ÖVI-Ausblick

Run auf Immobilien setzt sich fort

Martin Putschögl, 14. Dezember 2011, 12:40

"Erstaunliche" Preisdynamik am Wiener Eigentums-Sektor, Rückgang "nicht absehbar" - ÖVI-Holzapfel: 700 Millionen aus Immobiliensteuer "völlig unrealistisch"

Der Österreichische Verband der Immobilientreuhänder (ÖVI) erwartet für das kommende Jahr weiterhin Preissteigerungen am österreichischen Immobilienmarkt. Insbesondere am Wohnimmobiliensektor sei die Nachfrage ungebrochen, und hier vor allem in den Ballungsräumen. "Unter 2000 Euro pro Quadratmeter sind in Wien bereits selbst Objekte in weniger gefragten Lagen kaum mehr zu bekommen", berichtete ÖVI-Maklersprecher Andreas Wollein am Mittwoch. In guten Lagen sind in der Bundeshauptstadt auch Preise von 4500 Euro möglich.

"Die Leute kommen und sagen: 'Ich habe Ersparnisse in der Größenordnung zwischen 100.000 und 500.000 Euro, welche Eigentumswohnung bekomme ich um dieses Geld?'", stelle Wollein fest. Wichtig sei derzeit die Veranlagung des Geldes, "alles Weitere wird man dann schon sehen".

Grazer Anlegerwohnungen: "Warme Semmeln"

Ähnlich ist die Situation in Graz, wie ÖVI-Landesstellenleiterin Patricia Reisinger erklärte. "Vor allem die typischen 2-Zimmer-Anlegerwohnungen in guter Vermietungslage gehen weg wie die warmen Semmeln." Neu errichtete Eigentumswohnungen sind in der steirischen Landeshauptstadt nicht mehr unter 3000 Euro pro Quadratmeter zu haben, das sei vor zwei Jahren noch anders gewesen. Die Preise für Penthouse-Wohnungen beginnen bei 4000 Euro.

Zugute komme den Vermietern in Graz, dass es im Vergleich zu Wien weniger mietenregulierte Wohnhäuser gebe, der freie Markt hat hier also in den letzten Jahren de facto voll zugeschlagen. Außerdem erleichtere der von Haus aus höhere Richtwert in der Steiermark (6,76 Euro gegenüber 4,91 Euro in Wien; Überblick siehe etwa hier) die Vermietung und damit die Attraktivität von Anlegerwohnungen noch zusätzlich. Die Mieten für gut ausgestattete, neu errichtete Grazer Kleinwohnungen (50-60 m²) bewegen sich bei um die 9 Euro.

"Erstaunliche" Preisdynamik am Wiener Eigentums-Sektor

In Wien liegen die durchschnittlichen Mietpreise zwischen 8 und 16 Euro je m², mit traditionell hohen Unterschieden zwischen den Bezirken. Hier wurden heuer nur leichte Steigerungen verzeichnet. Innerstädtisch können die Angebotsmieten für sehr gut ausgestattete Objekte bis zu 13 Euro betragen, in weniger guten Lagen außerhalb des Gürtels liegen sie im Bereich zwischen 7 und 9 Euro (siehe Grafik 1).

Die Preisdynamik am Wiener Eigentumsmarkt allerdings, "die erstaunt selbst Immobilienexperten. Aktuell werden Eigentumswohnungen zu Quadratmeterpreisen gekauft, die vor wenigen Jahren nicht als marktkonform gegolten hätten", berichtete Wollein. Und: „Ein Sinken der Preise ist derzeit nicht absehbar."

In guten Lagen (ohne 1. Bezirk) werden für neu errichtete Eigentumswohnungen Kaufpreise im Bereich von 3000 bis 5000 Euro bezahlt. Dachgeschoßausbauten kosten je nach Lage im Schnitt zwischen 3500 und 5500 Euro. Für gebrauchte Eigentumswohnungen in mäßigen Lagen werden 2000 bis 3000 Euro je m² erzielt.

Eine Liga für sich ist wie immer der 1. Bezirk: Die Kaufpreise können hier auch 16.000 Euro erreichen, im Schnitt bewegt sich das Niveau bei 10.000 Euro je Quadratmeter (siehe Grafik 2).

20 Jahre im Zeitraffer

Wollein unternahm am Mittwoch auch einen kurzen Rückblick ins Jahr 1993. Damals ging eine "kleine Blase" zu Ende, die der geplanten Bewerbung Wiens für die Expo 1995 (gemeinsam mit Budapest) geschuldet war. Aus den Plänen wurde bekanntlich nichts, nur die Immobilienpreise legten stark zu. Nach 1993 gab es sieben Jahre lang fallende Preise, die Rückgänge betrugen jährlich ein bis zwei Prozent (inflationsbereinigt).

Von 2000 bis 2008 ging es dann wieder in die andere Richtung, die Preise stiegen jährlich moderat an. Nach der Bankenkrise 2008 sei es dann zu einem "kurzen Stillstand" bis Anfang 2009 gekommen, so Wollein - und seither geht es stark bergauf: Die weiterhin anhaltende Flucht in Sachwerte hat Preisanstiege von fünf bis sechs Prozent pro Jahr zur Folge, dabei steht das reine "Parken" des Geldes ganz klar im Vordergrund - die Rendite ist zweitrangig.

Niedrige Renditen am Investmentmarkt

Auch am Investmentmarkt sei die Nachfrage weiter hoch, das Angebot dünne sich aber zusehends aus. Bei den am meisten nachgefragten Objekten - Mietshäuser außerhalb des Anwendungsbereichs des Mietrechtsgesetzes (MRG) - sei das Marktvolumen heuer sogar gesunken, berichtete ÖVI-Vorstandsmitglied Margret Funk. Die Renditen bewegen sich in diesem Segment zwischen 1,6 und 3,6 Prozent im 1. Bezirk bzw. zwischen 2,7 und 6,5 Prozent in der restlichen Bundeshauptstadt.

Die niedrigen Renditen einerseits, und Preisspannen von 650 bis 1750 Euro (16./17. Bezirk) oder 1050 bis 2550 (8./9. Bezirk) andererseits machen die Wohnungseigentumsbegründung in Zinshäusern und den anschließendem Abverkauf der Wohnungen zu einem attraktiven Geschäftsmodell für Investoren.

700 Millionen durch Immobiliensteuer "völlig unrealistisch"

ÖVI-Geschäftsführer Anton Holzapfel äußerte sich am Mittwoch außerdem zur Idee, die eben eingeführte Vermögenszuwachssteuer auch auf Immobilien auszudehnen - sprich: die Spekulationsfrist von zehn Jahren, nach deren Ablauf Immobilien ohne Besteuerung des Wertgewinns verkauft werden können, sozusagen unbegrenzt auszudehnen. Eine solche Steuer werde "bei weitem nicht jene Mittel einbringen, die da genannt werden". Kanzler  Werner Faymann (SPÖ) stellte für diesen Fall - wie berichtet - Einnahmen von 700 Millionen Euro pro Jahr in Aussicht.

Holzapfel nannte diesen Betrag "völlig unrealistisch". Man müsse schließlich auch die Inflation berücksichtigen, um eine Substanzbesteuerung zu vermeiden. Und außerdem sei "die Gruppe, die das wirklich betreffen würde, viel kleiner als der Bundeskanzler denkt". Der ÖVI-Geschäftsführer wünscht sich im Allgemeinen von der Politik, dass sie "zuerst auf der Ausgabenseite saniert, bei der Verwaltung". (Martin Putschögl, derStandard.at, 14.12.2011)

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ÖVI

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 81
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roland geheim
01
14.12.2011, 22:56
eindeutige anzeichen einer immo-blase...

vor allem in wien - wenn ich im 22ten außenbezirk 40qm² freifinanzierte eigentumswohnungen um 150keur sehe: da kann ich nur lachen...

den vermeintlichen käufern viel spaß - da bannt sich ein mächtiger verlust in den nächsten jahren an

aber einen gewinner gibt's selbst in der krise: den immotreuhänder ;-))

nur meine meinung

natoll
00
15.12.2011, 11:02

von dieser angeblichen blase wird aber seit jahrzehnten gesprochen. wirklich runter gingen die preise aber nie.

Club-der-dichten-Toten
00
15.12.2011, 11:37
wirklich runter gingen die preise aber nie.

Was haben Sie an "Nach 1993 gab es sieben Jahre lang fallende Preise, die Rückgänge betrugen jährlich ein bis zwei Prozent (inflationsbereinigt)." aus dem Artikel nicht verstanden?

natoll
00
19.12.2011, 07:42

nicht von verstehen reden wenn man nur einen satz liest ....

Club-der-dichten-Toten
00
19.12.2011, 09:57

Dann erklären Sie mir Ihren Satz "wirklich runter gingen sie aber nie" bitte im Zusammenhang mit "Nach 1993 gab es sieben Jahre lang fallende Preise, die Rückgänge betrugen jährlich ein bis zwei Prozent (inflationsbereinigt)."

Wer 1994 eine Wohnung gekauft hat und diese 1999 wieder verkauft hat, wird ja wohl keinen Gewinn gehabt haben, insoferne ist Ihre Feststellung faslch.

Chocoholic
00
17.12.2011, 22:56
Und von 2000 bis 2011?

Urban Loritz
 
00
18.12.2011, 20:55

Einen wesentlichen Beitrag hierzu leistet sicher die Zuwanderung.

@Q@
13
14.12.2011, 19:42

Steigende Immobilienpreise bei niedrigem Realzinsniveau und auch Leerstände sind ein Zeichen von Marktversagen. Es ist im Interesse aller (99%), wenn Immobilienpreise keine heftigen Bewegungen nach oben oder unten machen. Funktionierende Immobilienmärkte, die den Zweck der effizienten Ressourcenallokation erfüllen brauchen eine ausreichend hohe zum Verkehrswert proportionale Grundsteuer und die Verpflichtung Immobilien, die nicht als Eigenheim genutzt werden, regelmäßig öffentlich anzubieten. Nur dann kann ein zusammenbrechen der Angebotsseite im Markt verhindert werden.

Isegrim1
00
15.12.2011, 00:13

Sie sind lustig was machen Sie wenn sie ein Haus renovieren oder neuerrichten wollen, aber noch eine von 30 Wohnungen in Bestand haben und warten bis der letzte Mieter draußen ist?
Außerdem Grundsteuer trifft nur den Vermieter der lacht nur dazu.

Gobi Todic
10

wenn die wohnung vermietet ist: ja.

wenn nicht: den zocker.

Challange122
00
17.12.2011, 16:04

die anderen Wohnungen befristet vermieten.

Isegrim1
00
15.12.2011, 02:25

"nur den Mieter..."

Bastibastibasti
25
14.12.2011, 17:38

warum passt man nicht endlich die alten mietverträge an? gehen da so viele wählerstimmen verloren?

es gibt noch immer leute, die dadurch unter 100 euro für eine 50 quadratmeterwohnung aufwärts bezahlen.

ist das eu rechtlich überhaupt erlaubt?

bei auflösung würden sich die preise sehr schnell in die andere richtung drehen, da dann endlich mehr/neue immobilien auf den markt kommen die man jetzt für nahezu kein geld vermieten muss.

soziale gerecht ist es nicht und wenn nur auf die kosten von anderen zu wohnen ist eine frechheit.

vater staat, warum gibt es das noch immer? kannst du dir nicht genug sozialhilfewohnungen leisten, sodass du diese menschen anderen aufbürden musst?

Saurer Zivi
00
14.12.2011, 18:16
Sie haben doch seit dem 3.WÄG eine markante Anpassungsdynamik durch § 46 MRG, weil die "Urkategorie" aufgegeben wurde.

Urban Loritz
 
00
18.12.2011, 20:56

Anpassungs"dynamik" auf sagenhafte € 3,08 pro m²...

Saurer Zivi
00
18.12.2011, 23:15
foisch!

3,25 € / m2.

Sie bekommen auf 100m2 224€ mehr!!!

bildungsferneschicht
07
14.12.2011, 18:11
psst.

im standardforum dürfens sowas nicht posten.

the comedian
 
25
14.12.2011, 17:38
und die politik sieht diesem irrsinn

gedanken bis gewissenlos zu.
ein durchschnittlicher angestellter ohne ererbten vermögen kann sich heute nur noch einen platz zum schlafen leisten.
jedes legohaus ist realistischer bewertet als diese "realitäten"

Stephen Ferrando
21
14.12.2011, 17:08

Viele Vermieten die Wohnungen schwarz und sparen sich so Abgaben und Steuern. Einkommenssteuer fällt auch keine an.

Das sollte die Finanz mal prüfen, es stehen nicht so viele Wohnungen Leer wie angegeben. Die werden unter der Hand vermietet, der Vermieter kommt monatlich und holt sich die Miete bar ab.

Cucumuch
12
14.12.2011, 16:56
deswegen zieht man ins weitere Wiener Umfeld,

hat dort ums gleiche Geld doppelt so viele m^2 + 1000 m^2 Garten und wartet in Ruhe ab, bis die Zeiten schechter werden und man die Wohnungen um einen Bruchteil des heutigen Preises bekommt :-)
Selber Schuld wer jetzt kauft!

mfg

Chocoholic
00
17.12.2011, 22:58
Das ist aber recht einfach: drei oder vier Monate beweisen können,

Und der Mieter hat das unbefristete Standardmietrecht....

DD1981
01
14.12.2011, 16:48

Gibt es echt so viele Leute die 100.000-500.000 Euro am Konto haben und nicht wissen wohin damit????

Nee-Chee
02
15.12.2011, 10:06
Nein, es gibt

wenige Leute, die noch viel mehr Geld herumliegen haben.

Lionel Cosgrove
31
14.12.2011, 17:59
ja,

es gibt sehr viele Leute mit sehr viel Geld

die Politik der ÖVP zeigt eben Wirkung

ravenna
10
14.12.2011, 20:34

Ja, echter Wahnsinn. Es gibt tatsächlich noch soetwas wie einen Mittelstand in Österreich.

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