Ein Handbuch für eine bessere Arzt-Patientenbeziehung

14. Dezember 2011, 14:00

60 Prozent der "unerwünschten Ereignisse" in Krankenhäusern gehen auf Kommunikationsfehler zurück - Probelauf in Wiener Spitälern ab Februar 2012

Wien - Bekommen Patienten im Krankenhaus fünf Tabletten statt vier, fragen die meisten nicht nach, sagte Brigitte Ettl, Präsidentin der Österreichischen Plattform Patientensicherheit, bei der Vorstellung des Patientenhandbuchs in Wien. Durch eine aktive Einbindung der Patienten sollen solche "unerwünschten Ereignisse" reduziert werden. Das neue Handbuch nach dänischem Vorbild sei ein Schritt in diese Richtung, so Ärztekammerpräsident Walter Dorner.

Vorbereitung auf Arztgespräch

Die Broschüre sei wie ein Tagebuch zu verwenden. Patienten haben die Möglichkeit, persönliche Notizen zu ihrer Behandlung festzuhalten. Außerdem beinhaltet es Anregungen und Vorschläge. Anhand vorformulierter Fragen können sich Patienten beispielsweise auf das Gespräch mit dem Arzt vorbereiten. Rund 60 Prozent der "unerwünschten Ereignisse" sind auf Kommunikationsfehler zwischen Arzt und Patienten zurückzuführen. Deshalb soll der Patient dafür sensibilisiert werden, dass er "für die eigene Sicherheit mitverantwortlich ist", sagte Ettl. Alle Vorfälle werde man aber "wahrscheinlich nie" verhindern können.

Bessere Beziehung

Nicht nur für die Vermeidung von Fehlern, auch für die Akzeptanz einer Behandlung sei es wichtig, dass die Patienten und auch pflegende Angehörige wie Partner in eine Therapie eingebunden werden, sagte Ursula Frohner, Präsidentin des Österreichischen Gesundheits- und Krankenpflegeverbandes. Eine verbesserte Beziehung zum Arzt steigere zudem die Zufriedenheit der Patienten, so Dorner.

Ab Februar 2012 wird dieses Patientenhandbuch in Wien probeweise an Patienten des Krankenhauses Hietzing und des Kaiser Franz Josef Spitals verteilt, mit einem weiteren Privatspital sei man in Verhandlung, so Ettl. Man plane auch, das Handbuch auf der Website der Plattform Patientensicherheit zum Download bereitzustellen. Gesundheitsminister Alois Stöger (SPÖ) regte an, es auch in Arztpraxen aufzulegen. Die Testphase wird mit einer Evaluierung abgeschlossen. (APA)

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20 Postings
.... fünf Tabl. statt vier fragen die meisten nicht nach ....

welch provante Formulierung. Sollte es der Pat. wagen doch nachzufragen (oder die Medikation gar in Zweifel zu ziehen) ist er lästig oder querulant (non vult ) Die Kommunikationskultur ist immer noch am ärztl.Klientel ausgerichtet. Jeder der eine Visite (speziell eine "Chefvisite") mitgemacht hat, weiss das.Die majestätische Meinung des Herrn Prof./Prim./Dozenten hat göttlichen Status (zu haben) Der Gott in Weiss ist (von Ausnahmen abgesehen) immer noch der massgebliche (mitunter huldvolle) Entscheidungsträger was Therapie u.Gesundheit des Pat. anbelangt. Und Kommunikation ist unter dieser Perspektive (immer noch) mehr Diktat u. barsche Anweisung denn Sonstiges.

Gegen all dies kann sich ein Patient (oder notfalls seine Angehörigen) wehren.

Problem ist eher die antrainierte Obrigkeitshörigkeit.

@Angelika70

Das ist ein Irrglaube. Angehörige die im Namen des Patienten sprechen sind für Arzt, aber speziell für pflegendes Personal ein rotes Tuch und werden unisono als Störfaktor im Stationsbetrieb gesehen.
Einen Stationsbetrieb den der Patient in der Regel
(aber zu 100% wenn keine Angehörigen vorhanden) hilf und machtlos ausgeliefert ist. Kommunikation findet nicht statt, bestenfall eine gnädige (oder ungeduldige) Anhörung.

dann geht man zur patientenvertretung, in wien gibts die seit jahren. und die regelt das dann. wenns nicht geht: beschwerde. wenn das nichts nutzt: klage. irgendwann lernen es alle.

Sorry, aber aus ihnen spricht der typische obrigkeitsgläubige Untertanenpatient.

Glaubens mir, wenn man mit den Angestellten im Spital (auch den Ärzten) richtig Schlitten fährt, dann spuren die auch und besinnen sich auf ihre eigentlichen Aufgaben.
Hilfts alles nichts, hilft die Rechtschutzversicherung und ein guter Anwalt.

Alles schon gehabt.

Solange ÄrztInnen - anstatt in der gleichen Zeit die wenigen Fragen hinreichend zu beantworten - lieber beleidigt/verärgert minutenlange Monologe halten, daß sie leider, leider keine Zeit hätten für die Beantwortung von PatientInnenfragen, haben PatientInnen keine reale Chance auf eine Kommunikation mit ÄrztInnen.

ah, endlich gibt es ein handbuch für ärzte im

umgang mit patient_innen. wird aber auch zeit!

äh, oder hab ich da was falsch verstanden?

Wenn jeder ins Krankenhaus geht, kein Wunder

Da in Österreich die Spitalsambulanzen mit Patienten zugemüllt werden, die dort eigentlich nichts verloren haben und niemand den politischen Mumm hat, das abzustellen (inklusive Ärztekammer, die wirbt, man solle zu jeder Tag- und Nachtzeit die arbeitswütigen Spitalsärzte konsultieren), ergibt sich in Summe ein Mißverhältnis zwischen Patientenzahlen und Personalzahlen, das dazu zwingt, möglichst schnell möglichst viele Patienten durchzuschleusen, um das in der zur Verfügung stehenden Arbeitszeit zu schaffen.

Sie bezeichnen kranke Menschen als Müll?

Nein, bezeichne ich nicht. Überschwemmt, überladen, unnötig belastet, mit fehlgeleiteten Patienten überlastet kann man natürlich auch sagen, das ändert am Ergebnis nichts. Solange z.B. nicht verhindert werden kann, daß Patienten mit einfachen Rückenschmerzen in einer orthopädischen Krankenhausambulanz auftauchen und dort auch begutachtet werden müssen, darf sich niemand wundern, wenn zu wenig Zeit pro Patient bleibt und das Arzt-Patientengespräch nicht optimale Voraussetzung hat.

"einfache Rückenschmerzen"?
Was soll das sein?
Was ist daran einfach?
Mit einem Facharzttermin in drei Monaten ist niemandem, der JETZT Schmerzen hat, geholfen und der Patient kann nichts dafür wenn ihn der Hausarzt in eine Ambulanz schickt.

Richte bitte deine Kritik an die niedergelassenen Fachärzte, wo es offenbar keine Platz für Akutpatienten gibt.
Wer brav anruft wird abgewimmelt oder kriegt einen Termin in 2 Monaten.
Als ich mich mal mit 'einfachen' aber deshalb nicht weniger schmervollen Rückenschmerzen zum niedergelassenen Orthopäden schleppte, meinte die Assistentin, ich hätte in die Ambulanz gehen sollen. Als ich sie darauf hinwies, dass doch den Kranken vorgeworfen wird, sie überlasten Ambulanzen, beschied sie mir widerwillig, sie werde mich halt 'einschieben'...
Aber schuld sind natürlich die Kranken. Was wissen sie auch nicht schon 6 Monate vorher, dass sie dann akut erkranken werden...

Schuld ist nicht der Patient, sondern das System

Das Krankenversicherungssystem ist offensichtlich nicht so organisiert, daß die "richtigen" Patienten an die "richtige" Stelle kommen. Es ist wie überall bei uns in der Politik. Niemand traut sich, Entscheidungen zu treffen, die möglicherweise jemandem nicht recht sein könnten, der Macht hat oder von dem man glaubt, daß er/sie sie hat. Siehe auch Verwaltungsreform - einzige sinnvolle erste Maßnahme wäre die Abschaffung der Bundesländer. Wird nie passieren. Gustav Mahler soll einmal gesagt haben "Wenn die Welt untergeht, dann gehe ich nach Wien, denn dort passiert alles 50 Jahre später." Daher ist auch nicht mit einer sinnvollen Lösung der vernünftigen Allokation der Patienten zu rechnen.

Ein Bekannter klagte nach einer Lumbalpunktion über Schmerzen und Lähmungserscheinungen in den Beinen. Die ÄrztInnen im KH nahmen in nicht ernst. Ja, ja das gibt sich schon wieder, hieß es. Dann wurde überhaps in ein anderes Krankenhaus verlegt, wo er wochenlang unter sehr starken Schmerzen liegen musste und sich ein riesiges Hämatom entlang der Wirbelsäule gebildet hatte, das man wegen Gefährdung der Wirbelsäule nicht operieren konnte.

schön

wäre ein link zum patientenhandbuch gewesen.

http://www.bmgf.gv.at/cms/home/... 282%29.pdf

hätt ich mir gern durchgelesen

nur gibts das anscheinend nicht mehr.... zumindest geht der link nicht mehr

Wui da haben sie aber lange gebraucht um da draufzukommen, schon unglaublich!
Und zu glauben das jahrzehntelanges unmündig halten der Patienten durch ein Handbuch beendet werden kann ist schon naiv.
Ich erlebe es ja ständig selbst, man wird abgefertigt so schnell wie möglich denn die Zeit drängt! Und Fragen sind kaum willkommen und machen oft den Arzt ärgerlich. Man hat Glück wenn man da gelegentlich an einem Ausnahmearzt gerät.
Oder man läst sich privat behandeln da funktioniert das ganze meistens.

Kenne jemanden (naher Verwandter), war im Krankenhaus für eine Herzuntersuchung. Der 1. Arzt: Sie kriegen einen neuen Defi.
Äh, nein... ich krieg eine Untersuchung. Arzt: Nein, hier steht neuer Defi und Operation.
Äh... davon sagte der Überweisungsarzt nix - auf Überweisung steht: Untersuchung. Ok. Überzeugt.
Krankenschwester: Sie kriegen einen neuen Defi.
Äh... nein, "nur" die Untersuchung.
Schwester: Ja, das steht aber hier herinnen.
Letzten Endes: der Patient hatte recht und war Gott sei Dank in der Lage sich zu artikulieren!
Musste einige Tage im Krankenhaus bleiben und jede aber auch wirklich JEDE Tablettenlieferung war fehlerhaft, zu wenig, falsch oder zu viel!!!!!!!!!!!!!!!!
Und das in einem Krankenhaus!! :-0 >:-(

@sonja1978

Sie veranschaulichen mit ihrem Posting ein zunehmend erschreckendes Problem sehr gut.
Nämlich: Die Entmenschlichung des Patienten im Sinne e. qualitätszertifizierten Gesundheitindustrie, erschöpft in Diagnose u.Pflegecode,s.Normierung und Schubladisierung des Patienten ist zunehmend gelebte Realität und (ökonomisch) so gewollt.
Sollte sich der Patient dagegen auflehnen, -- ICD-10.
Man möge daher bitte nicht vollmundig von Kommunikation sprechen wenn dem Arzt per Federstrich eine solche Macht in dier Hand gegeben ist.

Das Grundproblem scheint nicht der Mangel an Arzt-Patient Kommunikation zu sein, sondern deren völliges Fehlen, wenn man sie sích nicht in einer Privatordination teuer erkauft? Welcher überforderten Assistenzärzt in einem Spital hat die Zeit für ein ausführliches Gespräch? In den Ordinationen der niedergelassen Ärzte ist man so sehr mit dem Sammeln von Krankenscheinen beschäftigt, daß für den einzelnen Patient meist nur die Zeit bleibt, um ein Rezept auszustellen.

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