Pariser Geschworenengericht verhängt über einstigen Top-Terroristen zusätzlich Sicherheitsverwahrung
Paris - Der einstige Top-Terrorist "Carlos" ist zum zweiten Mal zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Ein Pariser Geschworenengericht befand den Venezolaner am späten Donnerstagabend für schuldig, hinter vier Attentaten 1982 und 1983 auf Züge, Bahnhöfe und eine Zeitung zu stecken. Eine vorzeitige Begnadigung ist durch eine zusätzlich verhängte Sicherheitsverwahrung von 18 Jahren kaum möglich.
Der bereits wegen mehrfachen Mordes in Frankreich zu lebenslanger Haft verurteilte Ex-Terrorist, Geburtsname Ilich Ramirez Sanchez, hatte sich zuvor in einem fünfstündigen Abschlusswort erneut als revolutionärer Märtyrer dargestellt.
In dem Prozess ging es unter anderem um Attentate auf Züge und
einen Bahnhof. Carlos soll damit versucht haben, die Freilassung
zweier Komplizen zu erzwingen. Er selbst bestreitet die Vorwürfe. Der
62-Jährige sitzt in Frankreich bereits seit 1997 wegen der Ermordung
zweier französischer Agenten und eines Informanten hinter Gittern.
In Österreich führte der Terrorist bei dem Angriff auf die Wiener
OPEC-Zentrale im Dezember 1975 das Kommando, bei dem drei Menschen
getötet wurden. Damals flohen die Terroristen, in deren Hand sich
Dutzende Geiseln befanden, mit einem gekaperten Flugzeug über
Algerien in den Nahen Osten. Auf ihrer Flucht wurde "Carlos" vom
damaligen österreichischen Innenminister Otto Rösch (SPÖ) auf dem
Flugfeld in Schwechat per Handschlag verabschiedet, was diesem später
heftige Kritik eintrug. Ramirez und seine fünf Kampfgefährten wurden
in Österreich nie vor Gericht gestellt. (APA/dpa/AFP)