Von Bilanzskandal erschütterter japanischer Kamerahersteller vermied mit Bilanzvorlage in letzter Minute Verbannung von Tokioter Börse
Tokio - Der in einen Bilanzskandal verwickelte Kamerahersteller
Olympus könnte trotz der fristgerechten Vorlage von Zahlen nach wie vor von der
Börse ausgeschlossen werden. Der japanische Konzern bleibe auf der
Beobachtungsliste für eine mögliche Streichung der Börsennotierung, teilte die
Tokioter Börse am Mittwoch mit. Zuvor hatte die in Misskredit geratene Firma nur
Stunden vor Ablauf der gesetzten Frist korrigierte Bilanzzahlen für die
vergangenen fünf Jahre vorgelegt. Die überarbeiteten Daten deckten ein Loch von
rund 819 Mio. Euro in der Bilanz auf. Zudem legte der von einem der größten
Bilanzskandale Japans gebeutelte Konzern die überfälligen Zahlen für das erste
Halbjahr vor und nahm damit zumindest die ersten Hürden, um eine Börsennotierung
aufrecht zu erhalten.
Die korrigierten Zahlen zeigten per Ende Juni 2011 ein um umgerechnet 819
Mio. Euro (84 Mrd. Yen) niedrigeres Nettovermögen. Olympus teilte zudem mit, bis
Ende September sei das Vermögen weiter auf 46 Mrd. Yen gesunken, von 225 Mrd.
Yen im März 2007. Damit erhielten Spekulationen neuen Auftrieb, Olympus müsse
mit einem anderen Unternehmen fusionieren oder Vermögenswerte verkaufen, um die
Finanzen wieder in Ordnung zu bringen.
Investoren erleichtert
Zugleich rechnet der Traditionskonzern nun für das Ende September zu Ende
gegangene erste Halbjahr mit einem Nettoverlust von umgerechnet rund 318 Mio.
Euro. Ursprünglich hatte der Konzern einen Gewinn erwartet. Trotz der trüben
Nachrichten zeigten sich einige Investoren am Mittwoch erleichtert, dass Olympus
die Zahlen noch fristgerecht vorgelegt hat und in den vergangenen Jahren zu
keinem Zeitpunkt technisch insolvent war, also die Verbindlichkeiten die
Vermögenswerte überstiegen haben.
"Sehr wahrscheinlich muss Olympus sein Kapital erhöhen. Es ist das beste für
das Unternehmen mit anderen zusammenzugehen", sagte Ryosuke Okazaki von ITC
Investment Partners. Interesse an Olympus wird unter anderem den Rivalen
Fujifilm und Hoya nachgesagt.
Der Hersteller von Kameras und Medizintechnik wie etwa Endoskopen zeigte sich
am Mittwoch trotz der Rücknahme der Gewinnprognose zuversichtlich, die
notwendige Finanzierung weiterhin über Kreditinstitute abdecken zu können.
Olympus hatte eingeräumt, in den vergangenen Jahren rund eine Mrd. Euro
falsch verbucht zu haben. Dabei wurden Verluste aus Wertpapiergeschäften als
Kosten für Beratungen und Firmenzukäufe ausgewiesen. (APA/Reuters)