Ausstieg

Trend: Leben ohne Facebook

14. Dezember 2011, 11:01

Menschen, die bei Facebook ausgestiegen sind oder nie Teil des Netzwerk waren und trotzdem ein Leben haben

Die New York Times hat sich mit Menschen beschäftigt, die aus unterschiedlichen Gründen bei Facebook ausgestiegen sind oder nie Mitglied waren. So z.B. Tyson Balcomb, ein Medizinstudent aus Oregon. Eines Tages fuhr er mit einer Frau im Aufzug, die er noch nie zuvor gesehen hatte. Dennoch wusste er, wie ihr Bruder aussieht, wo sie geboren wurde und wo sie auf Urlaub war.

"Ein wenig ungesund"

Das alles wusste er, weil die beiden einige gemeinsame Facebook Freunde hatten. Dieses Ereignis gab ihm zu denken. Er dachte, "das ist ein wenig ungesund" und stieg bei Facebook aus.

Immer mehr wenden sich ab

Jenna Wortham, die Autorin des New York Times Artikel, schreibt, dass immer mehr Menschen sich von Facebook abwenden, weil sie nicht mehr bereit sind, ihr Privatleben zu veröffentlichen. So empfanden einige, dass Facebook sie ihren Freunden und Kollegen nicht näher bringt, sondern sie sich durch das soziale Netzwerk von einander entfernten.

Die ehemalige Facebook-Userin Ashleigh Elser sagt: "Ich habe meine Freunde nicht mehr angerufen. Ich habe nur ihre Bilder gesehen und ihre Status-Meldungen gelesen und hab mich wirklich mit ihnen verbunden gefühlt." Daraufhin hat sie ihren Facebook-Account gelöscht.

Nachteile

Ein Leben ohne Facebook hat allerdings auch Nachteile. Mittlerweile werden die wichtigsten Ereignisse im Leben im Internet geteilt. Darum hat Elser auch einige Verlobungen oder Bilder von Neugeborenen verpasst. Allerdings ist ihr wichtiger, dass sie sich mit ihren engsten Freunden wieder stärker verbunden fühlt.

Vertrauen

Der meistgenannte Grund, warum Menschen nicht bei Facebook sind, ist die Wahrung der Privatsphäre. Amanda Lenhart betreibt Forschungen an Kindern, Jugendlichen und Familien beim Pew Internet and American Life Project. Sie ist der Meinung bei der Nutzung von sozialen Netzwerken geht es hauptsächlich um Vertrauen. "Facebook-Nutzer haben ein generelles Vertrauen in Andere und in Institutionen", sagte sie zur New York Times. Und sie fügte hinzu: "Einige entscheiden sich, Facebook nicht zu nutzen, weil sie Angst davor haben, was passieren könnte."

Es wird immer Verweigerer geben

So wie 16 Prozent der Amerikaner kein Handy haben, wird es auch bei Facebook imer Menschen geben, die sich nicht daran beteiligen, meinte sie weiter. Der Facebook-Vorstand erwartet auch nicht, dass einmal alle Menschen Facebook-Nutzer sind. Momentan wird daran gearbeitet, dass die Nutzer länger auf der Seite bleiben, um mit Werbung mehr Geld zu verdienen.

Ein Facebook-Sprecher sagte gegenüber der New York Times: "Unser Ziel ist es, den Menschen einen bedeutungsvollen, lustigen und freien Weg anzubieten, damit sie mit ihren Freunden in Verbindung treten können und wir hoffen, dass wir damit ein breites Publikum ansprechen.

Sinkende Zuwachszahlen

Während in Asien und Lateinamerika die Zukunftsmärkte für Facebook liegen, sie die Zuwachszahlen in den USA ernüchternd.  Laut comScore hatte Facebook bis Oktober nur zehn Prozent mehr Besuchert als im Vorjahr. Letztes Jahr konnte das soziale Netzwerk noch um 56 Prozent zulegen.

Nutzer müssen bleiben

Für Ray Valdes, Analyst bei Gartner, ist der Meinung, dass die Verlangsamung des Zuwachs kein Problem für Facebook ist. Für das Netzwerk ist es wichtiger, dass es die Nutzer dazu bringt immer wieder zurückzukommen und auf der Seite zu bleiben. "Sie sind mehr darüber besorgt, dass der Neuheitsfaktor abzublättern droht. Das ist ein wiederkehrendes Problem, das sie zu lösen haben und es gibt keine permanente Lösung.", sagt Valdes.

"Virtuelles Durcheinander"

Erika Gable, PR-Beraterin aus Brooklyn, hat nie verstanden, was an Facebook so toll sein soll. Für sie ist die Seite ein virtuelles Durcheinander, das sie nicht braucht. "Wenn ich das zweite Baby meines Cousins fünften Grades wissen will, ruf ich ihn an", sagte sie zur New York Times.

"Zu viele Horrorgeschichten"

Will Brennan, ebenfalls aus Brooklyn, sagt, dass er zu viele Horrorgeschichten über die Gefahren für die Privatsphäre auf Facebook gehört hat. Seine Freunde hätten nicht immer Verständnis für seine abwehrende Haltung gegenüber sozialen Medien, sagt er weiter. "Ich werde mindestens zweimal im Monat gebeten beizutreten und bekomme eine Strafpredigt, wenn ich ihre Pläne durchkreuze und nicht auf Facebook bin", so Brennan.

"Kein Nesthocker"

Nicht bei Facebook zu sein, löst meistens heftige Diskussionen aus. So ähnlich als hätte man in den 1990er Jahren keinen Fernseher besessen. "Die Leute heben immer eine Augenbraue", sagt Chris Munns, System Administrator in New York. "Aber ich lebe ganz gut ohne es. Ich bin kein Nesthocker. Ich habe Freunde und ein ziemlich angenehmes Leben in Manhattan, also kann ich nicht sagen, dass ich das Gefühl habe, mir fehlt etwas in meinem Leben", sagt Munns.

"Hat man etwas zu verstecken?"

Susan Etlinger, Analystin bei der Altimeter Gruppe, glaubt dass der Gruppenzwang weiter zunehmen wird. "Man wird sich der Fragen der Leute stellen müssen, warum man nicht in den sozialen Kanälen unterwegs ist. Hat man etwas zu verstecken?", sagt Etlinger und fügt hinzu: "Die Normen verschieben sich."

Vorteile

Für Munns hatte es aber auch schon Vorteile, nicht Teil von Facebook zu sein. So habe er bei Rendezvous davon profitiert, dass das Date zuvor nicht sein ganzes Leben durchstöbern konnte.

Background-Check

Die Facebook-Verweigerin Erika Gable hingegen bittet ihre Freunde, einen Background-Check zu machen, wenn sie sich mit einem Mann trifft. "Wenn ich auf einen Typen steh, lass ich ihn von meinen Freunden checken", sagt Gable, "aber weiter geht es nicht. (soc)

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Lesekrawatte
00
25.12.2011, 17:37
ein leben ohne facebook wäre wie ein leben ohne kachelofen

Mit meinem iPhone 4S gesendet.

SollIDaWosSogn
00
20.12.2011, 23:46
Wie verhält sich Spotify...

wenn ich meinen Facebook Account lösche?
Kann mir das jemand verraten? Dies ist der einzige Grund, der mich noch an Facebook "bindet" :)

stretfordender
11
15.12.2011, 13:17
mein Respekt vor diesen Leuten!

"So empfanden einige, dass Facebook sie ihren Freunden und Kollegen nicht näher bringt, sondern sie sich durch das soziale Netzwerk von einander entfernten."

WORD!!!

Loonquawl
01
19.12.2011, 11:41
respekt naja

deren ihre Meinung. ich habe seit FB wesentlich mehr Kontakt zu meinen Bekanntschaften in Japan, China, Australien, USA, Spanien.....etc.
Das gefällt mir.
Ich finde FB nicht böse, es ist nur ein weiteres Tool dass uns der Zeitgeist gebracht hat und jeder muss für sich entscheiden wie er/sie es nutzt.

meineMeinung1969
02
15.12.2011, 21:23
Respekt, ...

... nur weil jemand nicht im Facebook ist? Na ja ...

mM

zweyenstein
 
03
15.12.2011, 12:26
facebook ist weder gut noch böse.

es ist wie ein messer: mit dem kannst du jemanden erstechen. oder dir ein butterbrot schmieren. wer mag kank sich auch noch ein wenig schnittlauch draufschneiden!

Euroumrechner
02
15.12.2011, 15:38

Der Vergleich hinkt.
Wenn ich das Messer einmal benutze aber dann nichts mehr damit mache, tut das Messer von allein überhaupt nix.
Bei FB ist das nicht so, das agiert auch ohne mein zutun.

Loonquawl
01
19.12.2011, 11:43

was tut FB ohne dein zutun? deine anonymen daten verhökern? so what? das wird shcon ewig gemacht, nur auf kleienrem maßstab.

zeroed
03
15.12.2011, 12:22

hab mich (nachdem alle 3 tage ein neuer datenschutz skandal aufkam) auch vor etwa einem Jahr abgemeldet (was übrigens gar nicht so einfach war)
und habs nicht bereut, im gegenteil ich verbringe seitdem viel weniger zeit vorm pc, und zu meinen freunden hab ich genau so viel kontakt wie zuvor

was ich jedoch zugeben muss: der kontakt zu leuten die man erst durch facebook wieder gefunden hat (z.b. ehemalige schulkollgen, entfernte verwandte etc.) geht dadurch wieder verloren, ist mir aber trotzdem ziemlich wurscht, weil ich der meinung bin nicht jeden hawara den ich irgendwo mal getroffen habe dauerhaft kennen zu müssen, hauptsache ich hab guten kontakt zu meiner familie und den echten freunden im real life und dazu brauch ich echt kein fb (

Bossa Nova do Brasil
31
15.12.2011, 12:21
WTF is Facebook?????

Lilian101
03
15.12.2011, 12:17
wow!

Ich bin wohl seit JAHREN Trendsetter!

Kein Facebook, kein Fernseher, ein altmodisches Handy (kein Smartphone) - und ja, ich lebe tatsächlich noch! Unglaublich aber wahr.

Warum hat noch keine Zeitung einen Artikel über mich geschrieben?

Und warum verwendet derstandard eigentlich die Beispiele von der New York Times - ich kenne genug Leute in Österreich, die kein Facebook verwenden. Selber recherchieren?

Loonquawl
00
19.12.2011, 11:46

naja, internet mit computer hast du ja anscheinend. streamst du die ein oder andere sendung fällt der fernsehr auch flach. handy hast du ja. und ob du email oder fb verwedest macht in meinen augen nicht viel unterschied. zum teilist fb einfach wesentlich praktischer.
wie soll ich sagen? autos ohne servolenkung sind auch gefahren.

Euroumrechner
02
15.12.2011, 12:07

Lieber Standard, wenn ihr wissen wollt, wie ein Leben ohne FB und Handy (!!!) möglich ist, nur zu, einfach mich fragen. Hab vor 8 Jahren mein Mobiltel an die Wand geschmissen, verwende seither nur noch das Festnetz und erfreue mich tagtäglich am Stress der anderen Leute auf der Straße während ich gemütlich weiter schländere. Und das sogar obwohl ich in einer Technologiebranche tätig bin.

RS69
 
01
15.12.2011, 12:16

Der sinnvolle Umgang wäre, ein Handy zu haben - und das nach Augenmass ab oder auf stumm zu drehen. Dann hat man die Vorteile der Erreichbarkeit, ohne die Nachteile in Kauf nehmen zu müssen.

Euroumrechner
00
15.12.2011, 12:23

Woher kommt eigentlich das Vorurteil man wäre nicht erreichbar wenn man kein Handy hat?

RS69
 
01
15.12.2011, 12:37

Daher, dass man nicht erreichbar ist. ;-)

Für Leute die Beruflich nicht weit vom fixen Arbeitsplatz mit Telefon wegkommen, und alles vorausplanen ist es weniger ein Thema.

Euroumrechner
00
15.12.2011, 12:56

Ausserdem gehts hier ja eher ums Privatleben, oder? Und beruflich, das geb ich zu, verwend ich notgedrungen auch manchmal ein Mobiltel.

RS69
 
00
15.12.2011, 13:19

Ich trenn das nicht.

Ich hab das Handy an, wenn ich erreichbar sein will, und auf lautlos, wenn ich nicht erreichbar sein will: In Meetings, am Abend, am Wochenende, ...

Man kann ja sogar in Gruppen einteilen, dass man für Frau, Freuned und Kinder erreichbar ist (und es klingelt) und für Andere nicht. Oder ganz lautlos schalten.

Aber eben jederzeit selbst raus telefonieren und online gehen, wenn man will.

--
Ich denk beim Handy geht's vor Allem um den Umgang mit erreichbarkeit, und nicht darum ob man das Gerät herumträgt oder nicht.

Euroumrechner
00
15.12.2011, 12:52

Arbeitest du auf der Strasse oder im Auto?

Und selbst wenn ich ein Händy hätte, hätte ich besseres zu tun als ständig für irgendwelche Trivialitäten erreichbar zu sein.

RS69
 
00
15.12.2011, 13:21

EIn Handy dabei zu haben bedeutet nicht, dass man immer ereichbar sein muss. Sondern, dass man immer wenn man will erreichbar sein kann, und auch selbst immer telefonieren kann.

Ich arbeite oft vor Ort bei meinen Kunden, manchmal in meinem Büro, manchmal zuhause, ... - und nur unregelmässig und selten in der Nähe des Festnetztelefones.

Euroumrechner
00
15.12.2011, 15:50

Tjo, wenn ich wollte, hätte ich eh ein Handy. Da ich aber meistens nicht gestört werden will, hab ich eben keins. Meine Leute wissen wie sie mich im Notfall erreichen und alle andern können mir entweder eine Mail schicken oder aufs Tonband sprechen. Moderne Telefone haben ja auch gewissen Schnickschnack wie Anrufslisten usw. ist ja nicht so wie 1980 als Telefone noch Drehscheiben hatten.

RS69
 
00
15.12.2011, 16:01

Für die meisten ist ein handy bequemer, weil man da eben viel stufenloser und individueller regeln kann, wann man erreichbar ist und wann nicht.

dakakadu
10
15.12.2011, 11:50
Ich hab auch versucht von Facebook wegzukommen,

aber leider holt mich das Zeug immer wieder ein. Momentan bin ich wieder voll drauf. Ahhhh, schnell mal meinen Status updaten....

ottarocker1
00
15.12.2011, 11:49
Leben ohne Facebook...

facebook ist nicht wichtig!

Leben ohne Internet - das wärs doch oder?

singing princess
01
15.12.2011, 11:13
privatsphäre

heute früh im gesundheitszentrum: "Sie waren schon bei uns frau müller? und ihre telefonnummer ist noch immer die 4807654? und sie wohnen im 14. bezirk in der xyz-strasse nummer 34?" die 20 personen im wartezimmer wissen das dann auch alle.

soviel zur privatsphäre

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