Deformation mehr zugelassen, wie Schlunegger sagt. "Das Gebirge auf der Westseite ist aufgrund der abnehmenden Erosion zu dick geworden, um weiter durch die Tektonik bewegt zu werden." Auf der Ostseite verhindere dagegen die fortdauernde hohe Abtragung eine zu große Verdickung des Gebirges. Dadurch kann der Gebirgskörper unter dem tektonischen Druck von unten weiter verformt werden. Die Anden wachsen also asymmetrisch, nämlich gegen Osten - und das werde sich wohl auch in den nächsten Millionen Jahren nicht ändern, sagte Schlunegger. (APA/red)

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