Sammlerstücke zum Einheizen

14. Dezember 2011, 17:28
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Wer auf der Suche nach wertbeständigen Kunstwerken ist, sollte einmal einen Blick auf alte Kachelöfen werfen

Wer auf der Suche nach wertbeständigen Kunstwerken ist, sollte einmal einen Blick auf alte Kachelöfen werfen. Die noch vorhandene Menge ist begrenzt, sie zu fälschen so gut wie unmöglich.

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Wolfgang Förster ist Feuer und Flamme, wenn er von seinen Lieblingen erzählt. "Schauen Sie sich diesen Rundofen an", sagt er und streicht im Schauraum seines Geschäfts in der Wiener Billrothstraße fast zärtlich über die gewölbte weiße Fläche. "Ein Stück aus der Empirezeit um 1800, das einmal in einem Schloss stand. Allein die Glasierung dieses in Überschlagtechnik gefertigten Exemplars lässt das Sammlerherz höherschlagen." (siehe Foto)

Schon wendet er sich dem nächsten Prachtstück zu. "Die durchbrochenen Kacheln dieses Art-déco-Ofens sind alle noch unbeschädigt. Sie werden der deutschen Keramikerin Herta Bucher zugeschrieben, die auch für Gmundner Keramik und Wienerberger gearbeitet hat", schwärmt der pensionierte Hafnermeister.

Was in dem kleinen Schauraum mit den blau gestrichenen Schaufensterrahmen gezeigt wird, ist nur ein kleiner Ausschnitt aus der Förster'schen Sammlung, die mittlerweile von Tochter Géraldine betreut wird. Der Großteil des wärmenden, mehr als 100 Stücke umfassenden Schatzes steht, majestätischen Säulen gleichend, aufrecht Seite an Seite im langgezogenen Kellergewölbe unterhalb des Geschäfts.

Jahrhundertelang halfen die mit Holz befeuerten Kachelöfen in Mitteleuropa die Winterkälte zu ertragen. Während einfache glasierte Kachelöfen mit dem Ausgang des Mittelalters auch in Bauernstuben Einzug hielten, waren reich verzierte Stücke lange Zeit nur in den Schlössern des Adels und in Häusern reicher Patrizier anzutreffen. Hier dienten sie gleichermaßen zum Heizen wie zu Repräsentations- und Bildungszwecken. Zum Beispiel zeigt der berühmte Prunkofen in der Goldenen Stube der Festung Hohensalzburg, datiert auf 1501, mehr als 100 verschiedene Reliefkacheln mit Heiligen- und Wappenmotiven.

Nicht ganz so betagt, doch immerhin um die 400 Jahre alt, ist der Methusalem der Förster'schen Sammlung: ein wuchtiger Renaissanceofen, auf dessen Kacheln sich Reiter zu Pferde, Doppeladler und biblische Gestalten tummeln.

Als der Ofenexperte 1974 das Geschäft von einer hocharrivierten Wiener k. u. k. Hafner-Dynastie übernahm (von der viele der Sammelstücke stammen), hatte er zunächst ganz andere Wärmequellen im Sinn. Er baute offene Kamine "auf höchstem Niveau, die ganze Häuser heizen konnten". Doch die Aura der stattlichen Heizkörper strahlte förmlich auf ihn ab.

"Wie bei der Sonne wird beim Kachelofen die Wärme als langwellige Strahlung ausgesendet", weiht er Laien in sein Wissen ein. Die vom Schamott und den Kacheln ausgehende Strahlungsenergie heizt die Raumluft nicht direkt auf. Die Wärme entsteht erst dann, wenn die Strahlung von Menschen, Gegenständen, Wänden im Raum aufgenommen wird und von diesen dann wieder allmählich abgeben wird. Das Resultat ist eine Wärme, in der sich Menschen pudelwohl fühlen.

Auch alte Öfen können wieder voll gebrauchsfähig gemacht werden - entweder um sie mit Holz zu befeuern oder mit Elektrotechnik zu beheizen. "Wir haben aber auch Kunden, die sie nur zur Augenweide und als Kulturgut kaufen, ohne sie nutzen zu wollen", berichtet Förster. "Und weil sie wissen, dass sie eine gute Investition sind, weil sie nie mehr im Wert fallen werden", fügt er hinzu. Viele der guten Stücke wurden spätestens mit dem Einzug moderner Zentralheizungen achtlos entsorgt. Wer in seinem Haus genügend Platz für einen antiken Kachelofen hat, muss mit Preisen ab 4000 Euro rechnen. Die Bandbreite nach oben geht hinauf bis 35.000 Euro. Die Kosten für den Wiederaufbau sind dabei noch nicht berücksichtigt.

Mitunter finden sich im Internet zwar Angebote für historische Kachelöfen ab 500 Euro. Der kleine Haken dabei: Sie müssen selbst abgetragen werden oder kommen zerlegt und in Bananenkisten verpackt daher. Sie ohne Experten zu einem funktionierenden Ganzen zusammenzusetzen, grenzt an eine Sisyphusarbeit. Wer weniger Platz und Geld hat, kann sich an einzelnen alten Kacheln erwärmen, die etwa bei Ebay für wenige Euro feilgeboten werden.

Der Glasur auf der Spur

Wer sich einen wertbeständigen alten Kachelofen zulegen möchte, sollte darauf achten, dass es sich dabei um ein vollständiges Original handelt, das nicht mit Teilen anderer Öfen ergänzt wurde, rät Förster. Die Art der Glasur und deren Farbtöne verrieten vieles über Alter und Herkunft. "Der Kenner sieht, ob die Kacheln mit alten Glasuren versehen sind, deren Rezepturen entweder nicht überliefert sind oder nicht mehr hergestellt werden können, weil es die Rohstoffe dafür nicht mehr gibt", sagt Förster. Nachahmungen seien daher leicht erkennbar. Nicht nur ihre Fälschungssicherheit steht für das sorgenfreie Sammeln alter Kachelöfen. Ob ihres Gewichts und ihrer Komplexität gelten sie bei Dieben als nicht sonderlich stehlenswert.

Dass Kachelöfen aber noch viel Wesentlicheres zu bieten haben, nämlich herzerwärmende Kraft besitzen, hat Joachim Ringelnatz (sich) zusammengereimt: "Ich habe dich so lieb! Ich würde dir ohne Bedenken eine Kachel aus meinem Ofen schenken." (Karin Tzschentke, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 15.12.2011)

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