Nationalrat

Faymann: "Werden EU weder zerreißen noch aus ihr austreten"

14. Dezember 2011, 08:14
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    foto: apa/schlager

    Spindelegger und Faymann suchen nach Unterstützung in der Opposition, um der Schuldenbremse eine Verfassungsmehrheit zu verschaffen

Nationalrat beendete Arbeitsjahr 2011 mit Streit um die Schuldenbremse - Einigkeit gab es nur bei der Unterstützung für ukrainische Hunde

Wien - Die Regierungsspitze hat in der Sondersitzung des Nationalrats zum vergangenen EU-Gipfel dessen Beschlüsse als alternativlos verteidigt. Gleichzeitig forderten Kanzler Werner Faymann und Vizekanzler Michael Spindelegger die Opposition ein weiteres Mal auf, der von der Union vorgegebenen Schuldenbremse in der Verfassung zuzustimmen.

Der SPÖ-Chef konzedierte, dass es noch mehr brauche als die jüngsten Beschlüsse, um die Eurozone zu konsolidieren. Immerhin würden diese aber für mehr Stabilität sorgen. Und es sei unabdingbar, dass man die "Feuerwehr" kurzfristig mit Haftungen etc. so ausstatte, dass ausreichend Mittel vorhanden seien, wenn ein Land nicht mehr in der Lage sei, die Schulden zu refinanzieren.

"Zerstören wir die EU?"

Um Situationen wie die derzeitige zu verhindern, gebe es für die Zukunft Regelwerke wie die Schuldenbremse, die ernst genommen und überprüft würden. Das diene dem Ziel, stark genug zu sein, um sich vor den Fängen der Finanzmärkte zu schützen.

Vehement wandte sich Faymann neuerlich gegen Bestrebungen, aus der EU oder der Eurozone auszutreten. Die Frage sei, wolle man die Zusammenarbeit stärken oder ein Konzept verfolgen, die Eurozone zu begraben: "Wir haben tatsächlich die Wahl: Zerstören wir die EU, die Eurozone oder unternehmen wir alles, um ein Fundament zu bilden für ein gemeinsames Europa?" Die Antwort gab sich der Kanzler gleich selbst: "Wir werden weder die Europäische Union zerreißen noch aus ihr austreten."

Krankheitsbild "Überschuldung"

Den Verteidiger der Gipfelergebnisse gab auch Vizekanzler Michael Spindelegger, wenngleich er sich damit unzufrieden zeigte, dass die Linie immer nur von Deutschland und Frankreich vorgegeben werde: "Das kann nicht im Interesse eines gemeinsamen Europas sein."

In der Sache ist der ÖVP-Obmann dagegen bei den Brüsseler Beschlüssen mit dabei, vor allem die Verankerung der Schuldenbremse in der Verfassung hat es ihm angetan, denn das Krankheitsbild aller heiße "Überschuldung". Und es gebe keine Dauerkarte für den Klub der Triple-A-Staaten, sondern eine jährliche Mitgliedsgebühr.

Außenminister fordert EU-Reformen

Daher gehe kein Weg an einer Schuldenbremse in der Verfassung vorbei: "Wenn das Triple-A am Spiel steht, treibt man keine Spielchen", forderte er "alle Parteien" zur Zustimmung auf. Mit einem ausgeglichenen Haushalt würde man auch unabhängiger von Ratingagenturen, argumentierte der Vizekanzler. Derzeit sei man nur aus der Notfallchirurgie entlassen, die Genesung habe man aber noch nicht erreicht.

Von der EU selbst forderte der Außenminister Reformen. Neuerlich sprach er sich für eine personelle Beschränkung der Kommission über ein Rotationsmodell aus, durch das auch Österreich nicht mehr automatisch ein Kommissar zustehen würden. Zudem sollten die Verfahren vereinfacht werden. Es dauere zu lange, um in der Union zu Entscheidungen zu kommen. Neuerlich warb Spindelegger zudem für einen EU-Beitritt Serbiens.

Schweigekanzler Faymann

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache warf Faymann vor, in Brüssel zu schweigen, wenn es um österreichische Interessen gehe. Die Bezeichnung "Schweigekanzler", mit der Ex-Kanzler Wolfgang Schüssel bedacht worden war, sei daher auch auf den aktuellen Kanzler anzuwenden.

Strache beschwerte sich auch über die Weigerung Faymanns, mit der FPÖ über die Schuldenbremse überhaupt zu verhandeln. Er sei aber auch ein "Ausgrenzungskanzler, weil Sie meinen, das eigene Volk in Entscheidungsprozesse nicht einbinden zu wollen", sagte er mit Verweis darauf, dass Faymann eine - von der FPÖ geforderte - Volksabstimmung über den Euro-Rettungsschirm als nicht notwendig erachtet. In diesem Zusammenhang erinnerte der FP-Chef einmal mehr an jenen Brief, den Faymann 2008 an die "Kronen Zeitung" geschrieben hatte, in dem er versprach, vor Vertragsänderungen auf EU-Ebene das Volk zu befragen. Den Vorwurf, dass die FPÖ einen Austritt aus der Eurozone oder der EU anstrebe, bestritt Strache vehement: "Keiner sagt, dass es um einen Austritt geht."

Bucher: "Regierung soll Weg er Reformen gehen"

Auch BZÖ-Obmann Josef Bucher nahm die Sitzung zum Anlass, erneut auf seine Bedingungen zu einem orangen Ja zur Schuldenbremse zu pochen. "Wir haben klare Vorstellungen - im Gegensatz zur ÖVP", sagte er mit Blick auf die BZÖ-Forderung nach Sanktionen bei Nicht-Einhalten der Defizit-Regeln. In Richtung SPÖ sagte er, wenn diese gegen das vom BZÖ geforderte Abgabenlimit sei, "dann sind Sie für Steuererhöhungen". Die Regierung solle lieber "den Weg der Reformen" gehen.

Kritik übte er an der EU-Erklärung der Regierungsspitze, einzige Botschaft sei, weiterhin das Steuergeld "den Menschen aus der Tasche zu ziehen und den Pleitestaaten und maroden Banken hinterherzuwerfen."

Grüne wollen der Regierung keine Mauer machen

Kritik kam auch von der Grünen Klubchefin Eva Glawischnig. Die Bilanz der bisherigen Krisen-Bewältigung auf EU-Ebene sei "sehr ernüchternd". Seit drei Jahren warte man auf eine nachhaltige Lösungen für eine Regulierung der Finanzmärkte oder einem Vorantreiben der Finanztransaktionssteuer. Im Gegensatz seien die Regierungen aber ausschließlich auf Sparpolitik konzentriert, die die Krise nur verstärkt habe. Mit dem jetzigen Gipfel sei diese "einseitige Orientierung" noch verschärft worden. Kritik übte sie auch an der Entscheidungsfindung auf EU-Ebene, diese würde an den nationalen Parlamenten verbeigehen. Die Grünen würden der Regierung jedenfalls nicht mehr die Mauer machen, sagte sie mit Blick auf die Schuldenbremse und die Grüne Forderung nach Vermögenssteuern.

Einigkeit bei Tierschutz

Nach der kontroversiellen Schuldenbremsen-Debatte gab es bei einem Thema doch noch Einigkeit: Einhellig wurde ein Antrag unterstützt, der die Regierung auffordert, sich gegenüber der Ukraine gegen Quälerei und Massentötungen von Hunden auszusprechen.

Außenamtsstaatssekretär Wolfgang Waldner betonte, man habe schon wiederholte Male Vertretern in Kiew die entsprechende Position Österreichs übermittelt. Es sei nicht akzeptabel, wenn nur wegen einer Fußball-Europameisterschaft zigtausende Hunde gequält und getötet würden. Als Hilfsmaßnahme berichtete er von einer Lieferung von Hundehütten und Hundefutter, die gestern in der Ukraine eingetroffen sei.

Der Nationalrat beendete damit das Arbeitsjahr 2011. Die nächsten ordentliche Plenarsitzung findet am 18. Jänner statt. (APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 187
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Weg mit dem letzten Proelleten!
00
20.1.2012, 08:27
Der Feymann muss Hellseher sein.

Nach den Ereignissen in den letzten Jahren traue ich mir nicht vorhersagen, ob die EU nicht doch auseinanderbricht.

Neoliberal National der Untergang!
10
18.1.2012, 11:47
RICHTIG!!!

Und auch wichtig für den Bürger!
Sonst wird es immer brauner!

Heck
00
27.12.2011, 13:32

Wer sieht in der EU noch Österreich, wer Identifiziert sich noch mit Östereich, wer schaut noch auf die Österreicher????

Robert Alexander
02
18.1.2012, 13:06
Als ehemals überzeugter EU- und Eurobefürworter

kann ich nur aus heutiger Sicht sagen, dass das Projekt an der Inkompetenz der handelnden Personen gescheitert ist. Besser wäre wohl so wie die Schweiz da zu stehen, das würden wir wohl, wenn wir nicht mitgemacht hätten. Aber im Nachhinein.....

J. Reichhart
00
15.12.2011, 08:45
allen feimanns und straches mal zur kenntnis:

wenn austristan ausstritt, wird es weder die eu zerreissen noch erschüttern. austristan wirds aber zerreissen und erschüttern.

in der eu werden es einige net amal bemerken, wenn wir uns schleichen.

J. Reichhart
11
14.12.2011, 19:27
man kann es nicht oft genug empfehlen:

da stellt einer die richtigen fragen:

http://www.youtube.com/watch?v=fzqWNCNSItY

J. Reichhart
00
14.12.2011, 19:14
spindelegger, wo sind deine vorschläge,

deine alternativen, deine strategien?

ich hör nix.

Pierre d´Aubusson
00
15.12.2011, 21:15

Falsche Zeitung?

leser 4712
00
14.12.2011, 18:16
vertragsbrecher

kyoto ... wen kümmert's (die 500 millionen aus dem budget - ja mei)
maastricht ... das haben andere unterschrieben (und kriterien sind uns wurscht)

nein zur verfassungsänderung ... ganz egal, ausgemacht in brüssel, ist ausgemacht.

lejanin
00
14.12.2011, 18:13
ja also dann werden wir

die eu als karitative organisation ansehen und sie mit unserem grossem jährlichen Geldüberschuss kräftig unterstützen damit sie viele moderne kernkraftwerke badbanks und gentechnikprojekte autobahnen etc finanzieren.

jetzt gerade
10
14.12.2011, 17:54

geht's, wann können wir endlich eine europäische Führung wählen?
das Provinztheater hier ist doch in einem Landtag viel besser aufgehoben, das braucht niemand mehr, nur noch diese Schmalspur Politker für sich selbst.

Armin Bierbauer
01
18.1.2012, 12:42

Ja, gute Frage, wieso konnte niemand Van Rumpoy, Cathy Ashton und Co. wählen? Doch nicht etwa, weil diese Technokraten-Hackfressen niemand gewählt hätte?

Goran Markovic
01
14.12.2011, 17:57

Reden Sie bitte in Ihrem Namen, nicht in meinem.

Ich z.B. brauche die Beamtenunion aus Brüssel nicht

Herr und Gscherr
00
14.12.2011, 17:14

Die EU benötigt zur Verfassung eine grundlegende Basis - wohin Ihr treiben führen soll!

Ohne dem lauft nichts in Bahnen.
Jegliches handeln hat seinen Zweck und sein Ziel

eine rein egoistische Handlung hat keinen Mehrwert für eine Gesellschaft und ist sogar Schädigend.

Darf ich mit so einer Rating-Agentur einmal plaudern ^^

Der Schärdinger
 
06
14.12.2011, 17:09
Der Schärdinger

So halbierts halt endlich dieses Kasperltheater.
Die Hälfte dieser Unsinnigen sind noch zuviel, für das, was da geleistet wird.
Wer im Sommer wochenlang nicht abgeht, jetzt auch nicht bis 18. Jänner kann nicht wichtig sein.
Schaffts endlich diesen unsinnigen Bundesrat ab.
Legt endlich mal diese Landesregierungen auf 3 zusammen. Schaffts doch diese unsinnigen Kammern bis auf zwei ab. Legt die Sozialversicherungen zusammen, 24 haben wir, so ein Irrsinn.

Titus Petronius
03
14.12.2011, 16:49
Das ist aber schön, die Einigkeit über die ukrainischen Hunde, da kann man sich schon 5 Wochen Urlaub genehmigen nach so einer weltbewegenden Leistung

Und da fragt sich noch jemand ernsthaft, warum die Wut immer grösser wird ?

LT81
00
14.12.2011, 17:50

da habens recht, das einzige wo sie sich einig sind. obwohl es da ja eigentlich keine zwei meinungen geben kann.

Titus Petronius
00
14.12.2011, 18:08
Addendum

Und damit sie sich schneller einig werden, sollte man den Zugang zu Drogen, Alkohol,Zigaretten und dem Häusl verwehren und die Frischluftzufuhr kappen.

Titus Petronius
00
14.12.2011, 17:56

Irrtum, bei den offenen Problemen in Österreich darf so ein Tagesordnungspunkt überhaupt nicht zugelassen werden.

Man sollte die Parlamentarier im Parlament einsperren, solange bis sie vernünftige Lösungen zu präsentieren haben.

LT81
00
14.12.2011, 18:15

wieso irrtum?

ich bin doch selbst der meinung, dass das thema an einem anderen zeitpunkt besprochen gehört bzw. nicht im parlament. es kann da eigentlich keine zwei meinungen geben und deshalb reicht da eine absprache zwischen den clubchefs und es hat sich.

wir können es in zukunft ja so machen. einsperren und warten bis der weiße rauch kommt. meine befürchtung, die machen dann ein saufgelage und haben ihren spaß. ich rede noch nicht mal davon ob was sinnvolles rauskommt.

Sarolta Pusca
02
14.12.2011, 16:41
Kanzler von Gesterns Gnaden

Faymann hat die Volksabstimmung versprochen und nun das Versprechen gebrochen. Warum? Hat er Angst vor seinem Volk? Wer will ihn noch? Wer wählt ihn noch?

Fredl Mrkwiczka
00
14.12.2011, 16:38

wo ist denn eigentlich das euro-barometer geblieben, das uns in regelmäßigen abständen über die überwältigende zustimmung zur eu informiert hat?

cannery row
01
14.12.2011, 17:30
das ist..

vor lauter zustimmung geplatzt.

michikklas
00
14.12.2011, 16:36

Die Rolle Oesterreichs in der internationalen Politik wird hierzulande heillos ueberschaetzt.

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