Ägyptische Wahl geht weiter

Lange Schlangen und Turbulenzen in zweitem Durchgang

14. Dezember 2011, 13:19

Berichte über großen Andrang bei Stimmabgabe - Zusammenstöße nahe Kairo

Kairo - In Ägypten hat am Mittwoch die zweite Etappe der Parlamentswahl begonnen. Arabische Sender zeigten Bilder von langen Menschenschlangen, die sich zur Stimmabgabe anstellten. Bei einem Wahllokal nahe der Hauptstadt Kairo in der Region Giza kam es zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Anhängern verschiedener Kandidaten. Das Militär und Sicherheitskräfte griffen ein.

Nach Angaben lokaler Medien beschwerten sich zudem einige Kandidaten, ihre Konkurrenten aus dem Lager der ehemaligen Partei von Präsident Hosni Mubarak und die Islamisten hätten noch am Morgen für ihre Kandidaten Flugblätter verteilt und Plakate aufgehängt. Dies ist in Ägypten so kurz vor Beginn der Wahl verboten. Im ersten Wahlgang, in dem rund 17 Millionen Menschen stimmberechtigt waren, hatten die Islamisten mit Abstand die meisten Stimmen erhalten.

"Verunglimpfung" der Armee

Ein Militärgericht bestätigte unterdessen die Verurteilung des Bloggers Maikel Nabil wegen "Verunglimpfung" der Armee. Er wurde zu einer zweijährigen Haftstrafe und eine Geldbuße von 200 ägyptischen Pfund verurteilt. Das Tribunal bestätigte ein früheres Urteil vom April, das als der erste Prozess gegen einen Blogger seit dem Sturz von Mubarak galt. Der 26-Jährige befindet sich im Hungerstreik. Menschenrechtsorganisationen und Oppositionelle hatten zu seiner Freilassung aufgerufen.

Bei der Wahlrunde am Mittwoch und Donnerstag waren 18,8 Millionen Wähler in neun Provinzen aufgerufen, ihre Stimme abzugeben. Sie wählen sowohl Direktkandidaten als auch Parteilisten und sollen 180 von insgesamt 498 Mandaten vergeben. Dafür haben sie bis einschließlich Donnerstagabend Zeit. Die Wahllokale öffnen diesmal unter anderem in Giza, Suez und Assuan.

Muslimbrüder vorne

Die erste Etappe dieser Marathonwahl hatte Ende November in Kairo, Alexandria und sieben weiteren Provinzen begonnen. Dort hatten die Muslimbrüder den ersten Platz belegt, gefolgt von den radikalen Islamisten. Linke und liberale Kandidaten erhielten nur wenige Sitze. Die dritte Wahletappe in den restlichen Provinzen beginnt am 3. Jänner.

Die Wahl wird begleitet von einem Streit über die vom Obersten Militärrat eingesetzte Übergangsregierung, die von einigen Gruppierungen nicht akzeptiert wird. Außerdem sind die Islamisten gegen ein vom Militärrat eingesetztes Beratergremium, das auch Einfluss auf die neue Verfassung haben soll. Die Militärs hatten nach dem erzwungenen Abgang von Mubarak im Februar die Macht übernommen. (APA/dpa)

suchoi7
00
16.12.2011, 16:43
Das hat JEDER gewusst, der Augen im Kopf hat

Aber ich denke auch die jungen Männer und Frauen in Ägypten hatten übersehen, wie es weitergehen wird. Mir tun die Studenten und Frauen leid, die so fest am Sturz von Mubarak beteiligt waren, die werden noch Augen machen!! Aber vielleicht ist es für das Volk besser, wenn die Muslime regieren und den westlichen Konsumkapitalismus aus dem Land jagen. Ich weiß es nicht und man muss die demokratische Entscheidung eines Volkes einfach annehmen. Aber wohl ist mir dabei nicht.

Der Q
00
15.12.2011, 19:24
das wird schlimmer als unter mubarak

dort wird ein gottesstaat errichtet werden, die bevölkerung durch und durch radikalisert, die frauen dürfen sich wieder bedecken, nicht mehr zur schule gehn und ein anschlag nach dem anderen folgen

dann bleiben die touristen aus und gute nacht

Arbeiter
01
14.12.2011, 22:12
Herr Karim ist wieder da! Er berichtete gerade recht konkret über die Salafisten:

Sie wollen die Strände geschlechtergetrennt, Alkoholverbot und die altägyptischen Statuen verhüllt. Sie akzeptieren aber, dass sie das erst durchsetzen werden, wenn sie die Mehrheit haben. Jetzt haben sie erst 25%. Herr Karim vom ORF weiß auch, dass die Salafisten Ägypten nicht kontrollieren werden. Aber er teilte uns recht konkret mit, dass die Salafisten die staatliche Umsetzung der Scharia anstreben. Danke, ORF!

Kowosch
 
00
15.12.2011, 20:23
Nun, das wird noch ein Machtkampf unter anderem zwischen den Extremisten und

den moderaten Muslimen werden:

http://bikyamasr.com/50784/for... -in-egypt/

Kennen wir aber ja auch hierzulande in verschiedenen Parteien, deren extremistischer Flügel auch nur Grauen hervorrufen kann (und die doch erstaunlich gut bei Wahlen abschneiden...).

Soll weder den einen noch den anderen Extremismus verharmlosen. Aber doch zum Nachdenken anregen, ob Außen - und Innenwahrnehmung sich immer ganz entsprechen.

Arbeiter
00
14.12.2011, 21:45
Bitte, bitte, wer weiß, wo Herr Karim ist? Ich komme wenig zum Fernsehen, wo ist Herr Karim el Gawhary vom ORF?

Wo sind überhaupt die, die uns seit Jahresanfang von der "Demokratiebewegung" erzählt haben? Schon im Sommer berichtete der IHT von einer riesigen Salafistendemonstration auf dem berühmten Platz und in Ö war davon nichts zu hören und zu lesen. Die ganze Geschichte ist doch ein grausliches Beispiel medialer Gleichschaltung im Sinn politisch korrekter Berichterstattung.

NONE
02
14.12.2011, 19:35

Die Macht teilen werden sich:

- Armee
- Muslimbrüder
- Salafisten

Also drei radikale Massenmörder. Wobei die Muslimbrüder ja fast "normal" sind verglichen mit den anderen beiden Gruppierungen.

Fast 1000 Tote um den Mubarak-Clan zu entfernen. Ob es das wert war? Hmm. Schwer zu sagen...

prusiner
02
14.12.2011, 23:46
das mit dem

"fast" normal bei den Moslembrüdern ist schon eine gewagte Aussage; empfehle etwa Auseindersetzung mit den ideologischen Grundlagen (ein "Werk" gibt´s auch auf Deutsch, Wikipedia weist den Weg ..)

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