Nokia ätzt: Jugend hat von iPhone und Android genug

User, die am neuesten Stand sein wollen, wechseln zu Windows Phone, ist Nokias Produkt-Marketing-Chef überzeugt

Mit sinkenden Marktanteilen und einem lauen Marktstart seines neuen Smartphone-Flaggschiffs Lumia 800 ist der einstige Marktführer Nokia eigentlich nicht in der Position große Töne über die Konkurrenz zu spucken. Niels Munksgaard, oberster Chef von Nokias Portfolio und Produkt Marketings, ließ es sich dennoch nicht nehmen im Interview mit Pocket-lint zu erklären, dass Android und iPhone die Jugend eigentlich nicht mehr interessiere.

"Jeder hat das iPhone"

"Was wir bemerken ist, dass die Jugend von iPhones genug hat. Jeder hat das iPhone. Außerdem sind viele mit der Komplexität von Android und der mangelnden Sicherheit nicht glücklich. Wir sehen zunehmend, dass die Jugend, die auf dem neuesten Stand sein will und etwas Neues ausprobieren will, zur Windows Phone Plattform wechselt", erklärte Munksgaard.

"Pinkel"-Vergleich

Es ist nicht das erste Mal, dass sich ein Nokia-Manager mit Aussagen über die Konkurrenz in die Nesseln setzt. Ende 2010 erklärte der damalige Chef der Smartphone-Abteilung, Anssi Vanjoki, Android einzusetzen sei wie finnische Buben, die "in die Hosen pinkeln" um sich im Winter warm zu halten. Zum damaligen Zeitpunkt dementierte Nokia noch offiziell, zu einem fremden Betriebssystem wechseln zu wollen. Der Deal mit Microsoft wurde kurz darauf Anfang 2011 bekannt gegeben.

Vielfalt mit Nokia-Diensten

Das iPhone biete keine Vielfalt, erklärte Munksgaard in dem Interview weiter. Nokia hingegen wolle Services und Geräte schaffen, die sich vom einheitlichen Markt abgeben. Das könne das Unternehmen etwa mit seinem Musik- und Kartendiensten, aber auch mit dem Design des Lumia 800 erreichen. Nokias erstes Windows Phone hat in Tests damit auch durchaus positive Kritiken erhalten.

Verkaufszahlen

Berichte über die bisherigen Verkäufe sind jedoch gemischt. Einige europäische Provider verkündeten, dass das Lumia hinter dem iPhone 4S das meistverkaufte Gerät sei. Mehrere Anbieter haben das Gerät nach dem Marktstart als ausverkauft gelistet. Brancheninsider meinen, dass hier einiges beschönigt werde. Ein Blick auf die Preisvergleichsplattform Geizhals zeigt, dass die meisten Kunden an Samsungs Android-Smartphones interessiert sind. Auf Amazon (international, wie auf den regionalen Seiten) führen ebenfalls Android-Smartphones.

Hinter Erwartungen?

Die Ausverkäufe seien auf zu geringe Stückzahlen zurückzuführen (eine Taktik, die auch Apple bei jedem Start eines neuen iPhones oder iPads gerne anwendet). Zudem habe es Aktionen gegeben, bei dem zum Lumia 800 noch eine Xbox 360 dazugelegt wurde, weshalb viele Kunden zugeschlagen hätten. Analysten gehen davon aus, dass die Verkaufszahlen hinter den Erwartungen liegen. Nokia hat bislang keine offiziellen Zahlen vorgelegt. In Österreich landet das Lumia 800 erst Anfang 2012. (br)

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