Ein Handbuch für eine bessere Arzt-Patientenbeziehung

60 Prozent der "unerwünschten Ereignisse" in Krankenhäusern gehen auf Kommunikationsfehler zurück - Probelauf in Wiener Spitälern ab Februar 2012

Wien - Bekommen Patienten im Krankenhaus fünf Tabletten statt vier, fragen die meisten nicht nach, sagte Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, bei der Vorstellung des Patientenhandbuchs in Wien. Durch eine aktive Einbindung der Patienten sollen solche "unerwünschten Ereignisse" reduziert werden. Das neue Handbuch nach dänischem Vorbild sei ein Schritt in diese Richtung, so Ärztekammerpräsident Walter Dorner.

Vorbereitung auf Arztgespräch

Die Broschüre sei wie ein Tagebuch zu verwenden. Patienten haben die Möglichkeit, persönliche Notizen zu ihrer Behandlung festzuhalten. Außerdem beinhaltet es Anregungen und Vorschläge. Anhand vorformulierter Fragen können sich Patienten beispielsweise auf das Gespräch mit dem Arzt vorbereiten. Rund 60 Prozent der "unerwünschten Ereignisse" sind auf Kommunikationsfehler zwischen Arzt und Patienten zurückzuführen. Deshalb soll der Patient dafür sensibilisiert werden, dass er "für die eigene Sicherheit mitverantwortlich ist", sagte Ettl. Alle Vorfälle werde man aber "wahrscheinlich nie" verhindern können.

Bessere Beziehung

Nicht nur für die Vermeidung von Fehlern, auch für die Akzeptanz einer Behandlung sei es wichtig, dass die Patienten und auch pflegende Angehörige wie Partner in eine Therapie eingebunden werden, sagte Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes. Eine verbesserte Beziehung zum Arzt steigere zudem die Zufriedenheit der Patienten, so Dorner.

Ab Februar 2012 wird dieses Patientenhandbuch in Wien probeweise an Patienten des Krankenhauses Hietzing und des Kaiser Franz Josef Spitals verteilt, mit einem weiteren Privatspital sei man in Verhandlung, so Ettl. Man plane auch, das Handbuch auf der Website der Plattform Patientensicherheit zum Download bereitzustellen. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) regte an, es auch in Arztpraxen aufzulegen. Die Testphase wird mit einer Evaluierung abgeschlossen. (APA)

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