Parasitäre Meeresschnecke in Südengland entdeckt

17. Dezember 2011, 18:02
2 Postings

Seltener Fund liefert Daten zum ökologischen Zustand der nordeuropäischen Gewässer

Ein internationales Forscherteam hat vor der Küste der englischen Grafschaft Cornwall eine neue Schneckenart entdeckt. Dass das etwa zwei Zentimetern große wunderschöne Tier bisher nicht aufgefallen ist, ist eher ungewöhnlich. "Die biologische Vielfalt der europäischen Gewässer ist eigentlich gut erforscht, es werden nur noch selten neue Spezies dieser Größe entdeckt," meint Christian Melaun vom deutschen Biodiversität und Klima Forschungszentrums (BiK-F). Der erfreuliche Fund liefert darüber hinaus auch wertvolle Informationen über den ökologischen Zustand der Gewässer vor der südenglischen Küste.

Melaun ist Leitautoren der Beschreibung und sieht in der Entdeckung einen Ansporn: "Dieser Fund zeigt, dass es sich noch immer lohnt, die marine Biodiversität Europas genauer zu untersuchen." Der Forscher hat gemeinsam mit einem deutschen Kollegen vor der Küste Cornwalls gefundene Schnecken als neue Art erkannt und erstmals beschrieben. Wie die Forscher im Fachmagazin "Molluscan Research" berichteten, handelt es sich um eine Eischneckenart, die als Parasit auf einer temperaturempfindlichen Fächerkorallenart lebt. Aus dem Auftreten der Schnecken könnten daher Informationen über den Zustand mariner Lebensräume gewonnen werden.

Ein orange-glänzendes Gehäuse und darüber ein braun gestreifter, transparenter Mantel - so sieht sie aus, die neu entdeckte Atlantikbewohnerin. Dabei war zunächst unklar, ob es sich bei der Schnecke Simnia hiscocki tatsächlich um eine eigene Art handelt. Eine Analyse von Gehäuse und Mundwerkzeugen brachte nun ans Licht, dass es um eine bisher unbeschriebene Art aus der Familie der Eischnecken (Ovulidae) handelt. Eine ebenfalls vor der Küste Cornwalls, den Isles of Scilly und im Atlantik vor der französischen Küste vorkommende Schwesterart wurde bereits Ende des 18. Jahrhunderts beschrieben.

Korallen-Parasiten

Eischnecken sind Parasiten, die auf der Außenseite von Weichkorallen leben. Die Schneckenarten dieser Familie sind vornehmlich in tropischen und subtropischen Gewässern zu finden; nur wenige kommen in kälteren Gewässern vor. Während andere Arten aus der Familie mehrere Weichkorallenarten besiedeln können, hat sich Siminia hiscocki auf die pinkfarbene, etwa 20 Meter unter der Wasseroberfläche lebende, Warzige Fächerkoralle spezialisiert.

Diese eindeutige Präferenz für einen Wirt diente ebenfalls als Abgrenzungsmerkmal zu Schwesternarten. Der Klimawandel führt dazu, dass sich die durchschnittliche Wassertemperatur der Ozeane langsam aber stetig erhöht. Weichkorallen, wie die Warzige Fächerkoralle, reagieren jedoch sehr empfindlich auf Wassertemperaturen oberhalb einer gewissen Toleranzschwelle.

Schlechte Bedingungen - mehr Parasiten

Je ungünstiger die Umweltbedingungen, desto höher ist auch die Anfälligkeit der Weichkorallen für Parasiten und damit für die neue beschriebene Schnecke. Je schlechter es der Warzigen Fächerkoralle geht, desto stärker könnte sie also durch die Schnecken besiedelt werden - so die These der Forscher. Laut Melaun könnte daher die Erhebung des Auftretens und der Anzahl von Eischnecken, die sich auf einen bestimmten Wirt spezialisiert haben, ein vielversprechender Beitrag zum Monitoring von Umweltfaktoren wie Verschmutzung und Klimawandel sein. (red)


Abstract
Molluscan Research: A new species of Simnia from England (Caenogastropoda: Ovulidae) - pdf-Dokument

  • Die neu entdeckte Siminia hiscocki vor der Küste Plymouths in Cornwall. Die Schnecke hat ein etwa zwei Zentimeter großes, orange-glänzendes Gehäuse und darüber trägt sie einen braun gestreiften, transparenten Mantel.
    foto: jason gregory

    Die neu entdeckte Siminia hiscocki vor der Küste Plymouths in Cornwall. Die Schnecke hat ein etwa zwei Zentimeter großes, orange-glänzendes Gehäuse und darüber trägt sie einen braun gestreiften, transparenten Mantel.

Share if you care.