Menschen, die bei Facebook ausgestiegen sind oder nie Teil des Netzwerk waren und trotzdem ein Leben haben
Die New York Times hat sich mit Menschen beschäftigt, die aus unterschiedlichen Gründen bei Facebook ausgestiegen sind oder nie Mitglied waren. So z.B. Tyson Balcomb, ein Medizinstudent aus Oregon. Eines Tages fuhr er mit einer Frau im Aufzug, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Dennoch wusste er, wie ihr Bruder aussieht, wo sie geboren wurde und wo sie auf Urlaub war.
"Ein wenig ungesund"
Das alles wusste er, weil die beiden einige gemeinsame Facebook Freunde hatten. Dieses Ereignis gab ihm zu denken. Er dachte, "das ist ein wenig ungesund" und stieg bei Facebook aus.
Immer mehr wenden sich ab
Jenna Wortham, die Autorin des New York Times Artikel, schreibt, dass immer mehr Menschen sich von Facebook abwenden, weil sie nicht mehr bereit sind, ihr Privatleben zu veröffentlichen. So empfanden einige, dass Facebook sie ihren Freunden und Kollegen nicht näher bringt, sondern sie sich durch das soziale Netzwerk von einander entfernten.
Die ehemalige Facebook-Userin Ashleigh Elser sagt: "Ich habe meine Freunde nicht mehr angerufen. Ich habe nur ihre Bilder gesehen und ihre Status-Meldungen gelesen und hab mich wirklich mit ihnen verbunden gefühlt." Daraufhin hat sie ihren Facebook-Account gelöscht.
Nachteile
Ein Leben ohne Facebook hat allerdings auch Nachteile. Mittlerweile werden die wichtigsten Ereignisse im Leben im Internet geteilt. Darum hat Elser auch einige Verlobungen oder Bilder von Neugeborenen verpasst. Allerdings ist ihr wichtiger, dass sie sich mit ihren engsten Freunden wieder stärker verbunden fühlt.
Vertrauen
Der meistgenannte Grund, warum Menschen nicht bei Facebook sind, ist die Wahrung der Privatsphäre. Amanda Lenhart betreibt Forschungen an Kindern, Jugendlichen und Familien beim Pew Internet and American Life Project. Sie ist der Meinung bei der Nutzung von sozialen Netzwerken geht es hauptsächlich um Vertrauen. "Facebook-Nutzer haben ein generelles Vertrauen in Andere und in Institutionen", sagte sie zur New York Times. Und sie fügte hinzu: "Einige entscheiden sich, Facebook nicht zu nutzen, weil sie Angst davor haben, was passieren könnte."
Es wird immer Verweigerer geben
So wie 16 Prozent der Amerikaner kein Handy haben, wird es auch bei Facebook imer Menschen geben, die sich nicht daran beteiligen, meinte sie weiter. Der Facebook-Vorstand erwartet auch nicht, dass einmal alle Menschen Facebook-Nutzer sind. Momentan wird daran gearbeitet, dass die Nutzer länger auf der Seite bleiben, um mit Werbung mehr Geld zu verdienen.
Ein Facebook-Sprecher sagte gegenüber der New York Times: "Unser Ziel ist es, den Menschen einen bedeutungsvollen, lustigen und freien Weg anzubieten, damit sie mit ihren Freunden in Verbindung treten können und wir hoffen, dass wir damit ein breites Publikum ansprechen.
Sinkende Zuwachszahlen
Während in Asien und Lateinamerika die Zukunftsmärkte für Facebook liegen, sie die Zuwachszahlen in den USA ernüchternd. Laut comScore hatte Facebook bis Oktober nur zehn Prozent mehr Besuchert als im Vorjahr. Letztes Jahr konnte das soziale Netzwerk noch um 56 Prozent zulegen.
Nutzer müssen bleiben
Für Ray Valdes, Analyst bei Gartner, ist der Meinung, dass die Verlangsamung des Zuwachs kein Problem für Facebook ist. Für das Netzwerk ist es wichtiger, dass es die Nutzer dazu bringt immer wieder zurückzukommen und auf der Seite zu bleiben. "Sie sind mehr darüber besorgt, dass der Neuheitsfaktor abzublättern droht. Das ist ein wiederkehrendes Problem, das sie zu lösen haben und es gibt keine permanente Lösung.", sagt Valdes.
"Virtuelles Durcheinander"
Erika Gable, PR-Beraterin aus Brooklyn, hat nie verstanden, was an Facebook so toll sein soll. Für sie ist die Seite ein virtuelles Durcheinander, das sie nicht braucht. "Wenn ich das zweite Baby meines Cousins fünften Grades wissen will, ruf ich ihn an", sagte sie zur New York Times.
"Zu viele Horrorgeschichten"
Will Brennan, ebenfalls aus Brooklyn, sagt, dass er zu viele Horrorgeschichten über die Gefahren für die Privatsphäre auf Facebook gehört hat. Seine Freunde hätten nicht immer Verständnis für seine abwehrende Haltung gegenüber sozialen Medien, sagt er weiter. "Ich werde mindestens zweimal im Monat gebeten beizutreten und bekomme eine Strafpredigt, wenn ich ihre Pläne durchkreuze und nicht auf Facebook bin", so Brennan.
"Kein Nesthocker"
Nicht bei Facebook zu sein, löst meistens heftige Diskussionen aus. So ähnlich als hätte man in den 1990er Jahren keinen Fernseher besessen. "Die Leute heben immer eine Augenbraue", sagt Chris Munns, System Administrator in New York. "Aber ich lebe ganz gut ohne es. Ich bin kein Nesthocker. Ich habe Freunde und ein ziemlich angenehmes Leben in Manhattan, also kann ich nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, mir fehlt etwas in meinem Leben", sagt Munns.
"Hat man etwas zu verstecken?"
Susan Etlinger, Analystin bei der Altimeter Gruppe, glaubt dass der Gruppenzwang weiter zunehmen wird. "Man wird sich der Fragen der Leute stellen müssen, warum man nicht in den sozialen Kanälen unterwegs ist. Hat man etwas zu verstecken?", sagt Etlinger und fügt hinzu: "Die Normen verschieben sich."
Vorteile
Für Munns hatte es aber auch schon Vorteile, nicht Teil von Facebook zu sein. So habe er bei Rendezvous davon profitiert, dass das Date zuvor nicht sein ganzes Leben durchstöbern konnte.
Background-Check
Die Facebook-Verweigerin Erika Gable hingegen bittet ihre Freunde, einen Background-Check zu machen, wenn sie sich mit einem Mann trifft. "Wenn ich auf einen Typen steh, lass ich ihn von meinen Freunden checken", sagt Gable, "aber weiter geht es nicht. (soc)