Gemeinderat in Gföhl lässt Volksbefragung im Februar 2012 durchführen - Kirchenvertreter warnen vor "unsachlichen Diffamierung des Buddhismus"
Gföhl - In Gföhl soll mit einem buddhistischen Stupa-Gebäude das laut Homepage der Waldviertler Stadtgemeinde größte Weltfriedensdenkmal Europas entstehen. Südlich der Bundesstraße 37 ist neben dem 30 Meter hohen Stupa mit einem Durchmesser von 25 Metern ein rund 600 Quadratmeter großes Gebäude mit Gemeinschaftsräumen, Wohnstudios für die Ordensmönche und -nonnen sowie Meditationsräumen geplant. Am Dienstag beschloss der Gföhler Gemeinderat eine Volksbefragung zum umstrittenen Thema.
Eine Wiener Stiftung will das Vorhaben realisieren. Der Gföhler Bürgermeister Karl Simlinger tritt für das Projekt ein. Seine Zustimmung wird von vielen Gföhlern allerdings offenbar nicht geteilt. Zuletzt hatte zudem BZÖ-NÖ-Chef Ewald Stadler einer Initiative zur Verhinderung des Baus seine rechtliche Unterstützung zugesichert: "Wir brauchen diesen Götzentempel nicht", zitierte der "Kurier" Stadler.
"Unsachliche Diffamierung"
Am Montag haben namhafte kirchliche Persönlichkeiten im Zusammenhang mit dem Bau einer buddhistischen Friedenspagode in Gföhl eine "sachliche und respektvolle Diskussion" eingemahnt. Es könne nicht angehen, "eine Ablehnung mit einer unsachlichen Diffamierung des Buddhismus zu verbinden", heißt es in einer öffentlichen Erklärung. Diese wurde unter anderem vom Altenburger Abt Christian Haidinger, "Furche"-Herausgeber Heinz Nußbaumer und dem Dekan der Katholisch-Theologischen Fakultät der Universität Wien, Martin Jäggle, und Ernst Fürlinger vom Zentrum Religion und Globalisierung der Donau-Universität Krems unterzeichnet.
Die kirchlichen Vertreter halten in ihrer Erklärung wörtlich fest: "Wenn praktizierende Katholiken den Buddhismus als Sekte hinstellen oder bezogen auf das geplante Bauwerk von einem 'Götzentempel' sprechen, wird damit eine Grenze überschritten." Dies erinnere an Zeiten, "in denen man die Gotteshäuser anderer Religionen auf feindselige Weise diffamierte".
Volksbefragung im Februar
Der nun erfolgte Gemeinderatsbeschluss sieht für 12. Februar 2012 die Durchführung einer Volksbefragung durch. Die Gföhler Bevölkerung soll entscheiden, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll. Laut Auskunft des Bürgermeisters haben sich nur zwei von 23 Gemeinderäten gegen die Befragung ausgesprochen. Er erhoffe sich eine noch breitere Mehrheit zugunsten des Stupa, so Simlinger, der durch den Bau nicht zuletzt touristische Impulse für Gföhl erwartet. (APA)